Flexibel auf Verhältnisse vor Ort reagieren

Auf die Naumann-Stiftung, die wir im letzten inhk vorgestellt haben, folgt nun die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Diese ist seit vielen Jahren in der Volksrepublik China und rund 20 weiteren asiatischen Ländern vertreten. Büros gibt es unter anderem in Vietnam, Korea, den Philippinen, der Mongolei, Shanghai und Peking. In Singapur, Tokio und Hong Kong unterhält die Stiftung Regionalprogramme, die sich schwerpunktmäßig mit einem bestimmten Thema befassen, in Hong Kong ist es Energiesicherheit und Klimaschutz. Peter Hefele leitet das Programm, zuvor war er Büroleiter der KAS in Shanghai.   

inhk: Die Adenauer-Stiftung unterhält in Asien diverse Länderbüros – was macht die KAS dort?
Peter Hefele: Wir sind ein wichtiges Instrument für die deutschen auswärtigen Beziehungen. Anders als die Generalkonsulate oder Botschaften sind wir aber keine Diplomaten, sondern arbeiten mit vielfältigen Partnern zusammen, mit Politikern, Parteien, Nicht-Regierungsorganisationen, Handelskammern, Anwälten, lokalen Stadtverwaltungen. So sind wir flexibel und können uns den Gegebenheiten vor Ort anpassen. In der Mongolei etwa sitzen Präsident, Regierung und Parlament quasi um die Ecke, die Beziehungen zu Entscheidungsträgern sind deshalb sehr eng. In Einparteiensystemen wie Vietnam und China dagegen müssen wir auch mit der herrschenden Partei zusammenarbeiten.

inhk: Was heißt Zusammenarbeit, was machen Sie?
Hefele: Es gibt ganz unterschiedliche Themen und Instrumente. Wir schulen junge Journalisten und Journalistinnen oder vergeben Stipendien, wir beraten bei Verwaltungs- oder Verfassungsreformen, wir bieten Studienreisen nach Deutschland an, wir führen Veranstaltungen etwa zu wirtschaftspolitischen Themen durch. Grundsätzlich orientieren wir uns stark an konkreten Herausforderungen und dem Bedarf in den einzelnen Ländern. Wir kommen nicht mit festen Konzepten, sondern versuchen zunächst den Markt vor Ort zu analysieren.

inhk: Und in den Ländern freut man sich dann über die Hilfe der KAS?
Hefele: Nicht immer. In manchen Ländern sind wir zuletzt massiv unter Druck geraten. In Kambodscha etwa, wo wir viel auf kommunaler Ebene gearbeitet haben, läuft alles auf eine Zentralisierung der Macht bei einer Partei hinaus; in Indonesien wirken erstarkte islamische Kräfte, die sich gegen alles Westliche richten, was unsere Handlungsspielräume erheblich einschränkt. Auch in den Philippinen ist es schwieriger geworden. Immerhin haben wir dort, wie in vielen anderen Ländern, einen Vertrauensvorschuss, weil wir dort teilweise schon seit den 1960er Jahren tätig sind. Wir müssen aber immer vorsichtig agieren, um unsere Partner vor Ort nicht zu gefährden, denn die werden als erstes angegriffen.

inhk: In Hong Kong unterhält die KAS ein Regionalprojekt, das Sie leiten. Worum geht es?
Hefele: Die Regionalprojekte der KAS konzentrieren sich länder- und kontinenteübergreifend auf ein Thema. Sie sitzen in sogenannten „Safe Havens“ wie Singapur oder Hong Kong und arbeiten von dort aus mit und in den einzelnen Ländern. Das Regionalprojekt in Hong Kong beschäftigt sich mit Energieeffizienz, Energiesicherheit und Klimawandel. Die Idee ist, eine Energiewende nicht nur in einem Land – wie etwa in Deutschland – zu realisieren, sondern die Diskussion in viele Länder hineinzutragen, indem etwa auf lokaler Ebene Projekte realisiert werden, die zeigen, dass Veränderungen möglich sind. Im Übrigen funktioniert das nicht nur in eine Richtung: Wir in Europa wollen auch schauen, was hier, in Asien, passiert – und das ist jede Menge, auch im Umweltschutz.

inhk: Wie lange sind Sie schon in Asien unterwegs?
Hefele: Insgesamt neun Jahre, ich war zuerst in Shanghai und bin nun seit mehr als drei Jahren in Hong Kong. Darüber hinaus bin ich regelmäßig in vielen asiatischen Ländern unterwegs. Ich finde die Region fantastisch, es ist meine zweite Heimat. Asien hat eine hohe Dynamik, das hebt sich von Europa ab. Der Fortschrittsoptimismus ist groß, hinzu kommt die Vielfältigkeit der asiatischen Länder. Im nächsten Frühjahr werde ich allerdings nach Deutschland zurückkehren. Nach einigen Jahren muss man mal wieder „zu Hause“, in der Zentrale, vorbeischauen, ehe man vielleicht erneut hinaus „ins Feld“ geht – ich hoffe wieder nach Asien! 

sb

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