Bei „Do-Do-Do“ zurücktreten und bitte: „No Spitting“

Hong Kong ist eine Fundgrube an Hinweisschildern in diversen Lebenslagen.

Hong Kong. Es fängt schon am Flughafen an: Don’t look only at your mobile phone klebt ein schmales grünes Schild an der Rolltreppe. Nicht nur aufs Handy blicken! Das Schild befindet sich unten neben den sich fortlaufend bewegenden Treppen. Denn unten ist dort, wo der Handybenutzer hinschauen würde – aber nicht sollte! Die Sicherheit auf Treppen ist in der ehemaligen britischen Kronkolonie ein wichtiges Anliegen. So gibt es angefangen vom Handy-Gebrauch über die Warnung, nicht mit einem Rollstuhl die Stufen hinunterzufahren, bis hin zur korrekten Fußstellung genaueste Anweisungen. So sollte man still und möglichst nicht zu nah am Rand stehen, fordert ein weiteres Schild und verdeutlicht auf ziemlich drastische Weise, was sonst passiert: Dann rollt der Schuh nämlich in das Maschinenwerk hinein. Also gut, das Handy eingesteckt, die Füße stillgestanden erreichen wir die U-Bahn.

Dort heißt es an den Gleisen: When you hearDING-DONG“, please let passengers exit before boarding.“ Der Zug fährt ein, es ertönt das versprochene „Ding-Dong“, und die Türen öffnen sich. Die Menschen strömen – mittig! – aus dem Zug heraus, während die draußen stehenden Passagiere geduldig seitlich rechts und links warten. Auch dieses Prozedere ist vorgegeben, und zwar durch Pfeile auf dem Boden. Weiße Pfeile markieren den Weg hinein, ein grüner in der Mitte hinaus.

In einer Stadt mit mehr als sieben Millionen Einwohnern ist es essentiell, die Massen zu lenken. Vielerorts gibt es in den unterirdischen Gängen, die U-Bahn-Stationen oder Shopping-Center verbinden, oder auf den Treppen sogar Mittelstreifen auf dem Boden. Auf diese Weise sollen die in unterschiedliche Richtungen laufenden Menschen getrennt und Zusammenstöße sowie Stausituationen in der beständig vorwärts drängenden Stadt vermieden werden. Um die U-Bahn zu einem Abschluss zu bringen: Die verabschiedet sich mit einem Do-Do-Do – was so viel heißt wie „Bitte zurücktreten“, wie ein weiteres Schild informiert: When you hearDO-DO-DO“, please STOP.“

Freundliche Hinweise ordnen das Leben nicht nur downunder. Ein Thema, das in den Straßen und Parks eine bedeutende Rolle spielt, ist das der Sauberkeit. Hong Kong ist anders als viele andere Großstädte ordentlich. Im öffentlichen Nahverkehr darf nicht gegessen oder getrunken werden, Plastiktüten in den Supermärkten gibt es nur gegen Bezahlung und immer öfter wird der Versuch unternommen, den Müll zu trennen.

Ein anderer Grund für die öffentliche Sauberkeit liegt in der SARS-Katastrophe vor zwölf Jahren, als ein sich rasend schnell verbreitendes und in vielen Fällen tödlich wirkendes Virus die Stadt monatelang lahm legte. Die Angst von damals wirkt bis heute kollektiv nach, und so sind in den meisten Aufzügen die Knöpfe mit einer Plastikfolie überklebt. Diese wird regelmäßig ausgewechselt, um die Weitergabe von Keimen und Viren zu minimieren. Auch Geländer etwa im Hong Kong Park werden täglich abgewischt, wie ein Schild beteuert. Der Hygiene-Fimmel hat auch so manchen Taxifahrer erreicht, der seine Fahrgäste mit einem unübersehbar hinter dem Fahrersitz angebrachten Schild Please Keep Clean nebst dem Angebot einer Sanitizer-Flasche zur Desinfektion der Hände empfängt.

Ein Appell speziell an das Mainland – zu dem der Hong Kong-Chinese lieber Distanz hält – sind die gelegentlich anzutreffenden No Spitting-Aufforderungen. Der Chinese spuckt gerne aus, einfach so auf den Boden. Das bitte möchte man in Hong Kong nicht!

Weil es viele Tage gibt, an denen die Stadt hinter einem grauen Regenschleier verborgen ist und nicht alle das Glück haben, über die wenngleich vielfach vorhandenen überdachten Gänge von A nach B zu gelangen, stellt sich die Frage: Wohin mit dem tropfnassen Regenschirm? Die Lösung steht in Form eines Apparates an zahlreichen Eingängen zu Shopping-Centern bereit. Wer Put umbrella in top und pull forward slowly befolgt, erhält einen in einer trockenen Plastiktüte eingewickelten Schirm zurück.

Last but not least zum wohl wichtigsten Symbol der Stadt: Der Tür-zu-Knopf im Aufzug. Der ist so abgewetzt wie sonst kein anderer Knopf der Leiste. In der asiatischen Metropole gilt: Zeit ist Geld, Türen zu und weiter geht’s!

sba

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