„No worries“ in Westaustralien

Acht Tage sind an Chinese New Year zu füllen – aber womit? In Hong Kong bleiben: Ist ja dann kein Urlaub. In Japan oder Korea Ski fahren: Muss viele Monate im Voraus gebucht werden. Nach Neuseeland: Für eine Woche zu kurz. Nach Australien: Auch. Oder doch nicht? Was ist eigentlich mit Perth? Einsam im Westen des Kontinents, dafür nur knapp acht Flugstunden von Hong Kong entfernt und in derselben Zeitzone gelegen. Außerdem wirbt die Stadt mit einer entspannten Atmosphäre und einem makellos blauen Himmel bei warmen Temperaturen das ganze Jahr über.

Gut, das mit dem warm stimmte am Ende dann doch nicht ganz. Es war eher heiß, ungewöhnlich heiß für Februar, wie die Einheimischen beteuerten. Aber entspannend ist es auf alle Fälle. „No worries“, ist die Standardantwort des Australiers auf alle Fragen, keine Sorge! Und so verläuft dann auch die Reise: Relaxed! Was nicht heißt, dass es langweilig wäre. Ganz im Gegenteil.

Schon allein die Lage von Perth ist abenteuerlich: Die nächste Großstadt, Adeleide, liegt 2.100 Kilometer Luftlinie entfernt. Wer die Perth verlässt, ist schnell allein auf der Straße und dort, wo die Weiten und Wüsten des Kontinents beginnen. In der Metropolregion Perth und Fremantle leben heute zwei Millionen Menschen, das sind vier Fünftel der insgesamt 2,6 Millionen, die den Bundesstaat Western Australia (der sieben mal so groß ist wie Deutschland) bevölkern. Kapitän James Stirling hat die Stadt 1829 als Swan River Settlement gegründet. 1850 wurden Gefangene als billige Arbeitskräfte dorthin verbannt; viele der heute noch existierenden Gebäude wie das Government House und das Rathaus wurden von Sträflingen erbaut. Damals wie heute sind es die Bodenschätze – zunächst Gold, später Eisenerz, Gold, Diamanten, Erdgas und Erdöl – die der Stadt zu Wachstum und Wohlstand verhalfen.

Weniger exportorientiert, dafür aber unbedingt einen Abstecher wert, ist das kleine Weinbaugebiet im Swan Valley, das beginnt, sobald die Stadt aufhört. Das Tor zum Tal ist das Städtchen Guildford, das mit historischen Gebäuden und zahlreichen hübschen Restaurants auf die Touristen wartet (Tipp: Das Rose&Crown mit Biergarten, Bar und Restaurant). Die etwa 40 Weinbaubetriebe sowie Cafés, Galerien und  Schokoladenhersteller lassen sich auf einer 32 Kilometer langen Rundtour, dem „Swan Valley Food and Wine Trail, besichtigen. Einfach dort stoppen, wo es gerade passt oder sich Hunger und Durst melden.

Sollten Kinder an Bord sein, unbedingt am Caversham Wildlife Park haltmachen (und dafür auch genügend Zeit einplanen). In dem in Privatbesitz befindlichen kleinen Zoo können Kinder stundenlang Kängurus streicheln und füttern sowie den Koalas beim Abhängen zusehen.

Programmpunkt für den nächsten Tag ist eine Radtour. Wer in Hong Kong das Radeln vermisst hat, sollte sich selbst von der Hitze nicht schrecken lassen und auf einer der gut ausgeschilderten Routen und zumeist ebenen Wegen Perth und Umgebung erkunden. Ein Verleiher mit guten Rädern und Routenvorschlägen heißt „About Bike Hire“. Ein lohnenswertes Ziel ist Fremantle, die Hafenstadt am Indischen Ozean mit sehenswerten alten Gebäuden und vielen Cafés und Restaurants (etwa drei Stunden bis dorthin, Rückfahrt nach Perth mit dem Zug).

Von hier starten auch die Fähren hinüber nach Rottnest Island, einer herrlich wilden Insel ohne Autoverkehr und mit Hippie-Atmosphäre. Hier fährt alles Rad, was zwei Beine hat – hinaus zum Leuchtturm und zu wunderschönen Stränden. Wer will, kann sich auch ein Ferienhäuschen mieten und für ein paar Tage australisch locker cool abhängen.

