Los geht’s zum deutschen Filmfestival!

Auch in diesem Jahr zeigt das vom Goethe-Institut organisierte Festival Kinofilme, die starke Geschichten erzählen: Von Rebellion und Mut, von Liebe und Zweifel, von Sehnsucht und Aufbruch … Jeder Film hat eine unverwechselbare Handschrift, viele sind mit Preisen ausgezeichnet worden. Als special guests sind zwei Schweizer Filme dabei – großes Kino aus einem kleinen Land, unbedingt sehenswert! KINO/18 bietet mehr als nur großartige Filme: Der Regisseur Uli Gaulke gibt eine Masterclass für Dokumentarfilmer und zeigt mit drei seiner creative documentaries, dass Dokfilme genauso unterhaltsam sein können wie Spielfilme. Der Kameramann Hans Fromm, seit vielen Jahren erfolgreich im Team mit Regisseur Christian Petzold (u. a. Yella, Barbara, Phoenix, Transit), führt einen Workshop durch und erläutert bei der Vorführung von Transit, was die besondere Ästhetik der „Berliner Schule“ bedeutet.

inhk-Redakteurin Stefanie Ball im Gespräch mit Dr. Almuth Meyer-Zollitsch, Leiterin des Goethe-Instituts, über das deutsche Filmfestival KINO/18.

inhk: Vom 11.– 21. Oktober heißt es wieder „Film ab!“ für das deutsche Filmfestival in Hong Kong (Macau: 20.10.–3. 11.). Worauf dürfen sich die Zuschauer bei KINO/18 besonders freuen?
Almuth Meyer-Zollitsch: Auf zehn starke Filme, unter denen bestimmt jeder Zuschauer seinen Lieblingsfilm finden wird! Letztes Jahr wurde unsere Programmauswahl wegen seiner Vielfalt gelobt – eben nicht nur Art House, sondern auch Spannung und Comedy. Das haben wir beherzigt und dieses Jahr wieder auf ein breites Spektrum geachtet: Wir haben mit Western von Valeska Grisebach, der rund um die Welt mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, einen echten Art House-Film, aber eben auch die herzerwärmende Rom-Com Whatever happens oder der Roadmovie 303, in dem zwei mit einem alten Mercedes-Bus durch Europa fahren und unbedingt vermeiden wollen, sich zu verlieben …

inhk: Der Eröffnungsfilm soll ja nicht nur ein besonders lohnender sein, sondern auch den Ton fürs Festival setzen – welchen Film haben Sie für die Eröffnung am 11. Oktober im Hong Kong Arts Centre ausgesucht?
Meyer-Zollitsch: Wir haben uns für Das schweigende Klassenzimmer von Lars Kraume entschieden: Eine Schulklasse in der DDR 1956 will ein Zeichen der Solidarität mit dem Aufstand in Ungarn setzen und legt im Unterricht eine Schweigeminute ein – ein unerhörter Akt der Rebellion, der eine Lawine ins Rollen bringt, unter der die jungen Leute beinahe zermalmt werden. Jeder und jede Einzelne erlebt da ein persönliches Drama: Stehe ich zu meiner Entscheidung oder knicke ich vor den Drohungen der Obrigkeit ein? Auf einer wahren Begebenheit beruhend und spannend erzählt, ist das ein toller Film, der hautnah spüren lässt, was Meinungsfreiheit und Zivilcourage bedeuten – Themen, die auch für Hong Kong relevant sind.

inhk: Mit 303 und Das schweigende Klassenzimmer haben Sie schon zwei Filme genannt, in denen junge Leute die Protagonisten sind …
Meyer-Zollitsch: Ja, tatsächlich ist das ein Schwerpunkt in diesem Jahr, die Perspektive der jungen Generation auf unsere Welt: Wohin gehen wir, wie wollen wir leben? Und wie kann ich darin meine ganz persönlichen Träume verwirklichen? Das ist das Thema von Rückenwind von vorn, einem liebenswerten Independent Film, der auf der Berlinale lief, und auch von Blue My Mind, dem sehr eindrucksvollen, mit mehreren Preisen ausgezeichneten Schweizer Film: Ein Coming-of-Age-Film, streckenweise ziemlich hart, und mit einem überraschenden Ende.

