China auf dem Weg zur grünen Supermacht

China galt lange Zeit als weltweit größter Umweltsünder. Doch im Land hat eine grüne Revolution begonnen: Der Staat mobilisiert alles, um den CO-Ausstoß und den Smog zu reduzieren.

Schon heute ist China Weltmeister bei der Installation von erneuerbaren Energien wie Wasserkraft-, Solar- und Windkraftwerken. Dieser Bereich soll bis 2020 deutlich ausgebaut werden. Im neuen 5-Jahres-Plan steht: Für jede Einheit des Bruttoinlandsprodukts soll 2020 nur noch halb so viel CO₂ ausgestoßen werden wie 2005; d. h. gut 15% des Energiebedarfs sollen aus erneuerbaren Energien kommen – knapp doppelt so viel wie heute. Die EU strebt bis dahin 20% an.

Bisherige Maßnahmen
Mit kleinen Dingen fing es 2008 an. Plastiktüten wurden kostenpflichtig (in Hong Kong erst 2015) und wiederverwendbare Chopsticks eingeführt. Auf Einweg-Bambus-Chopsticks kamen 5% Steuern. Haushalte trennten ihren Müll.

2014 entstanden spezielle Schutzzonen im Delta des Perl- und Jangtse-Flusses sowie in der Bohai-Bucht zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes von Frachtschiffen, um damit die Schwefeldioxid-Emissionen bis 2020 um 65% zu vermindern. In diesen Gebieten dürfen Frachtschiffe nur noch Treibstoffe benutzen, deren Gehalt an Schwefeldioxid höchstens 0,5% beträgt. Ab 2017 ist eine Verschärfung der Kontrollen vorgesehen.

Seit 2015 laufen wasserverschmutzende Industrieprojekte aus. Fahrzeuge, die den nationalen Emissionsstandard nicht einhalten, werden verschrottet und Produktionskapazitäten von Eisen, Stahl, Zement und Glas in den Regionen beschnitten. Bei starker Luftverschmutzung werden Fabriken temporär geschlossen und Fahrverbote erteilt. Alle Kohleöfen in den zentralen Bezirken von Peking wurden abgeschafft, im gesamten Stadtgebiet bis 2020. Motorroller mit Verbrennungsmotoren wurden verboten. Schutz der Wasserressourcen, der Landwirtschaft und Schutzmaßnahmen gegen den steigenden Meeresspiegel wurden eingeführt.

Bei der Verwendung von Steinkohle müssen Grenzwerte bezüglich Asche- und Schwefelgehalt beachtet werden. In den Städten sind die einzuhaltenden Grenzwerte strenger als z. B. an den Küstenregionen. Die chinesische Regierung zog damit die Notbremse und verbot auch den Abbau von schmutziger Kohle, die die Grenzwerte von 40% Asche- und 3% Schwefelgehalt überschreitet.
In den kommenden fünf Jahren sollen bei einem derzeitigen Kohleverbrauch von 4 Milliarden Tonnen pro Jahr Einsparungen von jeweils 50 Millionen Tonnen Rohkohle jährlich erfolgen.
In Tianjin wird demnächst Chinas erstes emissionsfreies Kohlekraftwerk ans Netz gehen.

Ein neues Umweltschutzgesetz wurde ebenfalls 2015 erlassen. Es enthält grundlegende Änderungen im Hinblick auf erhöhte Strafen für Umweltsünder. Umweltprüfungen von Bauvorhaben wurden ergänzt.
Die Regierung will landwirtschaftliche Betriebe reformieren und schärfer kontrollieren, was Bauern auf ihre Felder spritzen, um Lebensmittelsicherheit zu garantieren.
Ein Vorhersagesystem für Luftqualität in Großstädten wurde eingeführt. Prognosen können in 32 Städten auf einer Internetseite eingesehen werden und eine App bietet Vorhersagen der Verschmutzungswerte für einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden an.

Kohle gibt es in China zur Genüge, über Erdölvorkommen hingegen verfügt das Land nicht. Deshalb setzt China auf elektrische Mobilität. Der Benzinverbrauch von Autos soll reduziert und die Verbreitung elektrischer Autos gefördert werden. Die Regierung will den Schadstoffausstoß jeder Provinz überwachen. Bereits heute gibt es 100 Millionen Elektroroller und vor fast jedem Wohnblock Steckdosen.
Die noch junge chinesische Autoindustrie setzte von Beginn an auf Elektroautos. In Peking existieren bereits tankstellenähnliche Ladestationen. Bis 2020 soll es mehr als fünf Millionen Elektroautos geben.

