Die Kraft des Yoga

Am 21. Juni war Weltyogatag. Mit diesem Tag wird der Bedeutung von Yoga als ganzheitlicher Ansatz zur physischen und psychischen Gesundheit Rechnung getragen. Yoga ist ein Lebensstil, der das gesamte Wohlbefinden verbessern kann. Es geht nicht darum, mit anderen in Wettstreit zu treten oder sich zu einer möglichst komplizierten Pose verknoten zu können. Aber was genau ist Yoga eigentlich?

Die Geschichte des Yoga reicht weit zurück, denn es wurde bereits vor mehr als 5000 Jahren von den Heiligen und Weisen Indiens entwickelt und praktiziert. In seiner ursprünglichen Form stellt es einen Pfad zur Erleuchtung dar. Yoga kann als Hilfsmittel gesehen werden, Körper, Geist und Seele zu einer Einheit werden zu lassen.

Viele Menschen aus westlichen Ländern praktizieren Yoga aufgrund körperlicher Aspekte, z. B. um fitter zu werden oder etwas gegen bereits vorhandene Beschwerden zu tun. Yoga findet allerdings nicht ausschließlich auf der Matte statt, es handelt sich vielmehr um eine Lebensphilosophie. Ähnlich wie in Religionen gibt es Gebote, nach denen man versucht zu leben: „Yamas“ beziehen sich auf den Umgang mit unserer Umwelt und den Mitmenschen, wohingegen „Niyamas“ Richtlinien für den Umgang mit uns selbst sind. „Ahimsa“, das gewaltfreie Miteinander, ist ein wichtiges Beispiel einer Yama.

Eine hochmoderne Stadt wie Hong Kong bietet auf der einen Seite unzählige Möglichkeiten, kann aber mit ihren immer dicht gedrängten Gehwegen, Lärm und Schnelligkeit auch zu einer Herausforderung werden. Yoga ist ein Weg, Stress zu reduzieren, bewusst in seinen eigenen Körper hinein zu hören und ihm wieder mehr Achtsamkeit zu schenken.

Einige Sportarten erhöhen zwar die Fitness, können den Körper aber auch einseitig belasten, was auf lange Sicht zu Komplikationen wie z. B. Arthritis und Verletzungen führen kann. Richtig praktiziert trainiert Yoga den ganzen Körper ausgewogen und verbessert den Gesundheitszustand. Positive Effekte auf den Körper sind beispielsweise die Kräftigung der Muskulatur, Stärkung und Dehnung des Bindegewebes und Erhöhung der Blutzirkulation. Schafft man das erste Mal eine schwierige Pose, erhöht das außerdem automatisch das Selbstbewusstsein, was sich wiederum positiv im Alltag auswirkt.

Gute Gründe also, mit Yoga zu beginnen. Um von den Benefits profitieren zu können, ist es wichtig, den für sich passenden Yogastil zu finden. Inzwischen gibt es unzählige Richtungen. Man sollte ruhig verschiedene Schulen, Stile und Lehrer ausprobieren. Da die Vielfalt für Anfänger aber verwirrend sein kann, hier eine kleine Übersicht einiger bekannter Yogastile und was sich dahinter verbirgt:

Aerial Yoga

Die Asanas (Posen) werden in einem von der Decke hängenden, elastischen Trapeztuch ausgeführt. Dadurch verringert sich die Belastung auf Gelenke und Wirbelsäule. Außerdem hilft es, die Bauchmuskulatur und den Oberkörper zu stärken.

Alignment

Der Fokus liegt auf der korrekten Ausrichtung des Körpers in den Yogastellungen.

Ashtanga Yoga (Achtgliedriges Yoga)

Sri Krishna Pattabhi Jois entwickelte diese kraftvolle Form des Vinyasa Yoga. Vorgegebene dynamische und temporeiche Reihen werden synchron zur Atmung ausgeführt. Das intensive Training erhöht die Körpertemperatur und wirkt entgiftend.

Hatha Yoga

Überbegriff für körperbezogenes Yoga (Körper-, Atem- und Entspannungsübungen).

Hot Yoga

Wird in einem beheiztem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit praktiziert. Es ist ein sehr sportliches, forderndes und schweißtreibendes Yoga, das die physische Körperkraft und Flexibilität verbessern, sowie den Körper entgiften soll.

Vinyasa Yoga (oder Flow Yoga)

Ist ein dynamischer Yogastil, bei dem der Fokus auf einer fließenden Verbindung der Asanas, bewusster Wahrnehmung der Atmung und gesteigertem Tempo liegt. Der Vinyasa Flow erzeugt Hitze und ist meist eine mehrmals wiederholte Abfolge aus den Asanas „Brett“, „Chaturanga“ und „nach oben schauender Hund“.

Yin Yoga

Yin Yoga ist ein ruhiger Stil. Die Asanas werden so passiv wie möglich über einen Zeitraum von mehreren Minuten gehalten. Die Dehnung erreicht tiefere Körperschichten und löst auf sanfte Art und Weise verklebte Faszien.

Yogalates

Kombination aus Yoga und Pilates. Der Fokus liegt auf einer Stärkung der Körpermitte und verbesserter Körperhaltung.

Yoga Nidra

Auch unter dem Begriff „Schlafyoga“ bekannt, ist es eine bewährte Technik der Tiefenentspannung. Unter Anleitung konzentriert man sich auf verschiedene Körperteile und entspannt diese. Yoga Nidra fördert Klarheit, Entspannung, Ruhe und Gelassenheit.

Auch wenn es manchmal ein paar Anläufe braucht, irgendwann findet jeder die für sich passende Variante. Und hier noch ein paar Tipps, die den Einstieg erleichtern:

Man braucht nicht viel, um mit Yoga loszulegen: bequeme Kleidung und eine Yogamatte (wird meist vom Studio gestellt) reichen aus.

Unbedingt mit einem Lehrer anfangen, um Überforderung oder Verletzungen zu vermeiden.

Generell gilt: Zwei Stunden vor dem Üben nichts essen, aber viel trinken.

In der ersten Stunde sollte man sich dem Lehrer vorstellen, ihn über eventuelle körperliche Beschwerden oder Verletzungen informieren und darauf hinweisen, dass man Anfänger ist.

Bloß nichts erzwingen: Ist eine Asana schmerzhaft oder erzeugt Schwindel sollte man damit aufhören.

Regelmäßiges Training ist wichtig: Einmal in der Woche ist gut, übt man aber dreimal die Woche, wird man schnell Veränderungen spüren. Übertreiben sollte man es, gerade als Anfänger, allerdings auch nicht: Jeden Tag zwei Klassen sind definitiv zu viel.

Viel Spaß beim Ausprobieren. Namaste!

Tanja Dallner

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