inhk: Die Schweiz ist dieses Jahr Gast bei KINO/18?
Meyer-Zollitsch: Ja, wir haben das Schweizer Generalkonsulat eingeladen, mit zwei Filmen als special guests bei KINO/18 präsent zu sein, nachdem uns der Schweizer Film Die göttliche Ordnung zur Eröffnung des Europäischen Filmfestivals so gut gefallen hatte! Und der Kulturattaché Andreas Rufer hat zwei wirklich überzeugende, starke Filme ausgewählt: Neben Blue My Mind noch eine dramatische, bewegende Familiengeschichte, Finsteres Glück. Großes Kino aus einem kleinen Land!

inhk: Deutsches Kino ist dafür bekannt, dass es auch politisch ist, aktuelle Probleme in der Gesellschaft thematisiert. Gibt es dafür auch Beispiele bei KINO/18?
Meyer-Zollitsch: Auf jeden Fall! Grundsätzlich denke ich, dass auch das Private höchst politisch sein kann, das gilt sogar für eine scheinbare 70er Jahre-Familienidylle wie Sommerhäuser, durch die ein unheimlicher Luftzug weht … Aber ganz klar ein politischer Film ist Styx: Eine Ärztin stößt beim Segeln auf hoher See auf ein sinkendes Flüchtlingsboot und muss in kürzester Zeit entscheiden, wie sie reagiert: Nimmt sie alle Flüchtlinge auf, geht ihr eigenes Boot unter. Fährt sie weiter, sind die Menschen dem sicheren Tod überlassen. Unter dramatischen Umständen trifft sie dann eine folgenschwere Entscheidung … Eine Parabel auf den Umgang Europas mit Flucht und Migration. Dazu passt, aus einem anderen Blickwinkel, Christian Petzolds Film Transit, ein großer Erfolg auf der Berlinale: Er verlegt den Roman von Anna Seghers über einen politischen Flüchtling aus dem Zweiten Weltkrieg in die Gegenwart, und plötzlich kommt einem die Geschichte ganz nah, treffen frühere und gegenwärtige Fluchtbewegungen aufeinander …

inhk: Der Kameramann von Transit, Hans Fromm, ist ja Gast bei KINO/18. Was bringt er mit?
Meyer-Zollitsch: Hans Fromm ist der Mann hinter der Kamera bei allen Filmen von Christian Petzold und hat mit ihm zusammen ganz wesentlich die Filmsprache der „Berliner Schule“ geprägt. Daneben arbeitet er mit weiteren namhaften Regisseuren und dreht viel fürs Fernsehen, er bringt also eine Menge Erfahrung mit. Deshalb wird er einen Workshop über Cinematographie für die Asia Film Awards Academy AFAA geben. Außerdem stellt er Transit bei KINO/18 vor und erlaubt den Zuschauern gewissermaßen einen Blick durch seine Linse: Die angeschnittenen Bilder in Transit, die besonderen Farben, die Raumgestaltung mit der Kamera, die das Eingeschlossensein der Figuren visuell erfahrbar machen.

inhk: Erstmals gibt es in diesem Jahr auch Dokumentarfilme bei KINO/18 zu sehen, allerdings in einem eigenen Programm – warum diese Trennung zwischen Dok- und Spielfilm?
Meyer-Zollitsch: Wir wollten die Chance nutzen, gleich eine kleine Reihe zu präsentieren, und das funktioniert besser als eigenes Programm: Der Dokfilm-Regisseur Uli Gaulke kommt für drei Monate nach Hong Kong, im Rahmen einer Kooperation mit Medienboard Berlin-Brandenburg. Seine Filme haben von der Dramaturgie her viel mit Spielfilmen gemeinsam, nicht zuletzt sind sie unterhaltsam und witzig. Also wird Uli Gaulke eine Masterclass an der HK University Documentary Initiative geben und dort seine drei bekanntesten Filme vorstellen: Havanna mi amor, Comrades in dreams und As time goes by in Shanghai. Diese Filmvorstellungen sind offen fürs interessierte Publikum, und Uli Gaulke würde sich über eine rege Beteiligung beim Publikumsgespräch sehr freuen.

Alle Spielzeiten und Spielorte sind auf der eigens fur die Kinowochen eingerichteten Website zu finden.

KINO/18-Spielstätten in Hong Kong
Das Louis Koo Cinema im Hong Kong Arts Centre (einschließlich des Eröffnungsabends mit anschließender Party), das The Grand Cinema in der Elements Mall in Kowloon sowie das Science Museum, ebenfalls in Kowloon. In Macau ist unser Partner das Passion Cinema.

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