Das Qipao: Ein prägendes Kleidungsstück der chinesischen Kultur

Als ich vor zwei Monaten in Hong Kong aus dem Flugzeug stieg, sind mir am Flughafen zwei sehr elegant gekleidete Stewardessen aufgefallen, die in einem klassisch-traditionellen Kleid in Richtung ihres Gates liefen.
Im Laufe der Zeit ist mir der einprägsame und auffallende Schnitt immer öfter ins Blickfeld geraten und ich fragte mich, was es mit diesem offensichtlich asiatischen Kleidungsstück auf sich hat.

Die Rede ist hier vom Qipao, auch Cheongsam genannt, welches in der chinesischen Tradition zu verschiedenen Festivitäten ausgeführt wird. Es bedeutet übersetzt „langes Kleid“ und zeichnet sich durch seinen hohen, eng geschlossenen Kragen aus, der durch Schmuckknöpfe und Schlaufenverschlüsse verziert ist.
Die Besonderheit des Qipaos ist, dass es jeder weiblichen Silhouette schmeichelt, wenn es in Länge und Schnitt richtig angefertigt wurde. Die Knopfleiste an der Seite, die das Kleid auf traditionelle Weise verschließt, lässt die natürlichen Bewegungen der Trägerin zu und passt sich damit dem Körper an.
Auch die Stoffwahl spielt beim Qipao eine große Rolle. Das Spiel aus Mustern und verschiedenen Materialien verändert die Optik des Kleidungsstücks. Seide kann z. B. dem Körper durch seinen leichten Schimmer mehr Dimension verleihen und so die weiblichen Kurven hervorheben.

Doch wo hat die chinesische Kleidungstradition ihre Wurzeln? Ursprünglich wurde das Qipao als Kleidungsstück für Mann und Frau entworfen und sollte durch seinen früher kastenartigen, hochgeschlossenen Schnitt die weibliche Silhouette weitgehend verdecken. Der röhrenartige Schnitt ist der Vorläufer des heutigen Qipaos und beruht auf einer Legende aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Wer sich ausführlicher über die Geschichte des Qipaos informieren möchte, findet die Möglichkeit hier.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Qipao durch aufwendige Verzierungen jedoch zu einem Kleidungsstück für besondere Anlässe und wurde durch seine Universalität immer beliebter. In den 20er-Jahren begann das Kleid Inspirationsquelle für viele internationale Designer zu werden, sodass der Trend des Qipao über die Grenzen Chinas hinaus wuchs.
Obwohl der Schnitt des Kragens gleich blieb und das Qipao mit der Zeit immer mehr an die natürlichen Körperformen angeglichen wurde, lässt der traditionelle Schnitt viele Variationen zu.
Das Kleid verfügt über einen Beinschlitz, der je nach Anlass höher oder tiefer gehalten ist und die Beine optisch streckt. Natürlich wird mittlerweile auch mit der Länge des Kleides gespielt, jedoch empfiehlt es sich, für traditionelle Veranstaltungen ein Kleid zu wählen, das mindestens bis zum Knie reicht. Fest steht, dass das Qipao seit den 30er-Jahren ein Kleid für jede Frau ist, die Würde und Kultiviertheit verkörpern möchte.

Wenn man in Hong Kong die Augen offen hält, begegnet man vielen Abwandlungen des Qipao. Besonders beliebt scheinen der seidige Glanz sowie der hohe Kragen zu sein, wie man oft bei der Arbeitskleidung von Hotelangestellten, Servicekräften oder Stewardessen sehen kann. Diese Merkmale werden unwillkürlich mit der Eleganz und Klassik chinesischer Tradition in Verbindung gebracht.

Wer die chinesische Tradition in seinen Kleiderschrank einbinden möchte, dem bietet sich in Hong Kong eine Vielfalt an Möglichkeiten. Eine schöne Variante für den Alltag ist eine Bluse im Qipao-Stil, welche aus dem oberen Teil des Kleides besteht und den klassischen Stehkragen aufweist. Diese ist z. B. bei G.O.D. in SoHo erhältlich. Die Preise variieren je nach Material und beginnen bei ca. 500 HK$.
Steht ein festlicher Anlass bevor, lohnt es sich, selbst mal in ein Qipao zu schlüpfen. Bei Shanghai Tang finden sich wunderschöne, klassische Modelle in gehobener Preisklasse.
Aber auch im Western Market wird man fündig, oder im Ngong Ping Village. Die Preise gehen dort von 1.000 HK$ aufwärts und eine Anprobe vielfältiger Materialien und Schnitte lässt sich wunderbar mit einem Besuch beim Big Buddha verbinden.
Günstige Qipaos von der Stange oder vom Schneider gibt es in der Luohu Shopping Mall in Shenzhen.  

Antonia Bittmann

Leave a comment