Juden in Hong Kong

Hong Kong. Vielleicht nicht der erste Ort, der einem in den Kopf kommt, wenn man an Juden denkt, jedoch gibt es hier eine reiche jüdische Geschichte und eine große und vielfältige jüdische Gemeinde.

Hong Kong ist eine Handels- und Finanzstadt und so ist es kaum verwunderlich, dass Juden ihren Weg hierher fanden. Nach der Kolonialisierung durch die Briten wurde 1857 die erste jüdische Gemeinde gegründet, vorwiegend durch Juden, die ihren Weg aus dem nahe gelegenen Canton (heute Guangzhou) und Macau fanden. Sie halfen u. a. den Hafen zu entwickeln.

Die Synagoge Ohel Leah in der Robinson Road, gebaut 1901 in klassischem Kolonialstil durch Sir Jacob Sassoon, Sohn einer indischen Kaufmannsfamilie, wurde schnell zum Mittelpunkt des jüdischen Lebens.
1909 erweiterten sie die Kadoories um einen angeschlossenen jüdischen Club.
Im Jahr 2000 erkannte die UNESCO die Erhaltung und Restaurierung der Ohel Leah-Synagoge als Erhaltung von Kulturgütern an. In Hong Kong gehört sie seit 1987 zu den historischen Gebäuden.

Der jüdische Friedhof wurde bereits 1855 eingeweiht. Zu finden ist er in Happy Valley, jetzt umgeben von Hochhäusern. Der Eingang ist flankiert von einem buddhistischen Tempel und dessen Schule. 1858 wurde der Friedhof offiziell durch eine 999 Jahre Pacht übergeben und ist einer der wenigen jüdischen Friedhöfe Asiens, der seit dem 19. Jahrhundert bis heute in Betrieb ist. 1904 wurde er mithilfe des einzigen jüdischen Gouverneurs von Hong Kong, Sir Matthew Nathan, erweitert, um ausreichend Platz für die wachsende vielfältige Gemeinde zu schaffen. Auf den Grabsteinen findet man neben englischen und hebräischen Inschriften auch arabische, russische oder niederländische. Es befinden sich heute ca. 360 Grabstellen auf dem Friedhof. Auch die Kadoorie-Familie liegt hier begraben.

1882 lebten in Hong Kong 62 Juden, ca. 100 Jahre später waren es bereits 250. Aktuell wohnen hier ungefähr 5.000 Juden, vorwiegend aus Israel, Frankreich, England, USA, Australien, Südafrika und Kanada. Viele von ihnen sind permanent residents.

In den 1930er und 1940er Jahren flohen ca. 18.000 Juden aus Europa nach Shanghai, die letzte noch „offene“ Stadt – niemand fragte dort nach Visum oder Glauben. Einige von ihnen gelangten auch nach Hong Kong und fanden dort Zugang zur bereits existierenden jüdischen Gemeinde. 1939 wurden österreichische und deutsche Juden zu Feinden deklariert und mussten 1940 die Kolonie verlassen. Erst in den Nachkriegsjahren kamen durch den Handel und den Hafen wieder Juden nach Hong Kong.

Vier Kongregationen (Ordensgemeinschaften) sind in Hong Kong vertreten: Die Orthodox Ohel Leah Congregation, die Chabad-Lubavitch Congregation, die Progressive United Jewish Congregation und die Conservative Shuva Israel Congregation. Jede hat eigene Rabbiner und Synagogen. Als Gotteshäuser geöffnete Synagogen gibt es derzeit nur in Shanghai (mit einem amerikanischen Rabbi), in Hong Kong und in Taipei.

Das große jüdische Gemeindezentrum in der Robinson Road, gleich neben der Synagoge Ohel Leah, dient als Anlaufstelle für soziale und kulturelle Aktivitäten der jüdischen Gemeinde. Sie bietet für alle Kongregationen einen gemeinsamen Platz. Hier gibt es eine Bibliothek, koschere Restaurants, einen koscheren Supermarkt, Sportmöglichkeiten und einen Pool.

Jüdische Bildung spielt in der Gemeinde eine große Rolle und so kann man in Hong Kong die einzige jüdische Schule Ostasiens finden. Von der Kinderkrippe bis zum internationalen Abitur bietet die Carmel School seit 1991 an drei Standorten ihren Dienst an. Das Holly Rofé Early Learning Centre befindet sich in der Robinson Road, im Zentrum der jüdischen Gemeinde; die Grundschule in der Borrett Road und die High School in Shau Kei Wan. Angefangen mit 12 Schülern, besuchen heute 380 Kinder aus allen Teilen der Welt die Schule.

gi

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