Einblick in die Geschichte Hong Kongs – Outlying Islands – Teil IV

1898 verpachtet China die New Territories (N.T.) zusammen mit 263 Inseln – den Outlying Islands – für 99 Jahre an Großbritannien. Es sind die Inseln, die Hong Kong Island, Kowloon und die N.T. auf dem Festland umgeben. Zu den größten unter ihnen zählen Lantau, Cheung Chau und Lamma Island.

Lantau Island
Lantau ist fast doppelt so groß wie Hong Kong Island und besteht hauptsächlich aus Bergen und Tälern. Der Lantau Peak, der der Insel seinen Namen gab (zerklüftete Bergspitze), ist mit 934 m die höchste Erhebung.
Die Insel diente als Basis für Piraten und Schmuggler. Die 1817 erbaute Festung Tung Chung Fort sollte einst den Opiumhandel kontrollieren und die Küste vor Piraten beschützen. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von den Japanern besetzt, bis die Briten 1945 die Herrschaft wieder übernahmen.
Lantau Island und Tuen Mun gehörten zu den ersten europäischen Handelssiedlungen im Pearl River Delta, die von portugiesischen Händlern um 1510 gegründet wurden. Die Portugiesen verließen diese Siedlungen 1517 nach ihrer Niederlage durch chinesische Truppen.

Der Silver River, an der Silvermine Bay, fließt durch Mui Wo, im Osten Lantaus. Benannt wurde die Küste nach den Silberminen, in denen entlang des Flusses gearbeitet wurde. Hier wurde noch bis ins 19. Jahrhundert Silber geschürft.

Im Westen der Insel liegt Tai O, Heimat der Tanka, einer Gemeinschaft von Fischerleuten, die seit Generationen ihre Häuser aus nicht mehr seetüchtigen Booten baute und diese zum Schutz vor Hochwasser auf Stelzen über den Wattflächen anbrachten.
Ein anderes Markenzeichen dieses Ortes sind getrocknete, gesalzene Meeresfrüchte und besonders die berühmte Garnelenpaste. Seit dem 11. Jahrhundert war Tai O das Zentrum der Salzindustrie – bei Hochwasser füllten die Salzarbeiter Salinen, in denen das Wasser verdampfte, das Salz gesammelt und verkauft wurde. Die letzten Salinen wurden bis in die frühen 60er Jahre betrieben. Heute liegen sie still.

Der Süden Lantaus war bestimmt durch Ackerbau und Reisfelder, was bis in die 70er Jahre die Hauptertragsquelle der dortigen Anwohner war. Wegen billiger Importe, die z. B. den Anbau von Reis unwirtschaftlich machten, entwickelte sich die Landwirtschaft in Hong Kong stark zurück. Heute kann man Wasserbüffel auf den ehemaligen Reisfeldern herumwandern sehen – es sind die Nachkommen der damals sich selbst überlassenen Tiere, die jetzt wild auf Lantau leben.

Die lange Geschichte der Kalkindustrie geht auf die Sui-Dynastie zurück (500 n. Chr.). Schon damals fanden dort viele Menschen Beschäftigung. Der Kalk wurde unter anderem dazu verwendet, um Schiffsrümpfe durch Abdichten wasserdicht zu machen. Vor Kurzem hat die Regierung der Wiederherstellung einer Gruppe von alten Kalkbrennöfen auf der Halbinsel Chi Ma Wan zugestimmt. Diese Reliquien sind jetzt öffentlich zugänglich.

Obwohl die Küstengewässer jede Menge Scharmützel zu ertragen hatten, wurden die Hügel der Insel zu einem Paradies für Buddhisten. In den 70er Jahren gab es 135 buddhistische Klöster mit rund 500 Mönchen – Lantau wurde manchmal die Insel des Gebets genannt.Das buddhistische Kloster Po Lin ist eines der zehn wichtigsten Klöster des Buddhismus. Hauptattraktion ist die größte frei sitzende Tian Tan-Buddhastatue der Welt.

Das letzte große Projekt der Briten war der Bau des internationalen Flughafens Chek Lap Kok, der 1998, ein Jahr nach der Übergabe, eröffnet wurde.

Bis in die 90er Jahre war Lantau nur per Schiff erreichbar. Mit dem Flughafen kam die Zugverbindung Airport Express und die Autobahn Lantau Link hinzu. 1996 begann das Wohnungsbauprojekt North Lantau New Town, bei dem aus dem Dorf Tung Chung eine Satellitenstadt wurde.

Lamma Island
Nach den Opiumkriegen, als Hong Kong Island, Kowloon und die N.T. bereits an Großbritannien abgetreten waren, befand sich Lamma noch unter der Kontrolle Chinas. Erst 1898, im Rahmen einer Konvention zwischen Großbritannien und China, wurde Lamma Teil der britischen Kronkolonie.
Sie ist die drittgrößte Insel Hong Kongs und der berühmteste Ort für archäologische Studien, nicht nur in Hong Kong, sondern in ganz Südchina.

Eine bedeutende Bronzezeitsiedlung, die in den 70er Jahren von Archäologen entdeckt wurde, liegt in der Bucht Sham Wan, im Süden Lammas. Die historischen Reliquien (Steinwerkzeuge, Töpferwaren und Bronzeartefakte), die hier ausgegraben wurden, sind älter als die anderer Inseln und gelten als Beweis, dass bereits vor ca. 3800–3000 v. Chr. Menschen auf Lamma lebten.

Sok Kwu Wan, im Osten der Insel, war einst das größte Fischzuchtzentrum in Hong Kong. Noch heute gibt es viele schwimmende Fischfarmen in dieser Bucht.
Weitere Zeugnisse der Fischereivergangenheit Lammas bilden drei Tin Hau-Tempel – sie ehren die Göttin der Seefahrt. Den prächtigsten dieser Tempel findet man in der Nähe des Fähranlegers. Er wurde im Jahre 1826 gebaut und nach einem Brand im Jahr 2004 neu renoviert.

Entlang des Family Trails liegen drei sogenannte Kamikazehöhlen, von japanischen Besatzern während des Zweiten Weltkrieges benutzt, um darin Motorboote unterzubringen. Sie sollten mit Sprengstoffen verdrahtet, als menschliche Torpedos benutzt werden, um die alliierte Schifffahrt zu stören. Sie kamen nie zum Einsatz.

Yung Shue Wan, im Norden der Insel, war das Zentrum für die Fabrikation von Kunststoffen. Die Fertigungsstätten sind heute durch Gastronomiebetriebe ersetzt.

Cheung Chau Island
Berühmt für sein jährliches Bun Festival, Tag 5–9 des vierten Mondes, hat Cheung Chau mehr Geschichte, als es sonst für eine relativ kleine Küsteninselsiedlung möglich scheint. Missionare nutzten Cheung Chau als Rückzugsort seit dem frühen 20. Jahrhundert. Es gibt heute noch zahlreiche religiöse Organisationen auf der Insel.
Die Fischereiindustrie war jahrhundertelang die wichtigste wirtschaftliche Stütze der Insel, doch sie ist infolge der Verschmutzung und Überfischung in den örtlichen Gewässern stark zurückgegangen.
Wie auch die Insel Lantau, diente Cheung Chau früher als Standpunkt für Schmuggler und Piraten. Der berühmte Pirat Cheung Po Tsai (1786–1822) besaß, auf der Höhe seiner Karriere, das Kommando über eine Flotte von 50.000 Mann mit über 600 Schiffen.
Heute kann man seine Höhle, Cheung Po Tsai, die er als Versteck und Lager für seine Diebesbeute nutzte, besichtigen.

fmc

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