Schönheitschirurgie in Hong Kong

In der Metropole am Südchinesischen Meer prallen Ost und West aufeinander: Um Wohlbefinden auf allen Ebenen zu erfahren, wird z. B. neben der Ausübung traditionell chinesischer Medizin vor allem der Weg zur Schönheitschirurgie immer öfter beschritten. Kleine OPs sowie die Anwendung von Botox sind hierbei alltäglich. Angeboten werden die Eingriffe in fast allen Privatkliniken und Arztpraxen.

Dr. Hung sitzt hinter seinem Schreibtisch. Das Licht ist gedämpft, die Musik leise. Die Einrichtung des Sprechzimmers ist eine feine Mischung chinesischer Accessoires und westlichen Mobiliars. Dr. Hung, der am Matilda Hospital in Hong Kong praktiziert, wurde in London ausgebildet und ist seit 1996 als Schönheitschirurg tätig. Bei den Schönheits-Ops handelt es sich um eine westliche Erfindung, die im Osten uneingeschränkt anwendbar ist.
Und über zu wenig Arbeit kann Dr. Hung sich tatsächlich nicht beschweren. Zwar seien Hong Konger hinsichtlich der Schönheitschirurgie im Vergleich zu den Koreanern und Japanern konservativ – sein OP-Kalender ist dennoch randvoll. Besonders Nasenkorrekturen stünden derzeit hoch im Kurs. Während westliche Kunden sich eher für eine Reduzierung  und Verkürzung der Knochen entscheiden, tendieren die Asiaten zu einem Eingriff, der die Nase vergrößere.

„Die Motive sind zahlreich“, sagt Dr. Hung. Neben jenen, die der Wunsch in einer kompetitiven Gesellschaft durch positives Aussehen aufzufallen in seine Praxis treibt, gibt es Patienten, die durch einen Eingriff ihre Ehen retten wollen oder sich in Jobinterviews bessere Chancen ausrechnen.

Auch kleinere Eingriffe sind beliebt, um eine gewünschte optische Veränderung zu erzielen. Gerda Laubner zum Beispiel, Karriereberaterin und seit 21 Jahren in Hong Kong tätig, entdeckte das bekannte Nervengift Botox für sich: „Schrecklich, diese hängende Haut! Botox ist billig und löst das Problem!“ Seit ein paar Jahren geht die Mittfünfzigerin zu einem Arzt, um die Straffung der betroffenen Regionen vornehmen zu lassen: „Alle halbe Jahre reicht – und günstig ist es auch noch! In HK tut das doch jeder! Nur mein Mann darf davon nichts wissen!“ Dieser ahnt nichts von den halbjährlichen Ausflügen seiner Frau. „Er würde das nicht gutheißen“, sagt Gerda und fügt hinzu: „Nur mein Sohn bat mich letztens, mich endlich einmal meines Alters entsprechend zu benehmen und mein Aussehen zu akzeptieren.“

Auch Dr. Hung misst der Einstellung des Einzelnen einen großen Wert bei. So seien die meisten seiner Patienten nach dem Eingriff vor allem selbstbewusster. Sie hätten natürlich eine ansehnlichere Nase oder straffere Augenlider, vor allem aber einen gestiegenen Selbstwert. Dr. Hung vermeidet das Wort schön in Zusammenhang mit äußeren Merkmalen. Schönheit ist in seinen Augen subjektiv; ein Zustand von innerem und äußerem Wohlbefinden. Sein Job sei es, den Menschen zu diesem Zustand zu verhelfen. „Mit dem Heilen der Wunden kommt der Selbstwert. Die Menschen verändern sich; wo vorher Schweigen herrschte, ist plötzlich Redefreude.“

Dr. Hung betreut seine Patienten bis zu einem Jahr nach der Behandlung in regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen. „Der Selbstwert“, so Hung „ist nachhaltig.“

Ob das Lebensgefühl seiner Patienten dasselbe wäre, wenn man diesen an Stelle einer OP eine Pille für Selbstbewusstsein verabreichen würde? Dr. Hung überlegt, die glatte Gesichtshaut spannt sich über die hohen Wangenknochen. „Nun ja, so eine Pille gibt es nicht. Aber nehmen wir an, es gäbe sie, dann vermutlich ja. Es wäre für den Patienten dasselbe Ergebnis.“

Die meisten von Hungs Patienten haben einen weiten Weg hinter sich, bevor sie bei ihm im Sprechzimmer landen. Viele haben ihren Lifestyle verändert, die Ernährung umgestellt, einen Sportplan verfolgt und mit Cremes nur bedingt Erfolge erzielen können.

Doch nicht jeder kann sich einen Eingriff leisten: Zwar gibt es eine Reihe von Schönheitschirurgen, die in HKs Privatkrankenhäusern zugelassen sind. Doch nicht nur der Chirurg, sondern auch Krankenhaus und Anästhesist müssen bezahlt werden. Daher weichen viele HKer für größere Eingriffe nach Bangkok aus.

Wichtig ist es, dem Arzt – ob in Hong Kong oder Bangkok – zu vertrauen und sicherzugehen, dass Füller und Botox nicht aus China kommen oder verdünnt sind. Sehr günstige Preise sind hierbei immer ein Alarmsignal.

Kontaktadressen
Ear, Nose, Throat & Face Clinic
Abteilung für plastische Chirugie
Central
T: 2526 8422

Matilda International Hospital
Abteilung für plastische Chirugie
The Peak
T: 2849 0355

The Ying Clinic
Klinik für Plastische Chirurgie
Central
T: 2868 2184

Nina Gassauer

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