Bilingualität an der GSIS Hong Kong

Ein Gespräch mit Ulrich Weghoff, Schulleiter, und Sophie Burdel, Leiterin des Kindergartens, über die Einführung eines bilingualen Kindergartens.

Die Deutsch-Schweizerische Internationale Schule (GSIS) wurde 1969 gegründet und ist mittlerweile auf 1.300 Schüler gewachsen. Im Herbst feiert die Schule ihr 50-jähriges Jubiläum. Hier werden Schüler in zwei Zweigen (deutsch-international und englisch-international), sieben Schulen (Kindergarten, Vorschule, deutsche und englische Grundschule, deutsche und englische Sekundarstufe plus Wirtschaftskolleg) unter einem Dach auf international anerkannte Abschlüsse vorbereitet. Es wird Bildung in einer erstklassigen und interkulturellen Umgebung geboten.

Die Schule hat zwei Standorte. Der Hauptcampus befindet sich am angesagten Peak – während der Kindergarten, die Grundschule und das Business College in Pok Fu Lam zuhause sind.

inhk: Herr Weghoff, Sie sind Schulleiter an der GSIS und möchten uns heute über Ihr neues Konzept eines zweisprachigen Kindergartens berichten.

Ulrich Weghoff: Ab September bieten wir neben einer ausschließlich deutschsprachigen Kindergartenklasse auch jeweils eine Klasse in deutsch-englisch und deutsch-mandarin an.
Bilingualität steht besonders am deutsch-internationalen Zweig an erster Stelle und ab nächstem Schuljahr bieten wir das auch ab dem Kindergarten an.

inhk: Wie genau funktioniert dieses Konzept und wie wird diese Zweisprachigkeit dann an der weiterführenden Schule fortgesetzt?

Weghoff: In dem neuen bilingualen Kindergarten werden jeweils zwei Sprachen zu 50% gesprochen, geleitet von muttersprachlichen Erzieher*innen. Wir haben das Interesse der Eltern durch eine Studie erfragt und die Nachfrage hat schlussendlich entschieden, eine deutsch-englische und deutsch-mandarin Klasse einzurichten.
Wir haben heute insgesamt 52 Kinder in drei Gruppen im deutschen Kindergarten in Altersgruppen von 2,8–5 Jahren. Mit 15–17 Kindern in einer Klasse können sich die Kindergärtner*innen gut auf ihre Schützlinge konzentrieren. Das Modell ist besonders interessant für internationale Familien / Elternteile, die ihre Kinder ohnehin zweisprachig erziehen. Somit wird aus dem deutschen Dach der Schule ein europäisches oder auch internationales Dach und bietet vielfältige Möglichkeiten für ein neues Klientel.
Das Konzept setzt sich in der Vor- und auch in der Grundschule fort, wobei hier Deutsch die vordergründige Sprache ist. Ab Klasse 5 wird die Bilingualität wieder verstärkt aufgegriffen, wo das Fach Biologie bilingual unterrichtet wird. Ab Klasse 7 kommt Geografie auf Englisch hinzu und ab Klasse 8 bieten wir Geschichte bilingual an. Somit werden drei Fächer im deutschen Zweig bilingual geführt und der deutsch-internationale Zweig ist mindestens so international wie der englisch-internationale Zweig mit jeweils international anerkannten Abschlüssen.

inhk: Ist dieses Konzept einzigartig und wie unterscheidet es sich von anderen Auslandsschulen?

Weghoff: In gewisser Weise ist unser Konzept einzigartig hier in Hong Kong, da wir neben Deutsch und Englisch ja auch noch Mandarin anbieten. Mit Deutschland als größtem Handelspartner Hong Kongs und wachsender Bedeutung Chinas für Deutschland, sind wir unserer sehr internationalen Zielgruppe ein solch interkulturelles Angebot schuldig.
Bilingualität an sich wird aber auch an anderen Auslandsschulen großgeschrieben, führend sind die deutschen Schulen in den USA / Nordamerika.

inhk: Sie sind seit gut einem Jahr in Hong Kong, greifen aber auf eine langjährige Auslandserfahrung zurück. Inwiefern hat Sie das geprägt und wie bringen Sie diese Erfahrungen hier in Hong Kong an der GSIS ein?

