Lanzhou: Die Stadt an der Seidenstraße

Die Seidenstraße verband China einst mit der restlichen Welt. Nun will Chinas Staatschef die Länder entlang neuer Routen zu einer modernen Wirtschaftsregion verknüpfen.

Lanzhou, im Nordwesten Chinas, in der Provinz Gansu gelegen, war schon ein bedeutender Verbindungspunkt der historischen nördlichen Seidenstraße und soll auch in der Neukonzeption der Route, die formell als „neue eurasische Kontinentalbrücke“ bekannt ist, eine wichtige Rolle spielen. 

(Alt-)Lanzhou liegt am Gelben Fluss auf einer Höhe von 1.518 m. Sie ist die einzige Stadt Chinas, durch die der „Mutterfluss“ über eine Länge von 50 km mitten hindurchfließt. An beiden Uferseiten ist Lanzhou von bizarren Bergen umgeben.
Lanzhou hat eine Geschichte von mehr als 2.000 Jahren. Früher war sie eine wichtige Stadt an der Seidenstraße und der Verkehrsknotenpunkt für die Verbindung Chinas mit den Ländern Asiens, Afrikas und Europas.  

Für Gansu, die ärmste Provinz in ganz China, ist Neu-Lanzhou, 70 km westlich der Hauptstadt (Alt-)Lanzhous, das größte Prestigeprojekt. Die neue Stadt inmitten der Steinwüste soll ein Knotenpunkt auf der „neuen Seidenstraße” werden.
Mit immensem Aufwand und Kosten wurde Neu-Lanzhou vor drei Jahren aus dem Boden gestampft. An die 700 Hügel wurden abgetragen, damit die Stadt auf einer flachen Ebene gebaut werden konnte. Hochhäuser für eine Million Menschen wurden gebaut. Doch noch stehen sie leer. Seen, Fabriken und ein modernes Wohnparadies sind geplant. 

Sehenswürdigkeiten in Lanzhou
In Lanzhou beginnt der Hexi-Korridor, ein in Richtung Nordwesten laufender und über 1.000 km langer talförmiger Teil der Seidenstraße, der von hohen Bergen und endloser Wüste umgeben ist. Es ist die Wiege der chinesischen Zivilisation, da sich hier vor 3.000 Jahren die Landwirtschaft durch fruchtbaren Boden der Region entwickelt hat.

Baita Shan Gong Yuan
Ein angelegter Park mit dem Berg Baita (bai bedeutet weiß), auf dem eine weiße Pagode steht. Sie dient der Erinnerung an einen Lama des tibetischen Buddhismus, der in die Mongolei reiste, um Genghis Khan zu besuchen, unterwegs aber in Lanzhou starb.
Der Aufstieg wird mit einem herrlichen Blick über die Stadt und den Gelben Fluss belohnt.

Gansu Provincial Museum
Das im russischen Baustil errichtete Museum verfügt über eine reiche Sammlung an historischen und nationalen Kulturdenkmälern, Fundstücken der Han- und Tang-Dynastie, die an der alten Seidenstraße entstanden und seltenen Kostbarkeiten  buddhistischer Kunst.

No. 1
Die Zhongshan-Brücke war die erste Eisenbrücke über den Gelben Fluss. 1907 mit Brückenteilen aus Köln-Deutz erbaut, ist sie heute ein Industriedenkmal.

Wuquan Shan Gong Yuan
Der „Fünf-Quellen-Berg-Park“ liegt am Berg Wuquan. Er ist berühmt für seine Ruhe und schöne Landschaft mit üppigen Wäldern, Quellen und vielen uralten Tempeln.

Wasserrad-Park
Die über 400 verschiedenen Wasserräder erklären die
Wasserradkultur Chinas.

Denkmal der Mutter Huang He
Die Skulptur „Mutter des Gelben Flusses“ stellt eine Mutter dar, die an ihrer Brust ein kleines Kind hält, was bedeuten soll, dass der Gelbe Fluss bereits Generationen von Chinesen ernährt hat.

Grüner Korridor
Das Gebiet, auch Binhe Park genannt, ist eine Grünanlage am Gelben Fluss, die zum Spazierengehen einlädt.

Qiao Men Mosque
Moschee in traditioneller chinesischer Architektur erbaut.

Geplant ist ein Park mit einer Ausstellung zur „Neuen Seidenstraße“. Die Entwicklung der Städte entlang der 11.870 km langen Strecke, die sich von der chinesischen Küste bis nach Rotterdam zieht, soll dort dargestellt werden.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Bingling Si
Der Tempel, auch Bingling Si-Grotten genannt, mit seinen zehntausend Buddhas ist ein Höhlentempelkomplex am Nordufer des Liujiaxia-Stausees. Ca. 80 km von Lanzhou entfernt, ist er nur mit dem Boot erreichbar. Die erste Grotte wurde um 420 n. Chr. am Ende der Jin-Dynastie gebaut. Heute gibt es noch 183 Höhlen mit Steinstatuen und Lehmfiguren verschiedener Größe.

Pingliang
250 km südöstlich von Lanzhou liegt die verschlafene Stadt Pingliang, umgeben von über 2.000 m hohen Bergen. Auf dem Berg Kongtong befindet sich eine daoistische Tempelanlage. Eine traumhafte Landschaft, die sich zum Wandern eignet.

Küche
Lanzhou Lāmiàn

Lanzhou ist für seine Rindfleisch-Nudelsuppe chinaweit berühmt. Lamian-Nudeln gelten als besonders schmackhaft. Sie werden aus Weizenmehl in Handarbeit hergestellt. In kunstvoller Darbietung können die Nudelzieher aus einem Klumpen Teig innerhalb kürzester Zeit eine Unmenge von Nudeln ziehen – und das nur mit Hilfe ihrer Hände. Nach dem Kochen werden die Nudeln in einer deftigen Rindfleischbrühe angerichtet und serviert. 

Anreise
Direktflug mit Air China in 2 Std. und 10 Min.  

inhk-Tipp
Erlebnis Lan Xin Gao Tie
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Lanzhou und Urumqi verbindet die drei westchinesischen Provinzen Xingjiang, Qinghai und Gansu miteinander. Sie
ist die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke entlang der antiken chinesischen Seidenstraße.
Die Züge von Lanzhou über Xining nach Urumqi passieren 64 Tunnel und 499 Brücken. Mit einer maximalen Fahrtgeschwindigkeit von 300 bis 350 km pro Stunde können 1.776 km in nur 11 Std. und 50 Min. zurückgelegt werden.

ct

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