Vanuatu: Entspanntes Inselleben in der Südsee

Wo genau liegt Vanuatu? Das könnte eine Frage aus einem Pub-Quiz sein, ist doch der rund 1.500 Kilometer östlich von Australien gelegene Inselstaat auf dem Radar der meisten Urlauber nicht wirklich präsent.  Einsame Sandstrände, rauchende Vulkane, versunkene Relikte des 2. Weltkrieges, eingebettet in entspanntes Inselleben –  dies und noch einiges mehr erwartet Besucher des Archipels Vanuatu im Südpazifik.

Zeichen der Zivilisation
Als unser kleines Propellerflugzeug auf der Graspiste der Insel Tanna landet, liegt der urbane Dschungel Hong Kongs bereits weit zurück. Bis vor einigen Jahrzehnten lebten auf dieser Insel noch aktive Kannibalenstämme – bei Kämpfen mit Nachbardörfern landeten die Verlierer nicht selten im Kochtopf. Doch die Zivilisation ist auch in diese Ecken vorgedrungen – zwar gibt es elektrischen Strom nur für einige Stunden täglich, doch besitzt fast jeder ein Mobiltelefon. Die ursprüngliche Kleidung – der Nambus, ein Penisköcher für die Männer und aus Bambus gefertigte Röcke für Frauen – wird nur zu festlichen Anlässen getragen, im Alltag tragen die Menschen T-Shirts, Shorts und das eine oder andere grelle Hawaii-Hemd.

Der Vulkan Mt Yasur
Am Rande des Flugplatzes wartet Kelson, ein stämmiger Mann, lokale Politikgröße und ein Melanesier (die ursprüngliche Bevölkerungsgruppe Vanuatus). Sein Pick-up windet sich quer über die Insel zum Fusse des aktiven Vulkanes Mt Yasur, zu Kelson’s Hostel, wo einige einfache Hütten und für Schwindelfreie ein 15 m hohes Baumhaus warten. Das Sitzfleisch ist nach mehr als drei Stunden holpriger Fahrt strapaziert – doch frisch gepflückte Mandarinen, Passionsfrüchte und Mangos, die am Straßenrand verkauft werden, erleichtern die Mühen. Überhaupt wird einem an jeder Ecke ein Lächeln geschenkt! Laut einer Statistik der UN, sind die Bewohner Vanuatus die glücklichsten Menschen der Welt.

Mt Yasur ist einer der zahlreichen aktiven Vulkane Vanuatus, und ständig steigt eine graue Wolke aus dem Krater in den Himmel. In kurzen Abständen ertönt ein lautes Grollen und Donnern – dann werden Steine zusammen mit glühender Lava in den Himmel geschleudert. Kelson lässt mir keine Ruhe – er möchte mir den Krater aus der Nähe zeigen und er habe sogar eine Überraschung für mich! Irgendwie hat er meine Liebe zum Wintersport erahnt, deshalb hat er seinen Cousin Philip überredet mir sein Snowboard zu leihen und vom Vulkan entlang des Aschekegels abzufahren. Los geht es also: Mit dem Jeep fahren wir knapp an den Kraterrand, und genießen in der Dämmerung das Spektakel der speienden Lava und regelmäßige Ausbrüche. Kelson hat nicht übertrieben – mit ohrenbetäubendem Krachen fliegen alle paar Minuten Steine in die Luft. Nicht ganz ungefährlich, mahnt ein schwedischer Tourist – vor einigen Jahren wurden zwei Reisende getroffen!
Doch bevor mir Zweifel an meiner Sicherheit kommen, ist das Snowboard bereits an meine Füsse geschnallt und während hinter mir der Vulkan donnert, gehts in raschem Tempo abwärts.

