Die Teewurst muss mit

Seit August ist Dieter Lamlé neuer deutscher Generalkonsul in Hong Kong. Nach zahlreichen Stationen im Ausland – Ruanda, wo er seine Frau kennenlernte, die dort in der Entwicklungshilfe als Ärztin tätig war, Jakarta, bei den Vereinten Nationen in New York City und Lima – war der 57-Jährige die letzten neun Jahre in Berlin. Dort leitete er unter anderem das Menschenrechtsreferat im Auswärtigen Amt, war Protokollchef des Landes Berlin und Regionalbeauftragter für Lateinamerika und die Karibik.

inHK: Wenn Sie als Diplomat ins „Feld“ müssen, dürfen Sie Wunschziele äußern. Warum stand Hong Kong auf Ihrer Liste?
Lamlé: Ich habe Hong Kong im Jahr 1996 für ein verlängertes Wochenende besucht, als ich damals in Jakarta auf Posten war. Mich hat die Stadt total fasziniert, die Hochhäuser, das Meer, die Menschen, die Dynamik, das Essen, die Farben, eigentlich alles. Damals reifte bei mir der Wunsch, eines Tages in Hong Kong auch zu arbeiten. Vor 21 Jahren erschien dieser Wunsch wie eine nie erreichbare Vision. Jetzt hatte ich Glück und das Auswärtige Amt hat mich hierher versetzt. Meine Frau und ich kommen sehr gerne, einen ersten sehr positiven Eindruck konnten wir schon gewinnen, als wir Ende Mai für eine knappe Woche hier waren. Unsere vier Kinder bleiben zwar wegen ihres Studiums in Deutschland, aber ich bin sicher, dass sie uns oft besuchen kommen.

inHK: Was erwarten Sie von Ihrer Zeit in Hong Kong?
Lamlé: Hong Kong ist, wie Berlin auch, the “place to be”. Es gilt, die Dynamik dieser Stadt zu nutzen, die unterschiedlichen Mentalitäten und geistigen Strömungen aufzufangen. In vielen Bereichen wird in Hong Kong Zukunft gedacht. Gleichzeitig werden hier chinesische Traditionen gelebt und gepflegt. Für mich hat China, seine lange Geschichte, seine Kultur, seine Traditionen, seine Medizin, die Gastfreundschaft seiner Menschen und nicht zuletzt auch seine ausgezeichnete Küche einen besonderen Reiz. Jetzt haben wir die Chance, vieles zu lernen und persönlich zu erfahren, was uns bisher fremd war.

inHK: Haben Sie schon Projekte?
Lamlé: Es ist natürlich noch etwas früh, um jetzt schon neue Projekte zu definieren. Es geht in erster Linie um deutsche Interessen in Hong Kong, und die sind vielfältig. Im politischen Feld stehen uns sicherlich spannende Jahre ins Haus. Für die in Hong Kong stark repräsentierte deutsche Wirtschaft wird meine Tür immer offen stehen, um sie dort zu unterstützen, wo politische Flankierung erforderlich ist. Außerdem werden für mich kulturelle Fragen und die Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich im Vordergrund stehen. Ich möchte vor allem auch wichtige Akteure miteinander vernetzen und Brücken dort bauen, wo sie notwendig sind.

inHK: Wo sehen Sie in Zukunft die größten Herausforderungen für die Beziehungen Deutschlands mit China?
Lamlé: In weltpolitischer Hinsicht erleben wir gerade Zeiten dramatischer Umbrüche; die Welt gerät immer mehr aus den Fugen. Die Krisen dominieren zurzeit die weltpolitische Agenda, keine Region ist davon ausgenommen. Viele Fragen suchen heute neue Antworten. Alte Allianzen stehen plötzlich auf dem Prüfstand. Freihandel oder Protektionismus? Brexit! Stärkung der EU? Kampf gegen Terrorismus, Klimawandel, Migration – das sind Herausforderungen, die uns alle betreffen. Und auch in dieser Region gibt es wichtige und drängende Fragen, die im weltpolitischen Kontext eine große Rolle spielen. Vor einem solchen Szenario die nächsten Jahre in China zu verbringen und die Politik dort hautnah zu erleben, könnte kaum spannender sein.

inHK: Was vermissen Sie von Berlin am meisten?
Lamlé: Das Leben in unserem Charlottenburger Kiez, die sommerlichen Abende im Freien an der Spree und die Berliner Gemütlichkeit.

inHK: Was haben Sie nicht in Ihrem Koffer gepackt?
Lamlé: Heimweh.

inHK: Was musste unbedingt ins Reisegepäck?
Lamlé: Bücher über Hong Kong und China und ein Paket Schwarzbrot mit Teewurst.

sba

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