Germany in Hong Kong

Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Hong Kong erlebt immer noch die schlimmste politische Krise seit der Übergabe an die VR China im Jahr 1997.

Die Intensitat dieser Krise kam für die meisten vollig überraschend und traf die staatlichen Akteure unvorbereitet. Die mittelfristigen Konsequenzen sind noch nicht überschaubar, vieles stellt sich heute völlig anders dar als noch vor sechs Monaten. Das Hong Kong, das wir alle gerne unser Zuhause nennen, wird nicht so schnell wieder zur Tagesordnung zurückkehren können, selbst wenn die Unruhen auf den Straßen irgendwann aufhören sollten. Nach einer gewissen Zeit dürfte es Hong Kong als international bedeutsamer Finanzstandort mit einem funktionierenden Rechtssystem nach Auffassung der meisten Beobachter jedoch gelingen, wieder auf den Füßen zu landen, wie schon so oft in seiner an Krisen nicht armen Geschichte. Wir haben in den letzten Monaten immer wieder unser Vertrauen in Hong Kongs Stärke betont. Das gleiche Signal setzen auch die deutsche Handelskammer und die in Hong Kong vertretenen deutschen Firmen, von denen bisher alle an Hong Kong als wichtigem Wirtschaftsstandort festhalten. Deutschland setzt sich trotz der alarmierenden Bilder der vergangenen Wochen weiterhin für Deeskalation und für substanziellen Dialog ein, damit für politische Probleme auch politische Lösungen gefunden werden können.

Im November wurde vom Kulturzentrum Tai Kwun und dem Jockey Club, gemeinsam mit dem Goethe-Institut, dem Generalkonsulat und visit Berlin, mit dem „Projekt Berlin“ die größte deutsche Kulturveranstaltung durchgeführt, die es in Hong Kong bisher gegeben hat. 14 Tage lang gab es Konzerte unter freiem Himmel, deutsche Filme, Veranstaltungen zum 100-jährigen Bauhaus-Geburtstag, Tanzvorstellungen mit den Berlinern Flying Steps, Street Art mit Künstlern aus Berlin und Hong Kong, tägliche Lichtshows der Berliner Lichtpiraten und dann ein wunderbares Finale – ein Chanson Abend unter freiem Himmel von und mit Ute Lemper.

Der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit war im November auch in Hong Kong und hat bei zahlreichen Veranstaltungen unter dem Motto „Berlin arm, aber sexy …“ über seine Erfahrungen als Regierender Bürgermeister berichtet. Er hat uns von seinen Initiativen und Impulsen erzählt, wie er aus Berlin eine international begehrte Stadt machte und wie es ihm gelang, Berlin als Zentrum für junge kreative Menschen aus aller Welt, Start-ups, Künstler, Architekten, Designer und Erfinder, zu etablieren.

Vor wenigen Tagen habe ich erfahren, dass dies möglicherweise meine letzte Kolumne in inhk sein wird, da das einzige deutschsprachige Magazin für Hong Kong wohl bereits zum Jahresende sein Erscheinen einstellen muss. Ich persönlich fände es ausgesprochen schade, wenn diese deutsche Institution, die es seit 2011 gibt und die für mich in jeder Ausgabe nützliche Informationen über Hong Kong enthielt, sich dem hohen Kostendruck in Hong Kong beugen müsste. Vielleicht finden sich ja doch noch Wege und Möglichkeiten …

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Adventszeit, ein besinnliches Weihnachtsfest sowie ganz persönlich alles Gute und nur das Beste für das Jahr 2020.

Dieter Lamlé

Leave a comment