Highlights des Archipels Vanuatu
83 Insel umfasst Vanuatu und auf fast jeder wohnen mehrere Stämme mit zum Teil eigener Sprache, Tradition und Ritualen. Ein einzigartiges Aufnahmeritual haben die Bewohner der Insel Pentecoast entwickelt. Jedes Jahr werden aus Baumstämmen 30 Meter hohe Türme gebaut, von denen sich dann junge Männer zum Beweise ihres Mutes, nur mit an die Füsse gebundenen Lianen in die Tiefe stürzen. Nachdem sie sich mit Gesängen und Kava, einem aus einer Wurzel gewonnenen leicht hallzugenem Getränk, in einen meditativen Zustand versetzt haben, geht es Kopf voran in die Tiefe. Die Jüngsten springen aus knapp drei Metern auf den lehmigen Untergrund, die Besten jedoch von der Spitze des Turmes. Ein Neuseeländer, der diesem Schauspiel vor einigen Jahrzehnten durch Zufall beiwohnte, entwickelte daraus die Idee für das moderne Bungee-Jumping.

Vanuatus größte Insel ist Espiritu Santo. Im 2. Weltkrieg war hier eine der größten Basen der US-Streitkräfte, um den Vormarsch der Japaner im Pazifik zu stoppen. Vor allem unter Wasser zeugen tausende Relikte von dieser Episode. Das größte und berühmteste ist die SS-Coolidge – ein fast 200 m langer Truppentransporter und vormaliger Luxusdampfer, der im Jahr 1942 im Hafen der Stadt Luganville auf eine Mine aufgelaufen und im Hafenbecken gesunken ist. Seither gilt es als größtes tauchbares Wrack und ist dauerhauft auf der Liste der weltbesten. Die lokalen Tauchanbieter arbeiten sehr professionell und bieten Tauchgänge sowohl zum Deck als auch in die zahlreichen inneren Räume (z. B. in die noch mit Jeeps und Flugzeugtank gefüllten Lagerräume) des Schiffes an. Unweit der Coolidge ist der Million Dollar Point – hier wurden nach Ende der Kampfhandlungen tausende Panzer, Trucks und anderes Material ins Meer gekippt. Bereits beim Schnorcheln zeigt sich anschaulich die Geschichte.
Unglaubliche Strände – der Champagne Beach auf Espiritu Santo gilt als schönster Strand des Südpazifiks – faszinierend glänzende blaue Lagunen und freundliche, entspannte Menschen sind weitere Highlights der Reise.

Tipps
Anreise via Australien: Air Vanuatu/Virgin Australia fliegen von Sydney, Melbourne und Brisbane in die Hauptsadt Port Vila.

Unterkünfte
In allen Kategorien, von Luxusresorts zu Budgethostels.
Um die einzigartige Kultur Vanuatus zu erkunden, empfiehlt es sich abseits der Resorts zu bleiben. Das Travellers Budget Motel in Port Vila ist eine gute erste Anlaufstelle. Die Besitzerin Janine gibt gerne Tipps und hilft bei der Planung.

Beste Reisezeit
Hauptreisezeit ist Juli-Dezember, am ruhigsten ist es in der Zeit von Januar bis Juni.

Tipp
Vanuatu ist eine beliebte Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe aus Australien und Fiji. Für Individualtouristen empfiehlt es sich, die Reise entgegen den Anlegezeiten der Schiffe zu planen, da Preise dramatisch steigen. Die Schiffe ankern normalerweise nur für einige Stunden; sobald sie auslaufen kehrt wieder beschauliche Ruhe ein.

Paul Niel lebt in Hong Kong und widmet sich Expeditionen und Abenteuern in aller Welt, mit denen er wohltätige Organisationen wie die dZi Foundation und enlighten unterstützt. Seine Reisen haben ihn in mehr als 85 Länder auf allen Kontinenten geführt, u. a. in ferne Regionen wie Sibirien, Nordkorea, die Antarktis, Papua und mit dem Segelboot über den Atlantik. Seine Leidenschaft ist das Bergsteigen – er hat die 7 Summits, die höchsten Berge auf jedem Kontinent, sowie zwei 8.000er bestiegen. 

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