Frisches Brot von der Breadbox

Joshua Spirgi sieht so aus, als wolle er zum Skifahren gehen. Er trägt Skihose, Handschuhe, eine dicke Mütze. Tatsächlich geht er aber, wie jeden Mittwoch, Brote verpacken. Minus 20 Grad ist es in der begehbaren Kühlbox in einem Lagerhaus in Chai Wan. Hier lagern die Brote und Brötchen, die Joshuas Kunden über seine Firma „Breadbox“ bestellt haben.

„Alles wird frisch gebacken – mit besten Zutaten“, wie Joshua betont. Dann wird den Backwaren die Feuchtigkeit entzogen, und sie können eingefroren werden. Am Mittwochabend ist Einpacktag. Joshua hat seine Kundenliste mitgebracht, lang ist sie nicht. „Zurzeit haben wir um die 20 bis 30 Bestellungen pro Woche“, erzählt der 19-jährige Jungunternehmer, der nebenher noch an der Universität Dublin ein Fernstudium in „Business Management“ absolviert. Sein Wissen kann er dann gleich in seinem Unternehmen anwenden. „Unser Ziel ist es, zu wachsen.“

Noch ist die Breadbox eine Familienunternehmung. Ganz allein, ohne die Unterstützung seines Vaters und seiner Schwester, die in die elfte Klasse der deutschen Schule geht und ihm vor allem beim Einpacken der Brote hilft, würde Joshua das Ganze wohl nicht stemmen können. Seine Familie stammt aus der Schweiz, vor sieben Jahren kamen sie wegen des Jobs des Vaters nach Hong Kong. Auch der Bäcker ist Schweizer, er lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Hong Kong, betreibt sein Geschäft seit rund 25 Jahren und beliefert mit den Backwaren hauptsächlich Hotels und Fluggesellschaften. Da kam eine andere Schweizerin, die mit dem Bäcker gut befreundet war, vor fünf Jahren auf die Idee, den Empfängerkreis auf Privatkunden auszuweiten. „Es waren vor allem Freunde und Bekannte, die Brot bestellten. Einen Online-Shop gab es nicht. Es war mehr Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Dann kehrte die Gründerin der Breadbox zurück in die Schweiz, und die Freundin von Joshuas Mutter übernahm das kleine Business. Und als die in die Heimat zurückging, sprang Joshuas Mutter ein. Doch auch die zog schließlich vor einem Jahr in die Schweiz – und jetzt war Joshua am Zuge.

Bis Dienstagnachmittag können die Kunden Brot auf der Website bestellen. Das Angebot reicht vom Roggenbrot, über Laugen- und Baguettebrötchen bis hin zu Croissants und Hefezopf. Am Abend reicht Joshua die Bestellungen an den Schweizer Bäcker weiter, der backt das Brot vor und lagert es im Gefrierraum. Am Mittwoch werden die Tüten, eigens für die Breadbox entworfene Kühltaschen, bepackt, und am Donnerstag ausgeliefert. „Wir bringen die Brötchen nach Hong Kong Island, Kowloon, Clearwater Bay und Sai Kung“, erklärt Joshua. Zwei Stunden brauchen Brot und Brötchen, ehe sie aufgetaut sind, danach müssen sie noch in den Backofen, ein paar Minuten die Brötchen, etwa 10 bis 12 Minuten ein Brot. Eine genaue Auftau- und Backanleitung ist auf die Tüten, in denen die Waren eingepackt sind, aufgedruckt. Wer seine Bestellung nicht direkt benötigt, kann sie sieben bis zehn Tage im Kühlschrank aufbewahren oder womöglich noch einmal bis zu einem Monat im Kühlfach einfrieren.

Im Sommer, an Weihnachten und während Chinese New Year legt die Breadbox eine Pause ein. Wann genau das ist sowie andere Neuigkeiten rund um das Back-Business lässt Joshua seine Kunden per Newsletter wissen.

Seine persönlichen Lieblingsbrötchen? „Ich esse eigentlich alles gerne. Aber besonders gut sind die Croissants und der Hefezopf!“

Info
Bestellung bis Dienstag 17 Uhr. Für jeden Neukunden gibt es einen Brötchen-Mix gratis zum Probieren. Die Kühltaschen können dem Fahrer wieder mitgegeben werden, damit die Breadbox sie in der nächsten Woche weiter verwenden kann.

sba

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