Seit Anfang 2016 gibt es Richtlinien zur Recyclingtechnologie von Batterien für Elektrofahrzeuge. Kontrollen bei der Batterieproduktion sollen verstärkt werden und die Recyclingquote von gebrauchten Batterien bis 2017 auf 90% ansteigen. Bis 2020 soll ein landesweites Recyclingsystem aufgebaut werden.

Chinas erneuerbare Energien 

Hydroenergie, der Strom aus Wasserkraft – China meldet Weltrekord
Der Drei Schluchten-Staudamm hat 2014 mit knapp 100 Milliarden kWh so viel Energie aus Wasserkraft erzeugt wie noch keine Anlage zuvor.
Die 32 Turbinen des Staudamms haben zusammengenommen eine Kapazität von 22,5 Millionen kW – ein Drittel mehr als der von Brasilien und Paraguay betriebene Itaipu-Staudamm am Paraná-Fluss und so viel wie rund 15 moderne Atomreaktoren.

Solarenergie
Solarbetriebene Boiler liefern warmes Wasser. Sauber und ohne CO₂-Emissionen. Mehr als 30 Millionen chinesische Haushalte setzen bereits auf die Sonnenwärme vom eigenen Dach. Seit 2016 fahren in Changzhou, Provinz Jiangsu, 25 Busse mit Solarenergie und Gas.
In der Inneren Mongolei soll bis 2020 der größte Solarpark der Welt entstehen. Die 2.000-MW-Anlage wird Strom für drei Millionen Menschen produzieren.

2013 entfiel rund ein Drittel des weltweiten Fotovoltaikzubaus auf China. Die Rekordinstallation von FV-Anlagen mit 13–14 GW ist mehr, als jemals ein Land in einem einzigen Jahr schaffte – China löste damit Deutschland als größten Fotovoltaikmarkt ab.

Windenergie
Im Nordwesten des Landes soll binnen der nächsten acht Jahre der weltweit größte Windpark entstehen. Windräder sollen 20 GW erzeugen. Das entspricht ungefähr der Leistung aller Atomkraftwerke, die in Deutschland vor der Fukushima-Katastrophe in Betrieb waren.
Schon heute ist China mit über 60 GW installierter Leistung der größte Windstromproduzent der Welt – in Deutschland sind es 29, in den USA 47 GW. Forscher haben anhand von meteorologischen Daten ausgerechnet, dass in China genug Wind weht, um das gesamte Land mit Windstrom zu versorgen – sogar dann, wenn die 1,3 Milliarden Chinesen doppelt so viel Strom verbrauchen wie heute, was laut Prognosen 2030 der Fall sein wird.

Energieerzeugung aus Biomasse
Chinas erstes Biomassekraftwerk zur direkten Stromerzeugung wurde Ende 2006 in der Provinz Shandong in Betrieb genommen. Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wurden mehr als 260 neue Biomasseprojekte abgeschlossen.
Haupt-Biomasse-Ressourcen des Landes sind landwirtschaftliche Abfälle, Rückstände aus der Forstwirtschaft, Industrie- und Haushaltsabfälle sowie organische Materialien wie Hühnermist.
Derzeit werden jedoch nur etwa 5% des Gesamtpotenzials genutzt. Forscher schätzen, würden alle zur Verfügung stehenden Biomasse-Rohstoffe in China verwendet, könnte ein Energieäquivalent von 1,2 Milliarden Tonnen Kohle erreicht werden, mehr als der gesamte jährliche Energieverbrauch des ganzen Landes.
Zusätzlich zum Erneuerbare-Energien-Gesetz leitete die Regierung eine weitere Gesetzgebung ein, die strengere Normen als vergleichbare, in entwickelten Ländern wie den USA, enthält. Alte und neue Biomassekraftwerke müssen sich an diese Vorschriften halten.

Gezeitenkraftwerke sind Wasserkraftwerke, die die Energie des wechselnden Wasserpegels des Meeres, also des Tidenhubs zwischen Ebbe und Flut, zur Produktion elektrischen Stroms nutzt. Das größte Gezeitenkraftwerk befindet sich in der Provinz Zhejiang. Es wurde 1986 fertiggestellt und hat eine 10-MW-Leistung.

Geothermie ist nach Biomasse und Wasserkraft der dritte erneuerbare Primärenergieträger – noch vor Windkraft und Solarenergie! Erdwärme wird in China seit Ende der 90er genutzt und entwickelt, sodass die Republik 2004 sogar der größte weltweite Nutzer von Erdwärme war.

China macht seine Hausaufgaben!

ct

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