Ab jetzt keinen Müll mehr!

Ich habe mich mit Fanny Moritz getroffen, der Gründerin und Geschäftsführerin von NO!W No Waste, ein Online-Shop in Hong Kong, der plastikfreie Alternativen für Küche, Bad und Weiteres anbietet. Bei einem eiskalten Cappuccino, stilecht mit Edelstahl – statt Plastikstrohhalm, haben wir uns über ihren Online-Shop und dessen Zukunft unterhalten. Welche Fragen mir da so durch den Kopf gingen, lest ihr nun im Folgenden.

inhk: Was hat dich dazu veranlasst, einen Online-Shop für plastikfreie Produkte in Hong Kong zu eröffnen?

Fanny Moritz: Der Wendepunkt kam, als ich vor zwei Jahren das Buch „Glücklich leben ohne Müll“ von Bea Johnson las. Mir wurde dadurch erst richtig bewusst wie viel Müll wir eigentlich produzieren. Da mir meine Eltern immer beigebracht haben, auf den Energie- oder Wasserverbrauch zu achten, indem sie zu mir sagten „Mach das Licht aus“, „Spare Wasser beim Duschen“ oder „Recycle deinen Müll richtig“; dachte ich, ich mache alles richtig. Doch eigentlich produzierte ich einfach zu viel Müll. Als ich dann über Beas vierköpfige Familie las, die es schaffen, innerhalb eines Jahres nur ein Glas voll Müll zu produzieren, war ich schockiert. Und so kam mir die Idee, in der Stadt Hong Kong, in der ich schon seit sieben Jahren lebe, einen Online-Shop namens NO!W No Waste zu eröffnen.

inhk: Was für Produkte gibt es bei NO!W No Waste zu kaufen?

Fanny: Wir bieten wiederverwendbare Alternativen zu Einweg-Plastik-Produkten an wie: Edelstahlstrohhalme, Bambuszahnbürsten, wiederverwendbare Flaschen, faltbare Kaffeebecher, mit Bienenwachs beschichtete Lebensmittelverpackungen und feste Kosmetik wie Haarshampoo oder Deodorant. Verpackt sind die Produkte dann in Karton, der mit Gemüsetinte bedruckt wird, die natürlich abbaubar ist und dadurch nicht den Erdboden verunreinigt.

inhk: Was würdet ihr sonst noch gerne mit anbieten?

Fanny: Neben dem Online-Geschäft verkaufen wir unsere Produkte noch auf Märkten und Pop-ups in Hong Kong. Des Weiteren konzentrieren wir uns im Moment darauf, mit Firmen, vor allem aber auch Restaurants und Hotels, zusammenzuarbeiten. Denn gerade dort muss eine Veränderung gegen die hohe Lebensmittelverschwendung und den damit verbundenen hohen Plastikmüllanteil stattfinden.

inhk: Wo siehst du dein Geschäft in der Zukunft? Hast du ein bestimmtes Ziel, das du anstrebst?

Fanny: Als Nächstes würde ich mich gerne auch auf den europäischen Markt fokussieren und dort Firmen helfen, plastikfrei und ohne Müll ihr Geschäft zu betreiben. Der europäische Markt ist schon entwickelter, was den Bereich Nachhaltigkeit angeht, sodass man dort bereits tiefer in die Materie einsteigen kann.

inhk: Was machst du noch, um dein Geschäft und deinen plastikfreien Lebensstil in Hong Kong voranzutreiben?

Fanny: Neben den B2C- und B2B-Veranstaltungen halte ich viele Vorträge in Firmen, Non-Profit Unternehmen und Schulen über die plastikfreie Lebensweise, um die Zero Waste-Bewegung an sich in dieser Stadt voranzutreiben und auch, um meine persönlichen Tipps zu teilen (z. B. eigene Herstellung von Kosmetik- und Reinigungsprodukten).

inhk: Kannst du sagen, was du durch dein Online-Geschäft und den Verkauf von plastikfreien Produkten in Hong Kong bewirkt hast?

Fanny: Also allein innerhalb eines Jahres haben wir circa 128.204 Plastikteile davor bewahrt, in unseren Meeren, auf den Mülldeponien oder in der Natur zu enden. Und um euch einen Eindruck zu vermitteln, was das ausgedrückt in Zahlen bedeutet, haben wir zum Beispiel 4.000 Menschen davon überzeugt, eine Bambuszahnbürste statt einer Plastikzahnbürste zu verwenden. Und mehr als 10.000 Flaschen und Becher haben wir verkauft und somit geholfen, dass die Leute statt einer Wegwerf-Plastikflasche eine wiederverwendbare Flasche verwenden.  

Vanessa Kratzer

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