Angkor What? Siem Reap, Kambodscha

Siem Reap ist bekannt für die Tempelanlage Angkor Wat, die seit 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Die meisten Touristen kommen nur hierher, um sich die sehr beeindruckenden buddhistischen und hinduistischen Tempel anzusehen. Obwohl sich das wirklich lohnt, haben wir festgestellt, dass die lebhafte Stadt und deren Umgebung viel mehr an Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten zu bieten hat. Nicht zuletzt ist Siem Reap ein Geheimtipp für Foodies. Hier gibt es alles, vom ultra-leckeren und ungewöhnlichen Streetfood bis hin zur Sterneküche.

Ich war auch besonders beeindruckt von der Fülle an Projekten, die sozial benachteiligten und/oder behinderten Kindern und Jugendlichen Ausbildungsmöglichkeiten insbesondere in der Tourismusbranche bieten, oder Unternehmen, die damit werben, ihren Angestellten faire Löhne zu zahlen. Bei vielen Unternehmen ist jedoch kaum nachprüfbar, ob dies wirklich der Fall ist. Bei den Empfehlungen in diesem Bericht handelt es sich jedoch um bekannte und langjährig etablierte Sozialprojekte oder um Betriebe, die wirklich Familienbetriebe sind, bzw. faire Löhne an ihre einheimischen Angestellten zahlen.

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Kulinarische Abenteuer

Ich bin eine Reisende, die besonders an der Kultur eines Landes interessiert ist. Für mich ist es deshalb besonders wichtig, auch die landestypische Küche ausgiebig zu probieren. Die kambodschanische Küche ist zwar in mancher Hinsicht ähnlich wie die der angrenzenden Länder, sie ist aber dennoch sehr einzigartig. Beispielsweise mussten die Menschen in den Bürgerkriegszeiten auf das zurückgreifen, was die Natur hergibt; Insekten waren damals Bestandteil des Speiseplans. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache. Auch ich konnte mich nicht überwinden, Vogelspinnen zu essen, aber die frittierten Heuschrecken mit Chili und Kaffirlimette sind ein sehr schmackhafter, proteinreicher Snack. Allen Bratwurstliebhabern empfehle ich die mit Schweinefleisch und Currypaste gefüllten Frösche.

Eines der ersten Dinge, die wir in Siem Reap unternommen haben, war eine kulinarische Tour mit Siem Reap Food Tours. Das war die perfekte Art und Weise, die Stadt zu erleben und gleichzeitig einen kulinarischen Überblick zu bekommen. Angeboten wird eine Vormittags- und eine Abendtour. Wir haben uns für die Vormittagstour entschlossen, die mit traditionellem Frühstück anfängt. Anschließend wird ein Markt besucht und Streetfood verköstigt und zum Schluss geht es in eines der Dörfer im Angkor-Gelände, wo man sieht, wie traditionell Reiswein und Reisnudeln hergestellt werden. Der Abschluss ist ein Mittagessen, bestehend aus Reisnudelsuppe und als Dessert diverse Früchte und Süßigkeiten.

Nicht nur Vegetariern ist das Peace Café zu empfehlen. Hier handelt es sich nicht nur um ein vegetarisches Restaurant mit Bäckerei, hier werden auch Kochkurse, Yogakurse und sogar ein kostenloser Khmer-Sprachkurs sowie eine Einführung in den Buddhismus mit einem Mönch angeboten. Ein Fairtrade-Laden gehört auch zum Café und rundet das Angebot dieses nachhaltig-sozialen Unternehmens ab. In der Stadt gibt es außerdem ein paar Restaurants, die Ausbildungsprogramme für Jugendliche im Gastgewerbe bieten. Zwei davon, die ich selber ausprobiert habe und als sehr gut einstufen würde, sind das Spoons und das Marum.

