Zum Leben gehört auch die Kultur

Das Goethe-Institut Hong Kong hat seit Anfang Dezember eine neue Leiterin. Almuth Meyer-Zollitsch ist nach sechseinhalb Jahren am Goethe-Institut in Hanoi mit ihrem Mann hierher gezogen. Sie bezeichnet die Stadt als einen absoluten Glücksfall: Beruflich wie persönlich.

inhk: Sie sind erst seit ein paar Wochen in Hong Kong – was ist Ihr erster Eindruck von der Stadt?
A. Mayer-Zollitsch: Was ich gleich in den ersten Tagen gespürt habe, ist die große Dynamik und das enorme Tempo dieser Stadt. Alle sind schnell unterwegs. Ich habe auf die Füße der Frauen geschaut und festgestellt, dass keine Frau high heels trägt. Also habe ich mir erst einmal ein paar Turnschuhe gekauft, um zwischen U-Bahn-Station und Bushaltestelle hin- und herlaufen zu können. Und diese Dynamik zeigt sich auch im Kulturbereich.

inhk: Inwiefern?
A. Mayer-Zollitsch: Wenn ich aus meinem Bürofenster blicke, sehe ich auf der anderen Seite West Kowloon. Der dort entstehende Kulturdistrikt mit seinen Museen, Theatern und Parks wird neue Maßstäbe setzen – quantitativ wie qualitativ. Es hat mich wirklich sehr überrascht, wie hochprofessionell und zielorientiert hier im Kulturbereich gearbeitet wird und neue spannende Orte geschaffen werden. Oder sehen Sie sich den Distrikt Old Bailey an …

inhk: Die ehemalige Polizeistation und das alte Gefängnis in Central …
A. Mayer-Zollitsch: Es ist beeindruckend zu sehen, wie hier – mitten im Herzen der Stadt – alte Gebäude mit zwei Neubauten zu einem Ganzen verbunden werden, einem Kulturort mit hochwertigen Einrichtungen wie Kunstgalerien, Auditorium und einem Open-Air-Bereich. Hong Kong hat verstanden, dass zum Leben auch die Kultur gehört.

inhk: Was bedeutet das für das Goethe-Institut?
A. Mayer-Zollitsch: Das sind für uns tolle Anknüpfungspunkte. Wir haben viele interessante Partner, mit denen wir zusammenarbeiten können, viele besondere Orte, wo wir deutsche Kultur vorstellen können. Gleich am Anfang des Jahres hatten wir das Konzert von „La Brass Banda“ in einem alternativen Club in Kowloon, dann arbeiten wir mit dem Hong Kong Arts Festival zusammen, das eine Rekonstruktion des „Triadischen Balletts“ von Oskar Schlemmer zeigt. Diese Bandbreite ist typisch für unsere Arbeit hier. Und natürlich gibt es auch noch viel im Goethe-Institut selbst: Jeden Monat neue Ausstellungen in der Goethe Gallery, eine tolle Bibliothek mit großem Angebot und nicht zuletzt unsere Deutschkurse und Prüfungen, die seit letztem Jahr rasant zunehmen.

inhk: Haben Sie sich die Stelle in Hong Kong bewusst ausgesucht?
A. Mayer-Zollitsch: Beim Goethe-Institut bewirbt man sich um freie Stellen. Man kann fünf Orte angeben. Bei mir sah die Liste so aus: Hong Kong, Hong Kong, Hong Kong …

inhk: Warum so unbedingt Hong Kong?
A. Mayer-Zollitsch: Ich wollte immer in eine Weltstadt. Es gibt nur wenige Metropolen, die sich mit Hong Kong und der Vielfalt, die hier geboten wird, messen lassen können. Und dann habe ich mir immer eine Stadt am Wasser gewünscht. Ich liebe Schiff fahren, ich stamme aus Bremen. Schon allein, wenn ich nach Kowloon hinüberfahre, ist das für mich eine kleine Seefahrt.

inhk: In Hong Kong leben viele Expats, Sie selbst und Ihre Familie sind seit vielen Jahren unterwegs in der Welt. Was macht den Reiz dieses Lebens für Sie aus?
A. Mayer-Zollitsch: Zu sehen, was es um die Ecke gibt. Und zu wissen, dass man überall zurechtkommt, wenn man selbst offen für das Neue und Andere ist. Das zu lernen, war speziell für unsere zwei Kinder, die in Brüssel, Mailand und München aufgewachsen sind, ein großes Privileg.

Was das Goethe-Institut Hong Kong neben seinen Deutschkursen so alles bietet:

  • Kooperationen mit Schulen und Universitäten, die Deutsch als Fremdsprache anbieten
  • Südchinesischer Deutschlehrertag jährlich im Oktober
  • Goethe-Fest: Festival der deutschen Sprache jährlich im November
  • Veranstaltungen in den Bereichen Gegenwartskunst, Film, zeitgenössischer Tanz und Neue Musik (monatlich wechselnde Ausstellungen deutscher und Hong Konger Künstler in der Goethe Gallery und im Black Box Studio, jährliches Festival des aktuellen deutschen Films KINO, German Film Forum, Unterstützung von Gastspielen deutscher Choreografien und Musiker auf renommierten Festivals in Hong Kong)
  • Filmarchiv mit ca. 500 Spiel- und Dokumentarfilmen
  • Bibliothek mit Büchern, Zeitungen, Zeitschriften sowie „Onleihe“ – ein digitales Bibliotheksangebot, das 12.000 digitale Medien rund um die Uhr bereitstellt und die auf den PC oder mobile Geräte heruntergeladen werden können

sba

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