Sabah, Borneo: Sanfter Tourismus statt Kahlschlag

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt, gehört zum Malaiischen Archipel und liegt in Südostasiens tropischer Zone. Die Insel ist dreimal so groß wie Großbritannien und politisch in drei Teile aufgeteilt: Der südliche, zu Indonesien gehörende Teil Kalimantan, der nördliche, Malaysia zugehörige Part und das kleine Sultanat Brunei. Obwohl Borneo wohl eher unter Abenteuerurlaubern, Backpackern und Tauchern bekannt ist, die ihre Trecks durch die äquatorialen Regenwälder machen, den Mount Kinabalu besteigen oder die ausgedehnten Korallenriffe erforschen wollen, ist die Heimat der Orang-Utans auch als Urlaubsdestination für einen relaxten Kurz- oder Familienurlaub zu empfehlen. Auch Foodies, die die Vielfalt der malaysischen Küche erkunden möchten, kommen hier voll auf ihre Kosten.

Kota Kinabalu (KK), die Hauptstadt der Provinz Sabah im malaysischen Teil von Borneo, ist von Hong Kong aus in gut drei Stunden Flug, direkt zu erreichen. Für mich und meinen Freund ging die Reise zunächst per Flugzeug gleich weiter, und zwar mit einer Propellermaschine in die knapp eine Flugstunde von KK entfernt gelegene, alte britisch-kolonial geprägte Stadt Sandakan. Die Stadt bietet ein paar Sehenswürdigkeiten für historisch Interessierte, wir haben uns jedoch entschieden die Natur zu erkunden und im Sepilok Nature Resort zu wohnen, (nicht zu verwechseln mit dem Jungle Resort, das definitiv weniger zu empfehlen ist!).

Schnuckelige Chalets mit privaten Verandas sind dort um einen kleinen See angeordnet und von wunderbarem Regenwaldgrün und Orchideen umgeben. Das Restaurant bietet sehr gutes Essen und ein entspanntes Ambiente. Diverse Sitz- und Liegemöglichkeiten laden ein, sich mit einem Buch zurückzuziehen und einen frisch gepressten Saft zu schlürfen. Über einen Touranbieter kann man direkt im Resort verschiedene Ausflüge buchen. Sehr zu empfehlen sind die Mangroven- bzw. Glühwürmchentour sowie eine Tagestour auf dem Kinabatangan-Fluss, bei der man eine Vielzahl an Affen und Vögeln vor die Kameralinse bekommt.

Sepiloks Hauptattraktion ist das Orang-Utan Rehabilitationscenter, das verwaiste und verletzte Orang-Utans aufpäppelt, um sie später wieder in die Wildnis zu entlassen. Leider hat Borneo bereits 50% seines ursprünglichen Regenwalds verloren und die Orang-Utans somit ihren Lebensraum. Ein Drittel der Fläche wurde in den letzten 30 Jahren aufgrund des zunehmenden Palmölanbaus gerodet. Das Palmölexportgeschäft ist sehr lukrativ, da das Öl in extrem vielen industriell hergestellten Produkten Verwendung findet (Schokolade, Fertignahrungs- und Waschmitteln sowie Kosmetik). Wer also weniger Schokolade und Fertigprodukte konsumiert, tut nicht nur etwas für die eigene Gesundheit und Figur, sondern hilft auch den Orang-Utans zu überleben. Im Rehabilitationscenter kann man zweimal am Tag den Orang-Utans bei der Fütterung zusehen und sogar fast auf Tuchfühlung gehen; es gibt nämlich keine Gehege. Allerdings achten die Reservatsaufseher sehr darauf, dass die Touristen den Affen und die Affen den Touristen nicht allzu nahe kommen. Es war schon ein sehr berührendes und besonders freudiges Erlebnis, als ich einem etwa 1,5 m entfernt sitzendem jungen Orang-Utan in die Augen schauen durfte und sogar seinen erdigen Geruch wahrnehmen konnte.

Das Sun Bear Conservation Centre befindet sich direkt nebenan. Es ist ebenfalls ein Rehabilitationscenter, jedoch für Sonnen- oder Malaienbären (die kleinste Bärenart der Welt).

Das Rainforest Discovery Centre ist auch zu Fuß zu erreichen. Dort kann man viel über die faszinierende Fauna und Flora von Borneo erfahren und selbstständig den Regenwald in luftiger Höhe auf einem Baumwipfelpfad erkunden. Wagt man sich auf die zahlreichen Wanderwege und Erkundungspfade, sollte man wissen, dass es im Regenwald neben Moskitos auch andere Blutsauger gibt – Blutegel. Wer, wie ich, in Shorts, T-Shirt und Trekkingsandalen den Regenwald erkundet, muss damit rechnen, als Mahlzeit angesehen zu werden. Blutegel sind nicht giftig und übertragen keine Krankheiten und der Biss ist auch nicht schmerzhaft. Allerdings können sich die Bisse schlimm entzünden, wenn man nicht aufpasst und die Blutsauger falsch entfernt. Für Wanderungen im Regenwald gilt also, immer geschlossene Schuhe, lange Hosen und langärmelige Oberteile zu tragen und Insektenschutzmittel darf im Reisegepäck und auf der Haut natürlich auch nicht fehlen. Erkundigt euch für alle Fälle auch darüber, wie man am besten Blutegel entfernt. Die tierfreundlichste Variante ist, sie einfach saugen zu lassen, bis sie satt sind und von selber abfallen. Als ich einer Freundin von meinen zwei Blutegelbissen erzählte, meinte sie nur: „Sei doch froh, andere bezahlen für ihre Blutegeltherapie!“.

