Die Deutsche Seemannsmission in Hong Kong feiert ihr 25-jähriges Bestehen

Seit 130 Jahren ist die Deutsche Seemannsmission im In- und Ausland tätig und in 35 Häfen der Welt präsent. Um sicherzustellen, dass Seeleute überall Ansprechpartner finden, haben sich die christlichen Missionen aus verschiedenen Ländern zusammengeschlossen und können so weltweit in 526 Häfen Seeleute betreuen.

Ein Gespräch mit Martina Platte, seit 24 Jahren Leiterin der Deutschen Seemannsmission in Hong Kong.

inhk: Was sind die Aufgaben einer Seemannsmission, wie sieht ein typischer Tag aus?

Martina Platte: An einem typischen Tag machen wir Besuche an Bord. Das kann man sich so ähnlich wie Hausbesuche vorstellen. Wir treffen Seeleute aller möglichen Nationen. Zurzeit viele Osteuropäer, Philippinos, Burmesen, Leute aus Sri Lanka und natürlich unsere deutschen „Stammkunden“. Bei einer Tasse Kaffee wird dann über Gott und die Welt geredet, das Erlebte von Bord erzählt und natürlich kommt auch das eine oder andere Problem zur Sprache. Am Abend sitzen wir meistens mit den Seeleuten, die in den Club kommen, zusammen.

inhk: Was ist das Besondere an einem so großen Hafen wie Hong Kong?

Martina: Der schnelle Turnover. Die Liegezeiten sind sehr, sehr kurz. 4–14 Stunden. In der Regel weniger als 10 Stunden. Wenn das dann auch noch in der Nacht ist, bleiben die Seeleute unbesucht. Schiffe müssen oft warten, bis ein Liegeplatz frei wird.

inhk: Kümmerst du dich nur um Schiffe, die unter deutscher Flagge ankommen?

Martina: Nein. Aber hauptsächlich um Seeleute auf Schiffen deutscher Eigner bzw. unter deutschem Management. Die machen meistens auch den Großteil der Schiffe am Terminal aus.

inhk: Mit welchen Problemen kommen die Seeleute zu dir?

Martina: Familienprobleme, interkulturelle Probleme, Hierachieprobleme, Arbeitsbelastung, Entfremdung und soziale Probleme sind die groben Kategorien. Aber auch ganz praktische Sachen wie zu wenig zu essen an Bord (auch bei deutschen Firmen) kommen vor. Da ist dann Improvisation und Organisation gefragt. Relativ häufig kümmern wir uns auch um Seeleute, die wegen Unfällen an Bord oder schwererer Erkrankungen hier im Krankenhaus sind. Vor allem, wenn Familienangehörige über einen längeren Zeitraum nicht hierher kommen, ist es sehr zeit- und kraftaufwendig.

inhk: Über welche Einrichtungen verfügt die Deutsche Seemannsmission?

Martina: In Hong Kong haben wir im Mariners’ Club in Kwai Chung unser Büro und kümmern uns um die diversen Anliegen der Seeleute hier im Haus.

inhk: Welche Leistungen werden von den Seeleuten am meisten genutzt?

Martina: Gespräche werden immer gesucht. Einfach mal mit jemandem reden können, der nicht zur Crew gehört, ist schon etwas Besonderes. Kommunikation mit der Familie und Freunden zu Hause ist auch immer ein Thema. Deshalb wird das kostenlose WiFi hier im Haus auch gerne und häufig genutzt. An Bord gibt es in der Regel kein Internet. Einkaufstrips, kleine Ausflüge und Sightseeing sind auch beliebt, aber wegen der begrenzten Zeit nicht immer durchführbar.

inhk: Wie finanziert sich die Deutsche Seemannsmission?

Martina: Die Deutsche Seemannsmission ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Bremen und Teil der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die EKD gibt einen relativ kleinen Zuschuss. Reedereispenden und private Spenden kommen in Deutschland noch dazu. Davon können unsere Gehälter bezahlt werden. Alle Ausgaben der Auslandsstellen sollen selbst erwirtschaftet werden, was in Hong Kong wirklich schwierig ist, da wir keine regelmäßigen Einnahmen haben und auf Spenden angewiesen sind. Unsere Kreativität und Zeit reicht hier oft nicht aus, Interesse an unserer Arbeit zu wecken, obwohl etwas mehr finanzielle Freiheit dringend nötig wäre.

inhk: Ist es schwierig, freiwillige Helfer zu finden?

Martina: Ja, durch die hohe Fluktuation der Expats ist es schon relativ schwierig. Außerdem muss man bei uns auch etwas flexibel sein, weil Schiffe nicht immer pünktlich kommen. Vor allem in der Taifun-Saison und im Winter, wenn viel schlechtes Wetter auf See ist. Das ist nicht immer ganz einfach.

inhk: Inwiefern hat sich die Arbeit in den letzten 25 Jahren verändert?

Martina: Das Terminal ist größer geworden, die Schiffe sind größer geworden. Die Anzahl der Menschen an Bord ist aber gleich geblieben. Es ist schwieriger geworden, ruhige Nischen für ein persönliches Gespräch zu finden.

inhk: Was gefällt dir besonders an deiner Tätigkeit?

Martina: Die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der Menschen an Bord und damit auch die unterschiedlichsten Aufgaben. Dass es kein Bürojob ist. Die Flexibilität und die damit verbundene Freiheit, sich einen Arbeitstag selbst einteilen zu können, auch wenn der fast immer länger als die sogenannte Regelarbeitszeit ist. Trotzdem machen wir unsere Arbeit gerne und versuchen „year round“ da zu sein für „seafarers’ dignity“.

Fleißige Helfer beim Einpacken von Weihnachtsgeschenken gesucht

Jedes Jahr packt die Deutsche Seemannsmission Weihnachtspäckchen für Seeleute. Die Geschenke werden in der Advents- und Weihnachtszeit an Bord gebracht, damit auch auf den Schiffen auf See Weihnachtsstimmung aufkommt. Die Packtermine sind in der ersten Dezemberwoche von 10 Uhr morgens an im Mariners‘ Club, 2 Containerport Rd, Kwai Chung. Bei Fragen bitte an Martina wenden: hongkongdsm@gmail.com

ct

Leave a comment