Ein Streifzug durch die Tempelwelt

Über 600 Tempel, Schreine und Klöster befinden sich in Hong Kong. Aufgrund der Kolonialgeschichte gibt es neben den chinesischen Tempeln auch eine große Anzahl an religiösen Stätten anderer Religionen (u. a. Kirchen, christliche Klöster, Moscheen und Synagogen).

Es überwiegt aber die konfuzianistische, taoistische und buddhistische Weltanschauung. Buddhas Lehre kam vor über 2.000 Jahren von Indien nach China. Etwa zur selben Zeit begründete der Gelehrte Laozi die taoistische Philosophie, nach der es von Vorteil ist, das natürliche Gleichgewicht der Welt zu bewahren und in Harmonie mit dem Weg des Universums zu leben. Der Konfuzianismus betont den Wert von Respekt, Freundlichkeit und Gehorsam.

Unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung glauben viele Menschen auch an die Macht von Wahrsagern und Glücksbringern.

Egal in welchem Stadtteil man sich in Hong Kong befindet, man begegnet mindestens einem Tempel oder kleinem Schrein auf seinem Weg. Sie sind oft unscheinbar von außen oder ducken sich in eine kleine Nebenstraße. Tritt man über die Eingangsstufe, umfängt einen eine fremde Welt voller Farben, Gerüche, fremden Göttern und den Ritualen der Betenden.

Es dominiert die Farbe Rot, die als glücksbringend gilt. Sie steht für das Leben, Wachstum, Freude und Wohlstand.

Oft hängen große Räucherspiralen an der Decke. Diese sind mit roten Zetteln versehen, auf denen die Gebete und Wünsche der Gläubigen stehen, die mit dem Rauch zu den Göttern getragen werden.

Am Altar werden Opfergaben in Form von Blumen, Obst, Getränken, oder auch ganzen Mahlzeiten, dargelegt. Damit sollen die Seelen der Toten ernährt und die Götter besänftigt werden. Beim Beten werden vor allen wichtigen Göttern im Tempel jeweils drei Räucherstäbchen mit einer dreifachen Verbeugung und Gebet abgelegt.

Der bekannteste taoistische und gleichzeitig älteste Tempel in Hong Kong, der Man Mo-Tempel in der Hollywood Road, steht für die Verehrung des zivilen oder literarischen Gottes Man Tai und des Kampfgottes Mo Tai.

Dieser Tempel wird oft aufgesucht, um für den Erfolg bei anstehenden Prüfungen zu bitten oder um die Beilegung einer Streitigkeit.

Der Wong Tai Sin-Tempel ist ein zweiter wichtiger taoistischer Tempel – vermutlich der meistbesuchte in Hong Kong. Er liegt auf der Kowloonseite im Süden des Lion Rocks. Es finden sich in diesem Tempel Zeichen aus dem Taoismus, dem Buddhismus und dem Konfuzianismus.

Mit der Hoffnung auf die Erfüllung ihrer Wünsche praktizieren die Besucher das sogenannte „Kau Cim”. Sie zünden ein Räucherstäbchen an, gehen vor dem Altar auf die Knie und schütteln einen Zylinder aus Bambusholz, bis ein Glücksstäbchen mit einer Nummer herausfällt. Für diese Nummer erhalten sie einen Zettel mit einer Botschaft, die von einem Wahrsager erläutert wird.

Ca. 100 Tempel sind Tin Hau, der Göttin des Meeres und Schutzpatronin für Seefahrer und Fischer gewidmet. Oft sind es nur kleine Tempel, nicht größer als eine Garage und manchmal auch nur ein bunt geschmückter Schrein.
Neben der Anbetung von Tin Hau finden sich in den Seitenaltären eines Tin Hau-Tempels immer andere Götter. Besucht man den Tempel in Causeway Bay, findet man Seitenaltäre, die z. B. Tsoi San, dem Gott des Reichtums und Kwun Yum, der Göttin der Geburt huldigen, oder dem schwarzgesichtigen Pau Kung, Richter der Unterwelt. Er wird in der Hoffnung angebetet, dass er den Seelen in seiner Fürsorge barmherzig sein wird.

Es gibt noch viele andere Tempel, die Göttern gewidmet sind, deren Geschichte weit zurück in der chinesischen Mythologie liegen.

Stellvertretend sei der Pak Tai-Tempel in Wan Chai genannt. Ein wunderschöner, mit Lotuslaternen geschmückter Tempel, der Pak Tai, einem Kampfgott aus dem Norden gewidmet ist. In Hong Kong wird er als Wassergott angebetet, er soll eine reiche Ernte bescheren und die Versorgung mit Süßwasser gewährleisten.

Neben den taoistisch geprägten Gotteshäusern gibt es auch bedeutende buddhistische Anlagen. Der ungewöhnlichste Tempel Hong Kongs ist der Tempel der Zehntausend Buddhas in Shatin, der auf einem Hügel liegt. Die Wände dieses Tempels sind mit etwa 12.800 Buddhas geschmückt, die von Gläubigen gespendet wurden und an denen zwölf Handwerker zehn Jahre lang gearbeitet haben. 431 steile Stufen führen zum Tempel hinauf, der Weg ist gesäumt von vielen goldenen lebensgroßen Buddhastatuen mit unterschiedlichsten Ausdrucksweisen.

Auf der Insel Lantau befindet sich das buddhistische Po Lin-Kloster mit dem Tian Tan Buddha (Big Buddha), einem der größten sitzenden Buddhas weltweit. Das Ling To-Kloster zählt zu den drei wichtigsten buddhistischen Klöstern Hong Kongs.

Gelebte Religion kann man in hier an fast jedem Haus oder in jedem Laden entdecken. Am Hausaltar, werden jeden Tag Räucherstäbchen verbrannt und ein Glas Wasser, eine Orange oder andere Opfergaben dargebracht. Gerne sieht man die drei Götter, deren Gaben aus Glück (Fu), Wohlstand (Lu) und Langlebigkeit (Shou) bestehen.

Lust bekommen? Dann viel Spaß bei eurem Streifzug durch die faszinierende Welt der Religionen Hong Kongs.

sk

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