Nach ein paar naturnahen Tagen, flogen wir wieder zurück nach KK. Wesentlich preiswerter und abenteuerlicher ist es übrigens, die 227 km lange Strecke auf dem Landweg zurückzulegen. Täglich fahren klimatisierte Busse zwischen Sandakan und KK hin und her. Aber auch ein Auto zu mieten ist kein Problem in Borneo.

KK hat zwar eine sehr interessante Geschichte vorzuweisen, die Stadt wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleich gemacht. Aus diesem Grund ist sie architektonisch weniger interessant. Durchaus sehenswert sind jedoch die City Moschee und vor allem die State Moschee, von der man einfach ein Urlaubsfoto machen muss. Zu empfehlen ist definitiv auch, die Moscheen von innen zu besichtigen. Wenn man sich als Tourist bzw. Nicht-Muslim für ein kleines Entgelt die angemessene Kleidung mietet und die Schuhe draußen auszieht, wird man sehr freundlich und zuvorkommend empfangen und erhält einen kleinen Einblick in ein muslimisches Gotteshaus.

Abends bietet sich für kulinarisch Interessierte ein Besuch des Night Markets an, um die diversen Köstlichkeiten der malaysischen Küche zu probieren. Nirgendwo hab ich frischeren und besser zubereiteten Fisch gegessen.

Da die Küste direkt vor der Tür liegt, kann man hier sehr gut Strandurlaub genießen. Nicht weit entfernt befindet sich der Tunku Abdul Rahman Park, ein Meeresnationalpark, der sechs malerische Inseln, smaragdgrünes Wasser und zahlreiche Korallenriffe umfasst. Leider muss man erwähnen, dass auch hier die Klimaerwärmung die wunderschönen Korallenriffe zerstört. Die Inseln sind mehr oder weniger touristisch erschlossen und man kann dort Resorturlaub für jeden Geldbeutel buchen. Bei zahlreichen Reisebüros kann man ebenfalls diverse Tagestouren zu den Inseln buchen, inklusive Tauch- oder Schnorchelerlebnis bzw. Wanderungen oder auch Zipline-Flug. Wer auf eigene Faust die Inseln erkunden möchte, kann dies tun, muss sich allerdings an einen Touranbieter wenden, um Bootstransfer und die Bezahlung der Nationalparkgebühr zu organisieren.

KK ist nicht nur für Wasser- und Strandliebhaber eine lohnenswerte Destination, sondern auch für Wanderfreunde und sogar Bergsteiger.

Nicht weit von der Hauptstadt KK entfernt liegt der Kinabalu National Park mit dem imposanten, 4095 m hohem Mount Kinabalu, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Interessanterweise ist der Berg kein Vulkan, sondern eine Graniterhebung, die jährlich immer noch um fünf mm wächst. Wer tatsächlich den Mount Kinabalu erklimmen möchte, der sollte sich frühzeitig um Unterkunft im Nationalpark kümmern. Die Tour auf eigene Faust, ohne Guide zu machen, ist verboten. Kontrollen finden durchaus an nicht zu umgehenden Stellen des Aufstiegs statt. Alternativ gibt es zahlreiche wunderschöne Wanderungen und Tagestouren im Park, die man alleine durchführen kann. Zu beachten ist allerdings, dass die Temperaturen im Nationalpark wesentlich niedriger sind, als an der Küste; Tagesdurchschnittstemperaturen liegen bei ca. 20°C und nachts bei 13°C. Entsprechende Bekleidung und auch festes Schuhwerk sind unerlässlich.

Zum Abschluss unseres außergewöhnlichen Urlaubserlebnisses auf malaysisch Borneo haben wir zum Frühstück die landestypische Laksa-Nudelsuppe genossen und uns anschließend noch etwas Wellness mit Massagen in einem der zahlreichen kleinen Massageläden der Stadt gegönnt.

Auf Borneo gibt es zahlreiche Ökotourismusprojekte, die helfen, die wunderbare Artenvielfalt zu erhalten und auch den Menschen, die dort leben, ein gesichertes, faires Einkommen zu ermöglichen. Die Provinz Sabah hat bereits 30% seiner Wälder unter Naturschutz gestellt und ist Vorreiter in Sachen nachhaltigem Tourismus. Es lohnt sich also, dieser wunderbaren Region einen Besuch abzustatten!

Heike Kluger

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