Sai Ying Pun zum Genießen

„All we wanted was a killer coffee, in a friendly environment.“

Tunny, der General Manager vom Café Winston’s ist ein Kaffee-Enthusiast und Kenner der Szene. Während er erzählt und braut, serviert er Cappuccino sowie einen dampfenden bap. Wie sehr sich diese Gegend nach einem Café mit vernünftigen Öffnungszeiten gesehnt hat, wird schnell ersichtlich: Die Türe öffnet und schließt sich pausenlos. Kein Wunder. Das Café ist stilvoll gekachelt und verwandelt sich abends zur Bar.

Sai Ying Pun (SYP) gehört zu Hong Kongs ältesten Stadtteilen. Ursprünglich Heimat des ersten britischen Militärcamps und chinesischer Immigranten, hat sich diese Gegend in den letzten Jahren zu einem Mix aus modernen Wohntürmen und kantonesischer Tradition entwickelt. Die zentrale Lage, die neue MTR-Anbindung sowie der Western Harbour-Tunnel, machen SYP zu einem beliebten und strategisch interessanten Lebensmittelpunkt. Diese Entwicklung fördert und fordert eine abwechslungsreiche Gastronomieszene: Chinesisch und Thai, Japanisch und Pizza, Französisch und Burger. Zwischen Queen’s Road West und High Street erstreckt sich eine Vielfalt, die vom Kaffee am Morgen bis zum letzten Drink am Abend reicht. Zwischen den Cafés, Bars und Restaurants findet man italienische Delis, gut sortierte Weinhandlungen, aber auch Friseure und Geschäfte für Hundebedarf. Der Trend zu lokal und organisch ist allgegenwärtig. Z. B. wirbt das Locofama mit Gerichten und Zutaten aus der Region. Ausgewählte Produkte können im Laden nebenan gekauft werden. Auch das Grassroots Pantry hatte hier seine Wurzeln, bevor es in die Hollywood Road gezogen ist. Ein besonderes Highlight ist die Ping Pong Bar. Tritt man durch die unscheinbar rote Eingangstüre, trifft man auf heimeliges Ambiente und ausgefallene Ginkreationen.

Nachteulen könnten allerdings enttäuscht werden. Nach 23 Uhr machen viele Lokale zu. Die Angst vor Beschwerden in der Nachbarschaft wiegt schwer. Eine hart erarbeitete Lizenz verliert man nur ungern. Den Wettbewerb auf der einen, die steigenden Mieten auf der anderen Seite – der Weg ist steil und steinig. Tunny ist sich dessen bewusst und hofft mit sehr kundenfreundlichen Öffnungszeiten sowie dem kombinierten Café-Bar-Konzept bestehen zu können. „Was kann ich dir noch bringen?“ Ein kurzer Blick auf die Uhr macht die Beantwortung dieser Frage nicht einfacher. Noch einen Kaffee oder lieber ein Bier? Ein Burrito im Jaspas oder doch eine klassische Wonton-Suppe um die Ecke? Manche Entscheidungen kann einem auch das beste Angebot nicht abnehmen.

Daniel Eckmann

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