Fakes made in China

Besser gut kopiert als schlecht erfunden! Dass in China viele Waren gefälscht werden, ist längst bekannt. Duplikate von Luxushandtaschen wie z. B. von „Channel“ für 299 Euro. Aber wird Chanel nicht mit einem „n“ geschrieben? Die Kopie des Dorfes Hallstadt im Süden Chinas erweist sich als Publikumsmagnet und dem Original in den österreichischen Alpen entsteht kein wirtschaftlicher Schaden. Anders verhält es sich bei der Produktfälschung von Luxus- und Designartikeln, Maschinen, Elektrogeräten, Kleidung oder Autos. Die Kosten für Entwicklung sowie Marketing entfallen und der Nachahmer profitiert vom guten Ruf des Produktes. Den Herstellern der Originale entstehen Schäden in Millionenhöhe.

Komplett kopiert: dm-drogerie markt
In Shenyang entstand eine vollständige dm-Filiale, die inzwischen wieder geschlossen wurde. Am Schaufenster stand der deutsche Werbeslogan „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“.
Der Drogeriemarkt ist weder in China aktiv, noch hat er die Genehmigung gegeben, sein Logo zu verwenden.
Es ist kein Zufall, dass gerade dm kopiert wurde: Die Kette ist vielen Chinesen bekannt, seitdem sich Händler und Touristen bei Reisen in Deutschland in den Drogeriemärkten mit Milchpulver eindeckten, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Chinesische Babynahrung ist seit den Skandalen um verseuchtes Milchpulver in Verruf geraten.

Es sieht aus wie IKEA, schraubt sich wie IKEA, hat aber nichts mit Schweden zu tun – das chinesische 11-Furniture-Möbelhaus. Die Regale sehen „Billy“ zum Verwechseln ähnlich. Preisschilder, Einkaufstüten, Wegbeschreibungen – alles kommt einem bekannt vor. Sogar eine Kantine soll es geben. Allerdings ohne Köttbullar und Lachs, sondern mit chinesischem Schweinehack und Eiern.

In der Nähe von Peking entdeckten Polizisten eine Fabrik, in der ein Ehepaar 41.000 Fake-iPhones bauen ließ. Hunderte von Arbeitern wurden beschäftigt, die aus gebrauchten Komponenten und nachgemachten Bauteilen mit Apple-Logos wieder Smartphones zusammensetzten – in einem Gesamtwert von 120 Millionen Yuan, ca. 17,5 Millionen Euro. Einige der gefälschten Geräte wurden sogar in den USA verkauft.

Eine Geschäftsinhaberin aus Wenzhou bietet Nachahmungen der Marken ABB, Siemens und Schneider Electric für den Export an. Als besonderen Service erhält der Kunde gleich auch die Telefonnummer eines Ansprechpartners, der bei der Zollabfertigung hilft.

Letztes Jahr wurde ein Finanzinstitut in Shenzhen entdeckt, das sich Goldman Sachs nennt und dieselben Schriftzeichen nutzt wie die US-Investmentbank.

Dreiste Auto-Kopien:
Der Beiqi B80VJ von BAIC kopiert ungeniert einen Mercedes-Klassiker, die G-Klasse.
Der BAIC C50E könnte auf den ersten Blick glatt als Mercedes C 63 AMG durchgehen – es fehlt nur der Stern!
Tesla
ist auf dem chinesischen Markt nicht besonders erfolgreich. Nun dürfte die Marke ein neues Problem haben. Und das heißt Youxia X. Das Auto wird umgerechnet für 30–45.000 Euro angeboten. Das Original kostet in China mehr als das Doppelte.
Der Porsche Macan kommt noch in diesem Jahr als Zotye T700 auf den chinesischen Markt.
Der JWM2200 scheint eine Mini-Kopie des BMW i3 zu sein und kostet nur rund 4.000 Euro.

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht nachgemachte Produkte vom deutschen Zoll beschlagnahmt werden. Mitte Oktober wurden Container mit kopierter Tupperware in Osnabrück entdeckt, Hamburger Zollbeamte stellten in Möbelstücken verstecktes Billig-Viagra sicher, und auf einer österreichischen Motorradmesse tauchte eine Vespa-Kopie auf.

Rund ein Viertel aller gefälschten Waren, die der EU-Zoll beschlagnahmt, sind Arzneimittel. Tendenz stark steigend! Zumeist werden sie im Internet verkauft. Immer mehr der dort gehandelten Medikamente sind Fälschungen. Bestenfalls sind die Fakes wirkungslos, aber im schlimmsten Fall enthalten sie sogar gesundheitsgefährdende Substanzen. Selbst in  Apotheken wurden inzwischen Plagiate entdeckt.

Doch Chinas Produktpiraten sind nicht zu stoppen! Große kriminelle Netzwerke haben die Fäden in der Hand und sind durch korrupte Beamte kaum zu zerschlagen.
Mangels internationaler Abkommen bleibt die Strafverfolgung unzulänglich und somit das Geschäft äußerst lukrativ.

ct

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