Gefängniszellen mit Meerblick

Die Gefängnisanlagen Hong Kongs befinden sich an den schönsten Ecken Lantau Islands, in Stanley und in den New Territories – fast immer mit Blick auf das Meer oder die Reservoirs.

Gefängnisse werden in Deutschland seit 1970 Justizvollzugsanstalten genannt; in der Schweiz heißen sie Strafanstalten und in Österreich Justizanstalten. In Hong Kong gibt es Correctional Institutions.

Die Gefängnisse Hong Kongs folgen dem britischen Modell und verfügen über einen vergleichbaren westlichen Standard. Sportplätze, Fitnessräume, Büchereien und Krankenabteilungen sind vorhanden; Klimaanlagen fehlen! Insassen, die in Isolationshaft sitzen, haben eine Stunde am Tag Hofgang. Jugendliche unter 21 Jahren erhalten Schulunterricht und können Ausbildungen absolvieren, auch Erwachsenen stehen Weiterbildungsprogramme zur Verfügung. Tagsüber arbeiten die Insassen u. a. in Schreinereien oder Buchbindereien und werden dafür entlohnt.

Wie in den meisten europäischen Ländern werden Strafgefangene auch in Hong Kong bei guter Führung vorzeitig entlassen. „Aber die Strafen sind länger; für das gleiche Delikt ungefähr doppelt so lang wie in der Schweiz“, sagt Tobias Brandner, Gefängnisseelsorger in Hong Kong.

Zurzeit sitzen ca. 8.086 Straftäter in Hong Kongs Gefängnissen. Die Zahlen sind rückläufig. Chinesen vom Festland China überziehen kaum noch ihre Visa; Prostitution ist in den benachbarten Ländern einfacher erhältlich. Die Rückfallrate ist gering.

Gefängnistypen

29 Institutionen unterteilen sich in 16 Gefängnisse, vier Rehabilitationszentren, drei Half-way Houses, drei Drogenentzugsanstalten, zwei Custodial Wards und eine psychiatrische Klinik. 14 haben eine leichte, vier eine mittlere Sicherheitsverwahrung und sechs sind mit einem Hochsicherheitstrakt versehen.

Getrennt werden sowohl in Hong Kong als auch in Europa Erst- von Mehrfachverurteilten, Leicht- von Schwerverbrechern, Erwachsene und Jugendliche, Frauen und Männer, Personen über 65 Jahre (in Deutschland über 63) mit kleineren Delikten sowie Straf- und Untersuchungsgefangene. Unter das Jugendstrafrecht/Jugendgerichtsgesetz fallen in Deutschland und Österreich Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. Das Schweizer Jugendstrafrecht gilt für Personen ab Vollendung des 10. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Ab dann kommt das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung. In Hong Kong gilt das Erwachsenenstrafrecht erst ab 21 Jahren. Weitere Einteilungen werden nach Straflänge und Delikt vorgenommen. Psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter werden ebenfalls nach Geschlechtern getrennt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgt die Unterbringung in sozialtherapeutischen Einrichtungen oder unter Umständen im Maßregelvollzug. In Hong Kong gibt es die sogenannten Half-way Houses, Heime für Straftäter mit psychischen Erkrankungen, die nach einem Aufenthalt in Rehabilitations- oder Drogenzentren stabil sind, und die Custodial Wards. Im Queen Mary und Queen Elizabeth Hospital werden junge Straftäter, Drogenabhängige, Erst- und Wiederholungstäter temporär untergebracht. Ziel beider zeitlich befristeten Übergangsheime ist die Wiedereingliederung der Strafgefangenen in die Gesellschaft.

Das Victoria Prison, das erste Gefängnis Hong Kongs, wurde 2005 geschlossen. Heute gilt das Stanley Prison, ein für 1.511 Männer ausgelegtes Hochsicherheitsgefängnis, als das älteste (1937) und größte der Stadt. Hier fand 1966 die letzte öffentliche Hinrichtung statt. Die Engländer schafften erst 1993 die Todesstrafe in Hong Kong ab.

Reine Frauengefängnisse gibt es überwiegend in den New Territories. Weibliche Jugendliche (14–21) kommen ins Chi Lan Rehabilitation Centre, anschließend ins Wai Lan Rehabilitation Centre. Bei schweren Verbrechen werden Frauen, ab Haftbeginn mit Kurzhaarfrisur, im Hochsicherheitsgefängnis Tai Lam Centre for Women inhaftiert. Hier sitzt auch die, zu lebenslanger Haft verurteilte Amerikanerin Nancy Kissel, die 2005 ihren Ehemann in der Wohnanlage Parkview ermordet hat.

Blick vom Tai Lam Correctional Institution

Die Einrichtungen des Siu Lam Psychiatric Centres sind als Hochsicherheitsbereiche ausgestattet, in denen gefährliche und gewalttätige Männer und Frauen untergebracht sind.

Die kleine Insel Hei Ling Chau (zu sehen auf der Fährfahrt nach Mui Wo), besteht nur aus drei Gefängnissen und einer Drogenentzugsanstalt, in denen drogenabhängige Straftäter sitzen.

Eine der schönsten Lage hat das Hochsicherheitsgefängnis Shek Pik auf Lantau Island.

Inhaftierungsrate (Gefangene pro 100.000 Einwohner)

  • Macau: 212
  • China: 118
  • Hong Kong: 109
  • Österreich: 98
  • Schweiz: 81
  • Deutschland: 77 (die meisten davon in NRW)

Weltweit gibt es über 11 Millionen Gefangene, die meisten davon in den USA (655), die wenigsten in Guinea Bissau (10). Führend in Asien ist Thailand mit 558 Gefangenen pro 100.000 Einwohnern. Indien hat nur 33.

Frauenanteil

  • Hong Kong: 20,5%
  • Macau: 13,8%
  • Deutschland: 6,9%
  • China: 6,5%
  • Österreich: 6,1%
  • Schweiz: 5,7%

Ausländeranteil

  • Schweiz: 71,5%
  • Macau: 67,3%
  • Österreich: 54,7%
  • Hong Kong: 29,9%
  • Deutschland: 24%
  • China: 0,4%

Weltweit betrachtet sitzen in Hong Kongs Gefängnissen die meisten Frauen, in Monaco 100% Ausländer.

inhk-Tipp: Wer sich für die über 170-jährige kriminelle Vergangenheit Hong Kongs interessiert, dem empfehlen wir einen Besuch im Hong Kong Correctional Services Museum.

Stand: 2019

Quellen: Hong Kong Correctional Services Department, World Prison Brief

ct

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