Street Art in Hong Kong

In der Kunstszene hat sich das Thema Street Art in Hong Kong fest etabliert. Zu dieser noch neuen Kunstrichtung haben wir Alex interviewt.

Kurzbio
Alexandra ist ein echtes Berliner Kindl, das es recht früh in die weite Welt zog. Ein Highschool Jahr in den USA, ein Studienaufenthalt in Kanada und Reisen kreuz und quer durch Europa prägten ihre Schul-und Studienzeit. Direkt nach dem Abschluss des M.A. in Geisteswissenschaften an der FU Berlin, ging es zuerst für knappe drei Jahre in den Medienbereich, bevor der Ruf der großen weiten Welt zu laut wurde. Ergebnis: Raus aus dem Büro und rein in den Flieger, diesmal als Flugbegleiterin. Das Fliegerleben erlaubte es Alex, ihren beiden großen Leidenschaften – Street Art und Swing tanzen – rund um den Globus nachzugehen. Während einem der ersten Aufenthalte im quirligen Hong Kong verlor sie schnell ihr Herz an die Stadt und an ihren Mann. Nach einigen Jahren zwischen sämtlichen Welten hat sie sich Ende 2017 entschieden, ihren Wohnsitz vollständig nach Hong Kong zu verlegen. Als Chief Storyteller von Wanderlust Walks Hong Kong, teilt sie jetzt ihre Leidenschaft für die Stadt und die Street Art mit internationalen Besuchern in Form von thematischen und privaten Stadtführungen.

inhk: Alex, was hat dich nach Hong Kong verschlagen? 
Alex: Ich kam vor fast zehn Jahren das erste Mal nach Hong Kong als Flugbegleiterin. Ich bin dann der Liebe wegen geblieben, der Liebe zu meinem Mann, der Stadt und jetzt vor allem auch der Liebe zur Street Art.

inhk: Wie hast du für dich Street Art entdeckt? 
Alex: Meine Begeisterung für die Street Art wurde an einem verregneten Sommertag in Berlin geweckt. Den Schirm überm Kopf und den Blick auf den Boden gesenkt, um möglichen Pfützen zu entgehen, lief ich an jenem Sommertag die Friedrichstraße entlang. Dabei philosophierte ich ein wenig über das grandiose Sommerwetter und plötzlich trat in großen gelben Buchstaben “DAS IST DOCH KEIN WETTER” in mein Blickfeld. Sofort dachte ich, da spricht mir jemand sowas von aus dem Herzen. Ich war berührt, begeistert und sofort Feuer und Flamme für Street Art. Egal wo ich ab jenem Zeitpunkt ging und stand, ich begann meine Umgebung zu scannen, immer in der Hoffnung ein weiteres wunderbares Zitat, ein cooles Pasteup oder ein faszinierendes Mural zu entdecken. Mein damaliger Beruf als Flugbegleiterin war für meine neue Leidenschaft perfekt. So hatte ich für viele Jahre die Möglichkeit, überall auf der Welt Street Art zu sehen und zu fotografieren und schöpfte aus den Vollen.

inhk: Was ist das Besondere an Hong Kongs Street Art?
Alex: Ich denke, ein besonderer Aspekt der Street Art in Hong Kong ist der Überraschungseffekt. In vielen westlichen Großstädten wie z. B. London, Paris, Berlin oder New York, gehört die Street Art seit langer Zeit zum Stadtbild, in Hong Kong vermehrt erst seit ca. 2012. Daher rechnen viele Besucher oder Bewohner nicht damit, Kunst in den Straßen zu finden und sind dann umso überraschter, diese zu entdecken. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich die Street Art-Szene aus einer bunten und interessanten Mischung aus Einheimischen und Expats zusammensetzt und somit, ganz wie die Stadt selbst, East meets West präsentiert und spannende Kunstwerke entstehen lässt. 

inhk: HKWalls veranstaltet seit 2014 ein Street Art Event. Was ist 2019 geplant, bist du dabei?
Alex: HKWalls hat seit 2014 nicht nur eine Vielzahl an Künstlern in die Stadt geholt, sondern es hat Street Art vor allem in das Bewusstsein der Bewohner und Besucher gerückt. Das Festival bemüht sich darum, jedes Jahr einen anderen Stadtteil als Veranstaltungsort zu nutzen und findet dieses Jahr voraussichtlich in Wan Chai statt. Es gibt derzeit noch keine Details zu einzelnen Veranstaltungen oder teilnehmenden Künstlern. Ich bin mir aber sicher, es wird wie immer ein tolles Festival. Und ich darf auch dieses Jahr wieder die offiziellen Touren planen und durchführen.  

inhk: Du hast dich selbstständig gemacht mit Street Art Walks, wie kamst du auf diese Idee? Was zeichnet dein Unternehmen aus?
Alex: Bereits seit meinem ersten Aufenthalt faszinierte mich die Stadt mit ihren zahlreichen Neonlichtern, himmelstürmender Architektur, verrauchten Tempeln und spannenden Geschichte. Als ich Hong Kong zu meiner neuen Heimat machte, begann ich Antworten auf meine Fragen zu suchen und verschlang regelrecht sämtliche Informationen, die ich zur Stadt finden konnte. Jedes Mal, wenn mein Mann und ich dann Besuch in der Stadt hatten, teilte ich all diese Informationen mit unbändigem Enthusiasmus. Die Idee als Stadtführerin zu arbeiten war da praktisch eine ganz natürlich Entwicklung.

Mein Unternehmen reflektiert stark meine jahrelangen Erfahrungen als Flugbegleiterin. Dazu zählen nicht nur der freundliche Umgang mit meinen Kunden, sondern vor allem auch die Art und Weise Städte und Orte zu entdecken. Die klassischen Sehenswürdigkeiten sind zwar immer schön anzusehen, aber der Reiz liegt für mich abseits der ausgetretenen Pfade auf der Suche nach dem, was eine Stadt eigentlich definiert. In meinen Führungen möchte ich meinen Kunden das Hong Kong jenseits der Touristenpfade in unterschiedlichen Facetten zeigen, am liebsten natürlich von der bunten Seite in den Street Art-Führungen. Außer in Ausnahmefällen halte ich meine Gruppen klein und privat.

inhk: Wo in Hong Hong zieht es dich immer wieder hin? 
Alex: Letztlich hängt das immer von meiner Stimmung ab. Ich lasse mich z. B. gerne stundenlang durch die Bezirke Central, Sheung Wan und Sai Ying Pun treiben, immer auf der Suche nach neuer Street Art oder netten kleinen Cafés. Wenn ich Ruhe suche, dann fahre ich unter der Woche auf das Fischerinselchen Cheung Chau, wo es keinen Autoverkehr gibt und das Leben noch in ruhigeren Bahnen verläuft. Auch das Hong Kong History Museum ist ein Ort, wo ich immer wieder gerne hingehe, wegen der lebendigen Darstellung der Hong Konger Geschichte und Kultur. 

inhk: Was wünscht du dir für das Jahr des Schweins?
Alex: Neben dem Klassiker Gesundheit, steht momentan ein Wunsch ganz weit oben auf meiner Wunschliste, nämlich endlich mein Hong Kong Street Art-Buch in die Praxis umzusetzen. 

sk

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