Mindfulness: Ist der Hype gerechtfertigt?

Mindfulness heißt auf Deutsch Achtsamkeit. Für mich stellt Achtsamkeit eine Philosophie des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit dar.

Ich übe mich darin, mich selbst und meine Umwelt offener und facettenreicher wahrzunehmen. Durch gezielte Übungen und einfache Meditationen werde ich gelassener, stabiler und klarer. Diese Kombination aus psychologischen Qualitäten bringt immer die besseren Ergebnisse und Erlebnisse. Wer Yoga oder Sport betreibt kann das bestimmt bestätigen.

Aus meiner Sicht ist Achtsamkeit aber insbesondere für Menschen von Interesse, die häufiger und langfristiger unter mentalem und emotionalem Stress leiden und die sich selbst und ihre Negativmuster nur allzu gut kennen. Betroffene finden meist eine Kombination aus Übungen der Verhaltenstherapie und Achtsamkeitsmethoden hilfreich. Der positive Effekt basiert zunächst darauf, dass das Erleben der Negativmuster unter die Lupe genommen wird. Außerdem werden die Einstellungen und Gewohnheiten vollkommen neu betrachtet und können dann achtsam verändert werden.

In der Washington Post erschien ein kritischer Artikel – gut recherchiert. Die Autoren schauten sich die wissenschaftliche Forschung und die Ergebnisse genauer an. Es wurde festgestellt, dass die Forschung noch viele Fragen zur Wirkungsweise von Achtsamkeit unbeantwortet lässt. Klarheit besteht allerdings darin, dass es Programme gibt, die positive Wirkungen auch nachhaltig nachweisen können. Besonders hervorgehoben wurde das MBCT-Programm (Mindfulness Based Cognitive Therapy oder achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie).

Das MBCT-Programm ist ein aktiver Beitrag zur Wiedergewinnung mentaler Gesundheit. Es eignet sich insbesondere für Menschen, die mit psychischen Beeinträchtigungen leben und eine Ergänzung zur medizinischen bzw. psychotherapeutischen Behandlung suchen. Es richtet sich u. a. an Menschen, die bereits depressive Phasen erlebt haben, aber nicht akut depressiv sind. Aus eigener Erfahrung mit dem Programm als Teilnehmer und Trainer weiß ich, dass viele Teilnehmer auch den besseren Umgang mit Angstzuständen und chronischen Negativ-Schleifen suchen.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie eine wirkungsvolle Methode ist, die das Rückfallrisiko von wiederkehrender Depression um bis zu 50 Prozent reduziert und dabei genauso erfolgreich ist wie eine Medikation. Voraussetzung für spürbare Veränderung ist häufiges Praktizieren der bewährten und erforschten Methoden. Dabei geht Regelmäßigkeit über Intensität und Intensität steigt typischerweise mit zunehmender Erfahrung. Das ist genauso wie mit körperlicher Aktivität. Wer täglich 10.000 Schritte läuft, beugt Herzerkrankungen vor. Und wer so viel läuft, mag vielleicht auch gerne Wandern, Treppensteigen oder Joggen.

Buchtipps
Für eine allgemeine Einführung: Muße. Vom Glück des Nichtstuns. Von Ulrich Schnabel.
Für einen Einblick in Achtsamkeit zur Heilung: Der achtsame Weg durch die Depression. Mark Williams.

Sebastian Droesler
Counselling Psychologist, Life Coach und Mindfulness Teacher

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