Medizintourismus in Asien: Gesund unter Palmen

Die asiatische Medizin ist bekannt für ihr traditionelles Naturheilkundeverfahren. Doch auch der Stellenwert schulmedizinischer Verfahren hat zugenommen: Der Medizintourismus ist eine boomende Subsparte und Reisen, bei denen ärztliche Behandlungen und Operationen im Ausland vorgenommen werden, manche davon mit einem touristischen Begleitprogramm, sind bereits Alltag.

Immer mehr Europäer reisen ins Ausland, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Die Ursache für diesen Trend liegt überwiegend in den explodierenden Gesundheitskosten der Selbstbeteiligung für den Patienten.

Kostengünstige Alternativen gab es zunächst in Osteuropa, heute geht der Trend (noch) in asiatische Länder. Spezielle Medical Tourist Visa, die einen längeren Aufenthalt für eine medizinische Behandlung erfordern, werden ausgestellt.

Deutsche können eine Vorabgenehmigung zur Kostenrückerstattung bei ihrer Krankenkasse beantragen.

Die US-Organisation Joint Commission International (JCI) prüft Gesundheitsdienstleistungen weltweit und verleiht ihr Siegel den Krankenhäusern nur bei der Erfüllung strenger Standards. Die Medical Travel Quality Alliance wählt dann jedes Jahr die Top 10 der weltbesten Krankenhäuser für Medizintourismus aus.

Thailand gilt als eines der beliebtesten Urlaubsziele und hat zudem mit die besten Krankenhäuser weltweit. Dennoch verliert das Land gerade, bedingt durch steigende Kosten, seinen Stellenwert im Medizintourismus. Zwar spricht das Gesundheitsministerium in Bangkok noch von 2,4 Millionen Medizintouristen im Jahr 2017, die Patientenzahlen aber sind rückläufig.

Bereits seit 2006 reisen Männer und Frauen zur Geschlechtsumwandlung bevorzugt nach Thailand. Das Geschäft mit plastischer Chirurgie boomt noch immer; Brustvergrößerungen oder Fettabsaugungen kosten durchschnittlich ein Fünftel des Preises in Deutschland. Mittlerweile jedoch reicht die Angebotspalette von Augenlasern, Zahnbehandlungen, Herz-OPs und orthopädischen Eingriffen bis hin zur Stammzellentherapie.

Das Land punktet zudem mit im westlichen Ausland gut ausgebildeten Fachkräften, modernen Technologien, hoch entwickelten medizinischen Geräten, kurzen Wartezeiten und freundlichem Personal. Inzwischen sind 62 thailändische Kliniken von der JCI zertifiziert.

Thailand ist auch das führende Land Südostasiens, wenn es um medizinische Forschung geht. Die thailändische Pharmaindustrie besitzt zahlreiche Lizenzen deutscher Arzneimittel. Diese werden dann in Thailand produziert und preiswert ohne Rezeptpflicht verkauft.

Seit Jahren stand das Samitivej Sukhumvit Hospital in Bangkok im Schatten des Bumrungrad International Hospitals. Doch in diesem Jahr ist es auf Platz 5 der weltbesten Krankenhäuser gerutscht. 275 Betten, 400 Spezialisten, Reproduktionscenter, eigenes Kinderkrankenhaus für Frühchen bis hin zu Teenagern, Dolmetscher, obwohl fast das gesamte Personal Englisch spricht u. v. m. 

Auf der Website des Thailand Medical Tourism Portals werden Krankenhäuser empfohlen, medizinische Behandlungen vorgestellt und Wellnessreisen angeboten.

Herz-OPs für 800 US$, Ayurveda-Kuren in paradiesisch schönen Resorts. Indien zieht jährlich Hunderttausende Medizintouristen aus aller Welt an. Es hat das am stärksten privatisierte Gesundheitssystem der Welt. Die Fachmediziner haben oft im westlichen Ausland studiert; das erhöht die Bereitschaft ausländischer Patienten, zur Behandlung in ein Dritte-Welt-Land zu reisen. Kliniken bieten Organtransplantationen ohne Wartelisten an, Kinderwunschzentren machen möglich, was in vielen Ländern verboten ist. Stammzelltherapien z. B. werden hier als Routineeingriff angepriesen. Indische Ärzte sind hoch qualifiziert, die Technik ist auf dem neusten Stand, trotzdem sind Behandlungen günstig. Deutsche Medizintouristen suchen eher traditionelle Heilverfahren. In Ayurveda-Resorts wird Strandurlaub mit Detox-Kuren zum Wellnesserlebnis. 2016 stellten indische Behörden 350.000 Visa für Medizintouristen aus.

Viele Privatkliniken entsprechen internationalen Standards und sind mit Hightech-Geräten ausgerüstet. Reiseveranstalter und Hotelunternehmen haben medizintouristische Pauschalangebote eingeführt. Sie beinhalten oft die Abholung vom Flughafen, den Service am Krankenbett, Internet-Zugang im Krankenzimmer, internationale Küche und einen Erholungsurlaub im Anschluss an die medizinische Behandlung.

