„Super Voraussetzungen”

Arbeiten im Ausland? Die Deutsch-Schweizerische Internationale Schule GSIS macht es möglich. Drei Lehrerinnen berichten von ihren Erfahrungen.

Sie vermisst die Erdbeeren. Aber das ist eigentlich auch schon alles. Darum hat Judith Wagner ihren Vertrag an der Deutsch-Schweizerischen Internationalen Schule GSIS in Hong Kong um weitere drei Jahre verlängert. Die gebürtige Mannheimerin ist Lehrerin, ihre Fächer sind Englisch und Geschichte. „Ich war bereits während meines Studiums ein Jahr im Ausland, in Manchester, dort habe ich Deutsch unterrichtet. Schon damals stand fest, dass ich das noch einmal mache“, sagt Wagner. Doch zunächst hat sie ihr Studium in Mannheim beendet, anschließend ihr Referendariat gemacht und war dann sieben Jahre lang Lehrerin am Eleonoren-Gymnasium in Worms. Das gefiel ihr sehr gut – doch bald hatte sie das Gefühl, dass es Zeit für etwas Neues sei. Und das war Hong Kong.

Der deutsche Staat fördert weltweit derzeit 140 Auslandsschulen, von Abu Dhabi über Brüssel, Lima, Washington bis hin zu New Delhi, Pretoria und eben Hong Kong. Wer hier tätig werden will, muss sich zunächst in Deutschland – mit Einverständnis des jeweiligen Dienstherrn – für den Auslandsdienst bewerben. Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), die zum Bundesverwaltungsamt in Bonn gehört, führt dann eine Unterrichtshospitation durch; verläuft die positiv, werden die Bewerberinnen und Bewerber in eine Onlinekartei aufgenommen. „Auf die haben die Auslandsschulen Zugriff und können sich die Kandidaten ansehen“, so Wagner. Schon bald erhielt sie von der GSIS einen Hinweis, dass für die Sekundarstufe in ihrer Fächerkombination eine Lehrkraft gesucht wird – und Wagner bewarb sich. Mit Erfolg. Im Sommer 2015 bestieg sie in Frankfurt ein Flugzeug nach Hong Kong.

Seitdem sind drei Jahre vergangen – und die 37-Jährige ist noch immer begeistert. „Die Stadt ist toll, diese Kombination von Großstadt und Natur ist etwas ganz Besonderes.“ Das gelte auch für die Schule, die in einer Sackgasse auf einem Berg liegt, der Blick geht hinaus auf Meer, Inseln und vorbeifahrende Containerschiffe, dort, wo die Straße endet, beginnt der Wald. Die Arbeitsbedingungen nennt sie traumhaft. „Ich bin mit meinen vier Folienstiften angereist, ich dachte, wir arbeiten wie in meiner alten Schule mit Overheadprojektoren. Doch die brauche ich gar nicht, jede Klasse hier hat ihr eigenes Whiteboard.“

Wenn Ece Nicolaus im Biologieunterricht einen Versuch machen möchte, sagt sie ihrem Lab Assistant Bescheid, dem Laborassistenten. Der bereitet alle Experimente für sie vor. „Ich muss nur aufschreiben, was ich benötige. Die Zeit, die ich dadurch spare, kann ich in den Unterricht investieren, das macht einen Riesenunterschied.“ Nicolaus wurde in Mannheim geboren und ist in Viernheim aufgewachsen. Nach dem Studium in Gießen und dem Referendariat in Köln zieht sie mit ihrem Mann in die Rhein-Neckar-Region zurück. Eine feste Stelle zu finden, stellt sich als schwierig heraus. „Ich habe ein halbes Jahr als Vertretungslehrerin in Viernheim gearbeitet, dann zwei Jahre am Theodor-Heuss-Gymnasium in Ludwigshafen.“ Schließlich sieht sie per Zufall eine Stellenanzeige der GSIS. Sie bewirbt sich – und wird genommen. Anders als Wagner kann sich die 30-Jährige, die nicht verbeamtet oder fest angestellt an einer deutschen Schule ist, direkt bei Auslandsschulen bewerben und wird dann als sogenannte Ortslehrkraft angestellt.

Nicolaus Bilanz nach dem ersten Jahr: „Die Voraussetzungen sind super. Am besten finde ich, dass man Inhalte mittels Google Classroom teilen kann. Dort stelle ich Arbeitsblätter und Hausaufgaben ein und umgekehrt können die Kinder mir ihre Arbeiten zumailen und ich kann die Dokumente dann direkt korrigieren. Das spart Zeit und Geld für Kopien und Papier.“ Ab der neunten Klasse bringen die Schülerinnen und Schüler dann ihre Laptops mit in die Schule – und auch das funktioniert. „Am Anfang lassen sie sich vielleicht noch ablenken, schauen YouTube-Videos, doch nach einem halben Jahr habe ich alle so weit. Die meisten wissen ohnehin, dass der Computer für sie ein Zugewinn ist. Und die ein oder zwei Kandidaten, die das weiter versuchen, setze ich verkehrt herum in die Klasse, dann sehe ich, was sie auf ihren Computern treiben.“

Eine Besonderheit der GSIS ist ihre Doppelstruktur: Neben dem deutschen Zweig, in dem knapp 400 Kinder unterrichtet werden (inklusive Kindergarten und Vorschule), existiert ein fast doppelt so großer englischer Zweig, der dem britischen Lehrplan folgt. „Das erfordert viel Fingerspitzengefühl, da hier Kulturen zusammentreffen und jeder für sich seine Eigenarten hat, die bewahrt werden sollen“, sagt Charlotte Schneider-Vetter, die drei Jahre lang die deutsche Grundschule der GSIS geleitet hat. Schneider-Vetter ist zum neuen Schuljahr nach Deutschland gezogen, zurück nach Wiesbaden; dort hat sie erneut die Leitung einer Grundschule übernommen. Beeindruckt hat Schneider-Vetter vor allem der Stellenwert, den Bildung in Asien hat. „Eltern tun alles, um ihren Kindern eine exzellente Schulausbildung zu ermöglichen. Die GSIS bietet die entsprechende Ausstattung und verfügt über hoch qualifizierte und motivierte Lehrkräfte. Auch die Schülerinnen und Schüler sind hoch motiviert und leistungsbereit. Darüber hinaus ist das Forderungs- und Fördersystem hervorragend – im Vergleich zu Deutschland ist dies wahrer Luxus.“

Der hat allerdings seinen Preis. Wie jede andere internationale Schule in Hong Kong verlangt auch die GSIS Schulgebühren – und das sind pro Jahr und Kind 20.000 Euro.

sb

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