Mit Müllgebühren gegen Müllberge

3500 Tonnen Lebensmittel werden in Hong Kong weggeworfen – jeden Tag. Zwei Drittel dieses Mülls stammt von Privathaushalten, der Rest von Restaurants, Hotels und Supermärkten.

Eigentlich hat sich Hong Kong unter dem Motto „Use less, Waste less“ zum Ziel gesetzt, bis 2022 den Haushaltsmüll in der Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole um 40 Prozent zu reduzieren. Mehr als die Hälfte des Mülls, der dann noch übrig bleibt, soll recycelt werden, ein Fünftel soll verbrannt, das andere Fünftel auf der Müllkippe entsorgt werden.

Bislang ist jedoch genau das Gegenteil passiert: Die Müllberge sind erstens gewachsen, um 80 Prozent in den vergangenen 30 Jahren. Zweitens landen fast ausnahmslos alle Abfälle in Hong Kong im „Landfill“. Die Biogasanlage, die eigentlich längst in Betrieb sein sollte, um Lebensmittelüberreste in Biogas und Kompost zu verwandeln, wird erst Ende dieses Jahres fertig; eine ebenfalls geplante moderne Müllverbrennungsanlage ist noch nicht einmal gebaut. Die Kapazitäten der drei verbliebenen Mülldeponien werden in wenigen Jahren erschöpft sein.

Ein Vergleich mit anderen Städten zeigt, wie sich Müll vermeiden lässt: mit Müllgebühren. Vor 20 Jahren fielen in Taiwans Hauptstadt Taipei und Hong Kong ähnlich hohe Müllmengen an. Doch während in Hong Kong die Steuerzahler insgesamt für die Entsorgung aufkommen, führte Taipei im Jahr 2000 eine vom Gewicht abhängige Müllgebühr ein – das ist das so genannte „Polluter pays Principle“, das umweltrechtliche Verursacherprinzip. Seitdem haben sich dort die Müllberge drastisch reduziert.

Hong Kong hofft nun auf denselben Effekt: Ab 2019 muss der Müll in eigens dafür vorgesehenen Mülltüten entsorgt werden. Diese Tüten, die an 4.000 Stellen in der Stadt gekauft werden können, kosten je nach Größe – und damit Müllmenge – unterschiedlich viel. Eine Hong Konger Durchschnittsfamilie wird rund 50 HK$ im Monat für die Müllentsorgung aufwenden müssen. Billiger wird es, wenn ein Haushalt weniger wegwirft – und das ist der eigentliche Sinn des Verursacherprinzips.

Kleinere Initiativen versuchen schon jetzt, möglichste viele Lebensmittel vor dem Mülleimer zu retten. Die Food Savior etwa ermöglichen Restaurants und Cafés, Lebensmittel, die sie nicht verkauft haben, zu einem Rabatt anzubieten. Der Kunde kauft und bezahlt das Produkt online, das Restaurant gibt ihm ein Zeitfenster an, zu dem er die Ware abholen kann. Beim Commissary im Pacific Place beispielsweise gibt es das Schinken-Käse-Croissant für 9 HK$ anstatt für 18 HK$. Die Burritos von Cali-Mex sind für 25 HK$ zu haben, und das Café d’i hat eine Portion Spaghetti mit Pesto für 47 HK$ im Angebot.

Die Zero Waste Alliance ist ein Zusammenschluss von mehreren Cafés und Restaurants in Soho und Sheung Wan. Plastikbecher werden hier durch Gläser ersetzt, Gäste gebeten, ihre eigenen Behälter mitzubringen, und in der Küche wird möglichst wenig Müll produziert beziehungsweise das, was übrig bleibt, zum Kompost transportiert

Wohltätigkeitsorganisationen wie Food Angel und Feeding Hong Kong sammeln jeden Tag mehrere Tausend Kilogramm Lebensmittel, frisches Obst und Gemüse, gefrorene Produkte und Dosen ein, die anderswo übrig geblieben sind oder kurz vor dem Verfallsdatum stehen. Feeding Hong Kong gibt sie weiter an Bedürftige, die Food Angel bereiten daraus warme Mahlzeiten, die dann an arme Haushalte in den Bezirken verteilt werden. Seit März 2011 wurden auf diese Weise 3,8 Millionen Mahlzeiten gekocht – aus Lebensmitteln, die andernfalls im Müll gelandet wären.

sba

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