Wüste, schneebeckte Gipfel und der Charme des Orients

Im Nordwesten Chinas befindet sich die autonome Region Xinjiang. Obwohl dünn besiedelt, macht die Provinz etwa ein Sechstel des Territoriums des Landes aus. Durch diese Region verläuft die historische Seidenstraße, an der die Orte Urumqi und Kashgar liegen.

Direktflüge von Hong Kong gibt es nicht. Aber von Shenzhen erreicht man in 5,5 Stunden Urumqi, legt dort einen Zwischenstopp ein und fliegt dann weiter nach Kashgar. Beim Buchen bitte die Öffnungszeiten der Grenzübergänge beachten!

Im Norden Xinjiangs, der an die Mongolei, Russland und Kasachstan grenzt, befindet sich die Hauptstadt Urumqi mit rund 3,8 Mio. Einwohnern. Eine Kleinstadt für chinesische Verhältnisse. Sie liegt am Nordfuß des Tian Shan-Gebirges auf einer Höhe von 860 m. Die Bevölkerung besteht zu 75% aus Han-Chinesen und knapp 13% aus Uiguren, der Rest ist aus den angrenzenden Ländern zugewandert.

Erdaoqiao-Basar

Zu sehen gibt es außer dem wirklich interessanten regionalen Museum von Xinjiang nur den über 910 m über dem Meeresspiegel liegenden Hong Shan (roter Berg) und den im uigurischen Baustil errichteten Erdaoqiao-Basar, der größte Basar Chinas.

Xinjiang Regional Museum

Wer allerdings schon viel in China gereist ist, kann diese Sehenswürdigkeiten getrost weglassen und sich gleich auf den Weg zum Tian Chi begeben. Der 1.980 m hoch gelegene Himmelssee befindet sich 115 km westlich von Urumqi im Tian Shan-Gebirge. Der See ist laut einer Legende nach einem Herrscher der Zhou-Dynastie benannt, der hier zu Ehren der Himmelsmutter ein Festmahl gegeben haben soll. Er wird von riesigen schneebedeckten 5.000 er Gipfeln eingerahmt und die Seeufer sind von dichtem Kiefernwald bedeckt, was, nur zwei Stunden von der Wüste entfernt, schon sehr beeindruckend ist.

Tian Chi

Auf dem Parkplatz im Tal muss man das Auto verlassen und in einen Bus umsteigen, der in einem von Kasachen bewohnten Jurtendorf hält. Natürlich kann hier eingekauft werden!

Urumqi bedeutet ursprünglich „schöne Weiden“ auf Mongolisch. Denn im Tal des Himmelgebirges befindet sich das Südliche Weideland. Eine weitere, dieses Mal nur 75 km entfernte, spektakuläre Landschaft auf einer Höhe von 2.000 m.

Traditionelle Jurtenzelte ziehen sich über das gesamte Grasland und bieten auch hier den einheimischen Kasachen ein Zuhause.

Wer möchte, darf einen Blick in eine der Jurten werfen, auf einem der vielen Pferde reiten oder ein einheimisches Restaurant besuchen.

Die zwei Flugstunden von Urumqi entfernte Wüstenstadt Kashgar, mit nur 506.640 Einwohnern, liegt im Südwesten Xinjiangs am Rande des Tarimbeckens und der Taklamakan-Wüste auf einer Höhe von 1.330 m. Diese Region grenzt an Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan. Hier leben 77% islamisch geprägte Uiguren mit turksprachigem Ursprung und fast 22% Han-Chinesen. Der Rest der Bevölkerung stammt aus Usbekistan und den angrenzenden Ländern. Die Uiguren wurden durch die Händler der Seidenstraße im 8. Jahrhundert zum Islam bekehrt.

Die wirklich sehenswerte Altstadt Kashgars hat eine Geschichte von über 2.000 Jahren und gilt als der weltweit größte Baukomplex aus Stampflehm und zudem als die kulturhistorisch bedeutendste islamische Stadt Zentralasiens. Nach dem Erdbeben 2008 in Wenchuan wurde die Altstadt, die in einem Erdbebengürtel liegt, saniert. Ein Großteil davon ist heute mit der notwendigen Infrastruktur versorgt und erdbebensicher, wobei der Originalbaustil erhalten blieb. An beiden Seiten der Straßen befinden sich uigurische Läden und verwinkelte Gassen mit zweigeschossigen Lehmhäusern wie aus einem Bilderbuch des frühen 20. Jahrhunderts.

Die Urururururenkel von Handwerkern und Künstlern hämmern und meißeln hier noch immer.

Dazwischen exotisch anmutende Teestuben mit uigurischem Flair.

Nichts erinnert mehr an China, der Einfluss der arabischen Welt ist spür- und greifbar.

Die über 400 Jahre alte Id Kah Mosque ist die größte Moschee Chinas. Sie bietet rund 10.000 Gläubigen Platz, allerdings auf dem Gelände, nicht in der Moschee. In der ehemaligen Schule wurde islamische Kultur und Geschichte gelehrt. Über die gesamte Stadt verteilen sich weitere 10.000 Moscheen.

Id Kah Mosque

Der Abakh Khoja Tomb gilt als Meisterstück uigurischer Architektur. Von 1640 an wurden hier in 58 Gräbern 72 Mitglieder der Abakh Khoja Familie begraben. In China ist die Grabstätte auch bekannt als das der „duftenden Konkubine“, die uigurische Konkubine des Kaisers Qianlong aus der Qing-Dynastie. Das Besondere daran ist, dass sie fast 30 Jahre lang seine Geliebte war und angeblich neben seiner Familie begraben wurde – undenkbar zur damaligen Zeit.

Abakh Khoja Tomb

Auf dem Big Bazaar Kashgar mit mehr als 1.000 Ständen kann man fast alles finden, was mit dem uigurischen Alltagsleben verbunden ist. Doch auch hier gilt: Ein Basar, alle Basare! Es wiederholt sich vieles!

Spannender ist der Sonntagsmarkt, ein Treffpunkt für Tierhändler und -käufer aus der näheren und weiteren Umgebung. Er ist einer der größten Märkte des Orients.

Hier werden Schafe, Ziegen, Esel, Rinder, Yaks, Pferde sowie landwirtschaftlicher Bedarf angeboten.

Am Eingang gibt es jede Menge Essensstände mit „Leckereien“ wie Schisch Kebab, allerdings mit Hammelfleisch.

Die beste Reisezeit für Urumqi ist von April bis zur ersten Oktoberwoche, für Kashgar von April bis Ende Oktober. Dann wird es Winter und die Temperaturen fallen in Urumqi bis auf minus 25 °C und in Kashgar bis auf minus 15 °C.

Hotels sind in allen Preiskategorien vorhanden, allerdings entsprechen die 5 Sterne Hotels nicht denen in anderen Regionen. Kashgar bietet die Unterkunft in einer Jugendherberge für 40 RMB die Nacht an.

Man kann allein reisen und auch allein ausgehen, beide Städte sind sicher, die Polizei ist überall präsent. Noch nie sind wir so oft kontrolliert worden! Trotzdem empfiehlt sich ein Reiseführer, weil fast nur chinesische und uigurische Schriftzeichen zu sehen sind und Englisch, selbst in den guten Hotels, fast gar nicht verstanden wird.

ct

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