Phare, der Kambodschanische Zirkus

Ein weiteres Highlight während unserer Woche in Siem Reap war ein Zirkusbesuch. Phare Ponleu Selpak (PPSA) wurde 1994 von neun jungen kambodschanischen Flüchtlingen gegründet, die nach dem Fall der Khmer Rouge wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. In dem Flüchtlingslager, in dem sie eine Zeit lang wohnten, wurde Kunstunterricht bzw. -therapie angeboten, was ihnen, nach ihrer eigenen Aussage, sehr geholfen hat, mit dem Trauma des Bürgerkriegs umzugehen. Wieder zurück in Kambodscha, gaben sie Straßenkindern zunächst kostenlose Malkurse. Kurze Zeit später eröffneten sie eine Schule mit allgemeinem K 12 System (Kindergarten bis 12. Klasse) und boten professionelle Ausbildungen in den Bereichen Theater, Musik, Tanz, visuelle Medien, Kunst und Zirkusakrobatik an. Sämtlicher Unterricht und die Ausbildungen sind kostenlos. In 2013 wurde das Phare Performing Social Enterprise gegründet, zu dem auch der Zirkus gehört, mit dem Zweck, kambodschanischen Künstlern Arbeitsplätze zu bieten und für die Schule ein zweites finanzielles Standbein neben den Spenden zu schaffen. Der Zirkus bietet eine tägliche Vorstellung abends um 20 Uhr und in den Monaten November bis März zusätzlich eine 17 Uhr Vorstellung an. Es handelt sich um einen reinen Artistenzirkus ohne Tiere. Es ist ein besonderes Erlebnis, sich einen Abend von den fesselnden, komischen und beeindruckenden Performances und von der Livemusik in eine andere Welt entführen zu lassen. Ein paar der Artisten haben es übrigens geschafft, Anstellungen bei Cirque du Soleil zu bekommen.

Happy Ranch Pferdereittouren

Pferdeställe zu finden, die Touren für Touristen anbieten und gleichzeitig nicht nur auf Profit aus sind und ihre Pferde respektvoll und tiergerecht behandeln, ist manchmal schwierig. Die Happy Ranch ist jedoch eine Adresse, die zu empfehlen ist. Beispielsweise gibt es ein striktes Gewichtslimit von 90 kg. Es werden auch Kutschtouren angeboten, bei denen man auch mehr als 90 kg wiegen darf. Die Happy Ranch bietet Ausritte ins ländliche Umland für Kinder und Erwachsene an, die zwischen einer halben und vier Stunden dauern. Die Reittouren sind die perfekte Möglichkeit, etwas vom Alltagsleben der Kambodschaner auf dem Land mitzubekommen und den Trubel der Innenstadt für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Die Guides sind Einheimische mit Englischkenntnissen, die zum Teil selber in den Dörfern um Siem Reap wohnen und einiges über die dortige Landwirtschaft und das Leben erzählen können. Ein besonderes Erlebnis ist es, die Tempelanlagen von Angkor Wat zu Pferde zu erkunden.

Heldenratten

Schattenseiten

Kambodscha ist eines der ärmsten Länder in Südostasien und touristisch noch nicht so sehr erschlossen wie z. B. Thailand. Dies liegt vermutlich an ihrer traurigen Geschichte mit den Roten Khmer, die bis 1998 noch an der Macht waren. Überraschend auffallend war für mich wie freundlich und aufgeschlossen die Menschen in diesem Land sind. Nichtsdestotrotz sollte jedem Reisenden bewusst sein, dass Kambodscha leider eines der Länder Südostasiens ist, in dem es noch viel Kinderprostitution und Kinderarbeit gibt. Organisationen wie die ChildSafe Movement informieren über die Situation und geben Tipps, wie man sich als Tourist verhalten sollte. Beispielsweise ist es wichtig, an bettelnde Kinder weder Geld noch Essen zu geben. In Siem Reap finden sich auch viele Kinder, die den Touristen Postkarten und Souvenirs verkaufen. Ihnen etwas abzukaufen bedeutet, dass sie für ihre Familien zwar Geld verdienen, aber sie dann auch nicht in die Schule geschickt werden. Und der Schritt vom Postkartenverkaufen zum Körperverkaufen ist nicht mehr groß. Auch von Besichtigungen bzw. Spenden an und Volunteering in Waisenhäusern ist dringend abzuraten. In armen Ländern wie Kambodscha hat sich nämlich eine Waisenhausindustrie bzw. -mafia gebildet, die Geld an Kindern verdient, die Schätzungen zufolge, zu 80% nicht mal Waisen sind, sondern von ihren Familien an die Organisationen verkauft wurden. Mehr Infos zum Thema und Tipps, wie man als Tourist ganz einfach etwas für den Kinderschutz tun kann, gibt es bei ChildSafe.

Heike Kluger

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