Christmas Island

How´d ya like to spend Christmas on Christmas Island? *Bob Dylan (by Dream L´Atarisua)

Wäre das schön: Ein Ort auf der Welt, an dem immer Weihnachten ist! An dem Wunder geschehen. An dem die Menschen, so verschieden ihr Ursprung auch ist, friedlich und gütig mit sich und der Natur leben.

Ein Ort, an dem die Weihnachtsfarbe Rot, die Farbe der Freude, Würde und Liebe, auf natürlichste Art und Weise die Schauplätze verzaubert. Ein Ort, an dem die Facetten des Lebens in schillernden Farben leuchten, Unterwasserwelten Herzen berühren, flauschige Federpracht die Handflächen kitzelt und die Freiheit mit jedem Atemzug und Flügelschlag ihre Gültigkeit verkündet.

Ein bisschen so ist es auf der Weihnachtsinsel, der australischen Christmas Island im Indischen Ozean. Während die Strände und Orte in weiter Ferne unter der Last des Tourismus ächzen, gibt sich das Naturparadies 2.000 km von Perth entfernt unbeeindruckt von dem Schicksal seiner Artgenossen: Lediglich 13 familiär geführte Motels und Lodges bieten Fremden Unterkunft und so scheint es schnell, als wäre man selber einer der nur 1.100 Einwohner. Ob im Christmas Island National Park, der 63% der Insel bedeckt, oder im Ortskern von Flying Fish Cove: Breitwillig und stolz geben die dort lebenden Menschen Auskunft und erzählen am liebsten von ihren Abenteuern mit den Krabben, die sie alljährlich in Atem halten, wenn sie wieder einmal zu Zeugen des Krabben-Marathons werden.

Ein rot-oranges Wunder, bei dem im November die Insel von den Landkrabben farbgebend eingenommen wird. Denn dann ist die Zeit gekommen, zu der die tierischen Landbewohner gen Meer wandern und sich damit großer Gefahren aussetzen, die die Menschen so gering wie möglich zu halten versuchen. Ein jeder, so erzählt Jane von der Christmas Island Tourism Association, sichert Teiche und Pools, stellt Warnschilder aller Art und Größe auf, errichtet Barrikaden und informiert Autofahrer und Gäste der Insel. Ein jeder, lacht Jane dann, stattet sich mit großem Besen aus um der Plage vor den eigenen Mauern Heer zu werden.

Die Gecarcoidea natalis, die Rote Landkrabbe, gibt sich von all dem Rummel jedoch unbeeindruckt. Pünktlich zur Regenzeit verlässt sie ihre bis zu einem Meter langen und 35 Zentimeter tiefen Verstecke im Regenwald. Dann pilgert sie die Strecke von acht Kilometern an die Küste. Ganz genau so, wie sie es über Jahrmillionen geübt hat. Denn die Ankunftszeit steht seit jeher fest: Kurz vor Neumond muss die Reise enden, dann müssen die Weibchen im Meer laichen, ohne dass die Brandungszone ihnen gefährlich wird – genau zu dieser Zeit ist der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser gering.

Die australische Christmas Island, die mit 134 Quadratkilometern ein Drittel mehr Fläche umfasst als Sylt, ist übrigens so benannt, da sie von Seefahrern an Weihnachten entdeckt wurde. Ein Zufall vielleicht, der besondere Zauber und die einmalige Ruhe sind jedoch auffällig allgegenwärtig: Sie sind zu finden unter Wasser, an bunten, einsamen Korallenriffen, sie ziehen vorbei mit Hochseefischen und schwimmen, Flosse an Flosse, mit dem freundlichen Walhai, der sich im Rudel von November bis April vor der Küste der Insel tummelt. Ruhe und Zauber krabbeln am Südsee-Strand von Dolly Beach in der Gestalt von Schildkröten behäbig über den Sand und spitzen schließlich auch hinter Lavafelsen hervor. Sie treiben die 120 Millionen Krabben die Wälder hinunter zum Ozean und ruhen im Schatten des Regenwaldes.

Christmas Island ist ein Naturwunder und braucht nicht die Weihnachtszeit, um einen Besuch zu rechtfertigen. Aber wer könnte Bob Dylan ignorieren, der siegessicher singt: „How´d ya like to spend Christmas / On Christmas Island? How´d ya like to hang a stocking / On a great big coconut tree? / On Christmas Island / Your dreams come true!“

Anreise: 3-4 Mal wöchentlich von Perth aus in 4 Flugstunden erreichbar
Nächstes Landstück: Die 360 km enfernte, indonesische Insel Java
Beste Reisezeit: Ende November – Mitte Dezember
Regenzeit: Ende Dezember – April
Reiseveranstalter: Christmas Island Tourism
Foto: CITA

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