Weghoff: Ich habe einige Jahre als Schuldirektor in Singapur und New York verbracht und habe da natürlich Erkenntnisse erworben, die ich hier gerne implementieren möchte. Besonders Singapur hat ein ganz ähnliches Programm und es ist erwiesen, dass bilingualer Unterricht für Kinder ein eindeutiges kognitives Plus darstellt. Leistungen der Kinder, die zweisprachig unterrichtet werden, sind durchweg besser als die ihrer Altersgenossen, nicht nur sprachlich. Wer zweisprachig lernt, kann auch besser rechnen und das hat viele Vorteile. Dies besagt eine neue Studie aus Bayern; der Versuch basiert auf dem Konzept „Lernen in zwei Sprachen“. Dabei findet der Unterricht ab der ersten Klasse mal auf Deutsch und mal auf Englisch statt, wie es zu den Themengebieten passt, ohne Erklärungen und Übersetzungen. Die Kinder lernen die Sprachen ganz natürlich, wie es auch Kinder tun, die zweisprachig erzogen werden. Die Veröffentlichung dieser Studie besagt, dass zweisprachig unterrichtete Schüler gleich gute bis signifikant bessere Ergebnisse in den Fächern Mathematik und Deutsch erzielen. Das ist wirklich beeindruckend und bestärkt das Konzept an unserer Schule in Hong Kong. Alleine im letzten Jahr hatte unser Abiturjahrgang einen Notendurchschnitt von 1,9. Das ist sehr beachtlich.

inhk: Inwiefern vernetzen Sie die beiden Schulzweige? Haben die Schüler der deutsch-internationalen Schule Kontakt zu den Schülern der englisch-internationalen Schule? Gibt es gemeinsame Unterrichtsfächer wie beispielsweise an Begegnungsschulen?

Weghoff: Wir haben hier tatsächlich zwei getrennte Schulsysteme unter einem Dach. Wir bieten jedoch jedes Jahr eine „Discovery Week“ an, mit offenen Angeboten aus beiden Zweigen. Weiterhin gibt es Projektwochen, die systemübergreifend sind und somit können wir allen Schülerinnen und Schülern einen interkulturellen Austausch und ein Miteinander bieten.

inhk: Ist es ein Privileg an einer Schule wie dieser zu arbeiten?

Weghoff: Ganz gewiss. Wir bieten unseren Schülern und Lehrern ein tolles Gesamtpaket: Top Lage mit großartigem Ambiente und bester Ausstattung. Da wird Lernen und Lehren zu einem Privileg.

inhk: Frau Burdel, Sie sind Leiterin der beiden Kindergartenzweige – Deutsch und Englisch. Wie lange sind Sie schon in Hong Kong?

Sophie Burdel: Ich bin seit 2004 Leiterin dieser Institution, ich kann kaum glauben, dass es schon 15 Jahre sind. Von 1997–2002 war ich in Seoul / Korea als Erzieherin. Zwischendurch war ich mal zwei Jahre zuhause in Deutschland.

inhk: Herr Weghoff hat schon einiges vorweggenommen und über das neue bilinguale Kindergartenkonzept, welches ab dem neuen Schuljahr eingeführt wird, erzählt. Das hört sich sehr spannend an, wie sehen Sie dieses neue Konzept?

Burdel: Wir freuen uns natürlich sehr auf die neuen bilingualen Klassen. Nichtsdestotrotz hat es eine gewisse personelle Umstrukturierung erfordert, da wir ja jetzt für jede Klasse zwei muttersprachliche Erzieher benötigen. Nächste Woche ist mein Terminkalender voll, denn es gilt eine Erzieherin einzustellen, die muttersprachlich Mandarin spricht. Für die deutsch-englische Klasse war das nicht so schwer.

inhk: Sind die drei Klassen denn schon ausgebucht? Wie verteilen sich die Anmeldungen für die bilingualen Klassen und die rein deutsche Klasse?

Burdel: Interessanterweise haben wir für alle drei Klassen ca. 15 Anmeldungen, die Verteilung ist sehr gleichmäßig. Wir haben vorab eine Umfrage gemacht, um das Interesse der Eltern zu erfragen, und da war ganz klar das Interesse sehr groß für die beiden bilingualen Klassen, nicht so sehr für die rein deutsche Kindergartenklasse. Aber die Realität sieht dann doch wieder anders aus.

inhk: Als Laie stelle ich mir vor, dass in einer deutschen Kindergartenklasse vorwiegend Kinder aus deutschen Expatfamilien angemeldet sind und somit vorwiegend Deutsch gesprochen wird. Ist das so?

Burdel: Dem ist tatsächlich gar nicht so. Natürlich unterrichten wir auch die Kinder deutscher Expats, aber die meisten Kinder haben einen multikulturellen Background, wo ein Elternteil nicht deutsch ist. Und Deutsch ist nicht immer die erstgesprochene Sprache dieser Kinder. Gerade deshalb freuen wir uns sehr auf das bilinguale System und hoffen, diese Familien in Zukunft mehr unterstützen zu können.

sf

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