Nach zwei bis drei Tagen in und um Perth geht es nun Richtung Norden, in die Pinnacles Desert im Nambung National Park. Wer in der Hitze des Tages kommt, kann (oder sollte!) mit dem Auto eine Rundtour durch die Kalksteinsäulen machen, die sogenannten Pinnacles, die zu Tausenden aus den gelben Sanddünen emporragen. An weniger heißen Tagen kann das Gebiet auch zu Fuß durchwandert werden. Auf dem Weg dorthin (der Nationalpark liegt 200 Kilometer nördlich von Perth, etwa zweieinhalb Stunden Autofahrt) gibt es nicht unbedingt viel zu sehen; die Straße zieht sich stundenlang und schnurgerade durch eine mal grüne, mal sandige Landschaft. Immer wieder bieten sich Abstecher zu kleinen Siedlungen an, um im Indischen Ozean eine Badepause einzulegen.

In Perth stehen im Übrigen jede Menge Hotels zur Auswahl, eines, das sich für einen mehrtägigen Aufenthalt sehr empfiehlt, ist das Assured Ascot Quays Hotel. Hier gibt es hübsche kleine zweistöckige Apartments mit kleiner Terrasse, direktem Zugang zu Rasen, Pool sowie einem Spazier- und Joggingweg am Swan River.

Vom Norden in den Süden: Margaret River dürfte eine der bekanntesten Regionen Westaustraliens sein. Hier warten mehr als 200 Weingüter, manche unspektakulär bodenständig, andere herausgeputzt wie französische Schlösser, auf einen Besuch. Viele Reben reifen hier zu Premiumweinen heran. Daneben gibt es Cafés, Restaurants und Mikrobrauereien. Besucher sind überall herzlich zu (kostenlosen) Weinproben willkommen. Der Ort Margaret River selbst ist ziemlich überlaufen, sodass sich als Ausgangs- und Übernachtungspunkt die am Meer gelegenen Orte Busselton, Dunsborough und Yallingup anbieten (hier am besten in einem der Touristenbüros mit Karten und Tipps für die Weinregion ausstatten, Entfernung von Perth: Etwa zweieinhalb Stunden Autofahrt, bestes Hotel: Pullmann Bunker Bay Resort.

Wer genug vom Wein hat (was bei Kindern schnell der Fall sein könnte), sollte entweder die wunderschönen Strände der Gegend (Bunker Bay, Eagle Bay oder Meelup) aufsuchen, dem Leuchtturm Cape Naturaliste einen Besuch abstatten, ein Stück auf dem am Leuchtturm startenden „Cape to Cape“-Weitwanderweg mit seinen grandiosen Ausblicken auf den glitzernden Ozean entlangspazieren oder/und weiter gen Süden fahren Richtung Augusta. Zum einen können auf der Strecke ein paar beeindruckende Höhlen (Lake, Mammoth und Jewel) besichtigt werden. Zum anderen sollten Menschen mit einem Faible für einzigartige Orte der Welt das Cape Leeuwin nicht verpassen. Das ist ein windgepeitschter Flecken, an dem Pazifischer Ozean und Südpolarmeer aufeinandertreffen und der gleichzeitig der südwestlichste Punkt des australischen Kontinents ist. Der Leuchtturm, der wunderbare Rundblicke ermöglicht, stammt von 1896. Für den Hinweg die Straße 250 wählen (über Boranup), zurück den etwas schnelleren Highway 10.

Denjenigen, die noch zwei bis drei Tage mehr Zeit haben, sei die Weiterfahrt nach Denmark empfohlen. Auf dem Weg dorthin wird lange nichts geboten außer dem Gefühl, gerade das „middle of nowhere“ zu durchfahren. Spannend, vor allem für die Kinder, wird es dann wieder bei Nornalup und dem Valley of the Giants mit seinen riesigen Baumgiganten, die von unten und oben über einen „Tree Top Walk“ erkundet werden können. Schön ist auch der William Bay National Park mit geschützten Badebuchten und einer Felsformation, die wie eine Elefantenherde aussieht.

In Denmark, einem quirligen Aussteigerort, endet die Reise. Wer nicht in der etwas spärlich mit Unterkünften ausgestatteten Gegend um Nornalup übernachten will, kann aus dem Weinviertel auch direkt bis Denmark fahren. Am nächsten Tag dann einfach wieder ein Stück zurückfahren, um die Bay und den Baumwipfelpfad zu besichtigen. Nicht verpassen in Denmark: Das Alternativ-Café Mrs. Jones. Zurück nach Perth geht es schließlich über den Albany Highway. An der Strecke liegen kleine staubige Ortschaften, die mit ihren unter Denkmalschutz stehenden Häusern an längst vergangene Zeiten erinnern, als Siedler und Missionare noch unter großen Entbehrungen und zu Pferde durch das Land zogen. Auf den modernen Reisenden wartet am Flughafen in Perth dagegen das Flugzeug, das ihn in acht Stunden wieder nach Hong Kong bringt.

Infos:
Beste Reisezeit: Das ganze Jahr über.
Flug: Direktflug von Hong Kong mit Cathay Pacific.

sba

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