Museum, das viel lehrt und nichts kostet

Es ist das älteste Museum in Hong Kong, es hat sieben Tage die Woche geöffnet, und ein Besuch kostet nichts: das University Museum and Art Gallery, kurz: UMAG. Sein Direktor, Florian Knothe, stammt aus Deutschland und erzählt, warum man bei ihm unbedingt vorbeischauen sollte.  

Wie wird ein Deutscher Direktor eines Hong Konger Museums?
FLORIAN KNOTHE: Ich lebe schon seit 19 Jahren nicht mehr in Deutschland. Ich war siebeneinhalb Jahre in den USA, drei Jahre davon habe ich am Metropolitan Museum of Art in New York City gearbeitet. 2012 wurde die Stelle am UMAG frei – das hat mich gereizt.

Von New York nach Hong Kong – kunstmäßig dürfte das Gefälle groß sein, oder nicht?
KNOTHE: Das ist richtig. In Hong Kong gibt es nur wenig internationale Kunst, und das Interesse der Hong Konger an Kunst ist nicht gerade ausgeprägt. Oder war es nicht in der Vergangenheit – denn das ändert sich ja gerade. Das macht das Ganze spannend. Seit einigen Jahren etabliert sich auch in Hong Kong eine Kunstszene, es gibt immer mehr Galerien, die Art Basel Hong Kong ist ein großer Erfolg, und wir alle warten gespannt auf das M+ im neuen West Kowloon Art District, das zeitgenössische Kunst, Design und Architektur zeigen wird.

Was zeigen Sie im UMAG?
KNOTHE: Herzstück des UMAG ist die chinesische Kunst. Gegründet wurde das Museum 1953 von der Universität, es hieß damals Fung Ping Shan Museum. Ziel war es und ist es nach wie vor, chinesische Kunst zu sammeln und zu zeigen, darunter jahrhundertealte Keramiken, Bronzeobjekte und Tuschezeichnungen.

Wie finanziert sich das Museum?
KNOTHE: Über die Universität, den Freundeskreis des Museums und über Einzelspenden von Mäzenen. Sponsoren zu finden ist allerdings nicht immer einfach. Es gibt zwar viele sehr reiche Menschen in Hong Kong, das Stiften und Spenden ist anders als in den USA aber nicht so verbreitet. Man muss hier schon etwas länger bohren …

Was können Besucher neben der chinesischen Kunst noch bei Ihnen sehen?
KNOTHE: Wir organisieren jedes Jahr mehrere Sonderausstellungen. Kürzlich haben wir beispielsweise vier riesige Bildteppiche präsentiert, die ein französischer Minister Mitte des 18. Jahrhunderts für den damaligen chinesischen Kaiser Qianlong in Paris hatte weben lassen, in der Hoffnung, den Austausch und den Handel zwischen den beiden Reichen ankurbeln zu können. In anderen Ausstellungen in diesem Frühjahr ging es um afrikanisch-amerikanische Kunst sowie alte armenische Manuskripte. Aber auch zeitgenössische Kunst aus China und Hong Kong erhält einen Platz im Museum – Anfang des Jahres stand der Hong Konger Künstler Eddie Lui im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, jetzt im Sommer wird es Ying Tianqi sein.

Armenische Schriften klingt nicht gerade einfach.
KNOTHE: Das stimmt – wir entwickeln zu unseren Ausstellungen aber immer auch ein Ausbildungsprogramm. Wir verstehen uns als Teaching-Museum, ein Lehr-Museum, das ist unsere Stärke. Die afrikanisch-amerikanische Kunstausstellung etwa wurde von einer mehrteiligen Vorlesungsreihe an der Universität begleitet. Gleichzeitig hatten Hong Konger Schulen, besonders aktiv die amerikanische Schule, mehrere Führungen bei uns, die wir auf das jeweilige Alter der Kinder zugeschnitten haben. Unsere Führungen sind immer angepasst an das Alter und das Vorwissen der Besucher. Wenn ich eine Führung durch die armenischen Manuskripte anbiete, gehe ich davon aus, dass das die meisten Menschen noch nie zuvor gesehen haben. Wir versuchen deshalb immer, in unsere Themen grundsätzlich einzuführen und nicht zu viel vorauszusetzen.  

Und die Besucher nehmen das Programm an?
KNOTHE: Die Workshops, die wir ebenfalls anbieten, sind meistens innerhalb von 48 Stunden ausgebucht. Wir könnten noch viel mehr anbieten, speziell für junge Familien, doch leider sind wir nur ein kleines Team. Wir arbeiten auch viel mit Schulen zusammen. Bei Interesse muss sich die Schule nur melden, und wir organisieren Workshops oder Führungen oder was immer gewünscht wird.  

Info
University Museum and Art Gallery
90 Bonham Road, Hong Kong

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag: 9:30–18 Uhr
Sonntag: 13–18 Uhr

sba

 

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