Kaiping: Wohntürme inmitten grüner Reisfelder

Die Stadt Kaiping in der Provinz Guangdong und die in ihrer Umgebung liegenden Diaolous, die sogenannten Turmhäuser, sind weitgehend unbekannt. Seit 2001 unter Denkmalschutz stehend, wurden die architektonisch einzigartigen Bauten erst im Jahr 2007 von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet. Ein Besuch lohnt sich!

Diaolous sind Wohntürme mit bis zu neun Etagen, die in den ländlichen Regionen Chinas sowohl als Wohnhäuser als auch zu Verteidigungszwecken genutzt wurden.
Ihre Bauherren waren wohlhabende Chinesen aus Übersee, von denen viele aus Kaiping stammten. Um 1839 wanderte eine große Anzahl von ihnen aus Guangdong aus, um im Ausland ihr Geld zu verdienen. Gegen Ende des Jahrhunderts kamen einige zurück. Ihr erworbener Reichtum sorgte oft für Neid bei den armen Bauern. Zur eigenen Verteidigung bauten die Rückkehrer deshalb zwischen 1900 und 1931 die meisten der heute noch 1.833 erhaltenen Diaolous und kombinierten dabei traditionelle chinesische Baustile mit westlichen Einflüssen, die sie während ihrer Jahre im Ausland entdeckt hatten.
So finden sich in vielen der Diaolous Barock-, Renaissance- und Jugendstil-Elemente sowie Themen aus dem arabischen Kulturraum.
Manche der Häuser wurden auch als Lagerräume oder Schulen genutzt, größtenteils wurden sie jedoch als Wohnhäuser erbaut. Die dicken und verstärkten Mauern der unteren Etagen dienten dabei meist der Verteidigung und konnten nur schwer von Angreifern durchbrochen werden.

Wer ein Diaolou bauen ließ, erfreute sich nicht nur eines gewissen Wohlstands, sondern konnte sich auch mehrere Ehefrauen leisten. Es scheint, dass jede Ehefrau mit ihren Kindern eine eigene Etage bewohnte. Aufschluss über die Familienverhältnisse geben manche der alten Familienfotos, die in den zugänglichen Diaolous hängen.

Viele der Dialous sind heute noch bewohnt, zumeist von Reisbauern. Andere wiederum werden nur einmal im Jahr genutzt, wenn sich die im Ausland verstreuten Mitglieder des längst wieder ausgewanderten Clans in der Heimat treffen.

Seit einigen Jahren werden viele der Türme auf staatliches Geheiß restauriert und touristisch genutzt. Die großen Touristen-Scharen sind trotzdem nicht vor Ort. Aufdringliche Verkäufer oder Touristennepp gibt es (noch) nicht. Dafür aber viele authentische Dörfer, in denen fremde Besucher niemanden mehr erschrecken.

Kaiping Diaolous in den umliegenden Dörfern 

Zili Village
Fang Clan Watch Tower
, ein mehrgeschossiger Turm, 1920 zur Verteidigung erbaut  und gleichzeitig als Wohnhaus genutzt.
Li Yuan (Garden)
, eine gut erhaltene Villenanlage, die 1936 von Xie Weili, einem in die USA ausgewanderten Chinesen, im italienischen Stil errichtet wurde.

Sanmenli Village
Yinglong Lou
, das älteste noch existierende Diaolou, gebaut während der Ming-Dynastie vor 460 Jahren. 

Majianglong Village, umgeben von Bambuswäldern mit noch sieben erhaltenen Diaolous, die Anfang der 20er-Jahre errichtet wurden. 

Jinjianli Village mit mehreren Diaolous im byzantinischen Stil. Das Ruishilou gilt als das prächtigste unter den Diaolous und ist mit neun Stockwerken auch das höchste. Heute führt ein Urenkel des Erbauers Huang Bixiu Besucher durch das Gebäude. Auf dem Dach des Ruishilou steht ein alter Stromgenerator deutscher Produktion. 

Die Fengcai Hall, eine Ahnenhalle des Yee Clans, befindet sich direkt in Kaiping. Zwischen 1906 und 1914 erbaut, ist sie heute Teil einer Schule. 

Anreise
Mit der Fähre um 8:30 Uhr vom China Ferry Terminal in 150 Min. nach Jiangmen; kostenfreier Shuttle Bus nach Kaiping. Rückfahrt am nächsten Tag um 15 Uhr.

inhk-Tipp: Mietet euch in Kaiping ein Taxi für den ganzen Tag!

Hotels
Pan Tower International Hotel
Tribe of Diaomin Hostel 

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