Das Fortis Hospital Bannerghatta in Bangalore stand 2017 auf Platz 3 der weltbesten Krankenhäuser für Medizintourismus. Mehr als 1.000 Patienten werden hier täglich behandelt. Spezialisiert u. a. auf innere Medizin, Herzerkrankungen, Lebertransplantationen, Gehirntumore und künstliche Kniegelenke, stellt das Krankenhaus 400 Betten und 200 Ärzte zur Verfügung. 

Die Ausstattung im Medicity in Delhi ist besser als in vielen deutschen Krankenhäusern: Die Klinik verfügt über 45 Operationssäle, 1.600 Betten und insgesamt 15 Institute, die von erfahrenen indischen Ärzten geleitet werden. In den Wartebereichen stehen keine einfachen Stühle, sondern große Massagesessel, die sich zu Liegen umklappen lassen.

Die Klinik ist auf Herzoperationen spezialisiert. Auch in der Onkologie und Orthopädie ist das Krankenhaus nach eigenen Angaben führend. Darüber hinaus werden den jährlich, aus aller Welt kommenden 20.000 Patienten, allerlei Schönheits- und Wellnessprogramme angeboten.

Eine gewichtige Rolle auf dem Tourismusmedizinmarkt spielt auch Singapur. Aufgrund der steigenden Kosten verliert die Stadt aber gerade an Attraktivität. Die Konkurrenz in den Nachbarländern wird zu groß.

Das Gesundheitssystem und die Qualität der Leistungen sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Die Stadt nutzt zudem den guten Ruf als sauberes, modernes und technologisch fortschrittliches Land mit Englisch als Amtssprache. Außerdem liegen viele der Krankenhäuser in oder in der Nähe beliebter Gegenden, mit Sehenswürdigkeiten und Hotels.

2019 hat es das Gleneagles Hospital auf Platz 8 geschafft. Das 258-Betten Krankenhaus hat eine große Auswahl an Spezialisten der Onkologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Psychologie, Orthopädie sowie eine hervorragende Röntgenabteilung. Transplantationspatienten werden intensiv in der dazugehörigen Parkway Asian Transplant Unit betreut. Für Medizintouristen werden Flüge gebucht, Flughafentransfers arrangiert (entweder mit dem Auto oder Krankenwagen), für Angehörige Hotels oder Service Apartments gebucht, Sightseeing-Touren organisiert und Visa verlängert.

In den letzten Jahren haben verschiedene Krankenhäuser begonnen, sich zu spezialisieren. So gibt es im National University Hospital eine speziell für Frauen eingerichtete Herz- und Kreislaufklinik. Dort werden Frauen nur von Frauen behandelt – vom Pflegepersonal bis hin zu den Ärztinnen.

Die Qualität der medizinischen Versorgung in Malaysia entspricht der in den USA und Großbritannien. Die Einrichtungen sind hochmodern, die Ärzte im westlichen Ausland ausgebildet und das Gros der Bevölkerung spricht Englisch.

Malaysia ist ein Anlaufpunkt für die Suche nach Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Wartezeiten sind kürzer; Verfahren und Behandlungen wie In-vitro-Befruchtung haben bei halben Kosten Erfolgsquoten so hoch wie in den USA.

Malaysische Ärzte glänzen auch bei Herz-Bypass-Operation. Kosmetische Chirurgie wie Nasenkorrekturen und Brustvergrößerung sind ebenfalls sehr beliebt. Zudem werden Alternativmedizin und Ayurveda-Behandlungen angeboten.

Kuala Lumpur verfügt über mehrere JCI-akkreditierte Krankenhäuser, viele von ihnen sind mit luxuriösen Suiten ausgestattet. Das Prince Court Medical Centre steht auf Platz 6 der zehn besten Krankenhäuser für Medizintourismus. Das Krankenhaus hat 270 Betten, eine hoch entwickelte Abteilung für Brandopfer und eine In-Vitro-Befruchtungsabteilung mit mehreren Embryo-Überwachungssystemen.

Der Service für Medizintouristen beinhaltet auch hier Dolmetscher, Flughafentransfer und Visaverlängerungen. Angehörige erhalten Ermäßigungen in nahe gelegenen Hotels.

Die Kliniken der Stadt Ipoh sind bekannt für Krebsbehandlungen, Orthopädie, Herz-Kreislauferkrankungen und bieten zudem Wellness-Programme, die Akupunktur, Massagen, Yoga und Spezialdiäten beinhalten.

Kosten

Was der Patient für eine Behandlung im Ausland zahlt, ist abhängig vom Wechselkurs. So wird im Augenblick eine Behandlung in Thailand und Malaysia teurer, weil die Währungen stabiler geworden sind. Der tatsächliche Preis für eine Behandlung in Thailand aber hat sich seit 2006 nur geringfügig gesteigert. Damals kostete z. B. eine Brustvergrößerung zwischen 3.000 und 3.500 US$. Heute ist sie, nur aufgrund des Wechselkurses, um 25% teurer. Der indische Rupie ist nur leicht abgewertet. Preiswerter ist es zurzeit in Ländern wie Mexiko, der Türkei, in Korea und Südafrika. Verglichen mit den Währungen der restlichen Welt, ist Chinas Yuan am beständigsten …

Quellen: Asien Kurier, ThaiZeit, Tourism Watch, WhatClinic, Medical Tourism

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