Zu lange nicht unterwegs gewesen!

Dieser Gedanke begleitete uns über den Sommer – und ist vielleicht auch dem einen oder anderen Leser nicht unbekannt. So beschlossen wir, die Feiertage im Oktober zu einer zweiwöchigen Reise durch Vietnam zu nutzen. Wir hatten erzählt bekommen, dass besonders die Region um Hoi An eine Reise wert sei, und entschlossen uns, auch den Norden Vietnams ein wenig zu erkunden. Wir wählten ein etwas ungewöhnliches Format und buchten lediglich einen Hinflug nach Da Nang, den Rückflug aus Hanoi sowie die Unterkunft für die ersten Nächte.

Los ging es mittwochs – der letzte Flug von Hong Kong nach Da Nang gehörte uns. HK Express lässt sich hierfür empfehlen, die Flüge sind günstig und vom Ablauf her reibungslos. Am Flughafen in Vietnam angekommen, warteten trotz der späten Uhrzeit diverse Taxen, sodass der Transfer zu unserer Unterkunft einfach und auch günstig zu bekommen war.

Nach ca. 40 Minuten Fahrt kamen wir an der Hien Hoa Villa an. Diese hatten wir auf TripAdvisor entdeckt und sie erwies sich als absoluter Volltreffer. Ein kleines Guesthouse mit weniger als zehn Zimmern, sehr ordentlich und sauber, superfreundlichen und hilfsbereiten Gastgebern, einem leckeren Frühstück, dem Strand direkt vor der Haustür und zehnminütiger Fahrt ins Zentrum – in jeder Hinsicht absolut zu empfehlen.

Und auch Hoi An wusste direkt zu überzeugen. Wir verbrachten den ersten Tag am Strand – und schafften es hierbei sogar, einen Sonnenbrand zu vermeiden. Abends begannen wir, die Stadt ein wenig zu erkunden – Hoi An ist ein hübsches kleines Städtchen. Auf den größeren Straßen reihen sich kleine, liebevoll gestaltete Bars, Cafés und Restaurants, Boutiquen und Schneidergeschäfte aneinander. Auch ein Blick in kleinere Gassen (bei denen man sich oft fragt: „Darf man hier wirklich durchlaufen?”, die allerdings auch regelmäßig von Mopeds genutzt werden) lohnt sich sehr – hier findet man diverse kleine Restaurants, die einfaches, aber sehr leckeres Essen auf der Karte haben.

Und so vergingen die ersten fünf Nächte unserer Reise wie im Flug. Wir probierten allerlei kulinarische Köstlichkeiten und den berühmten vietnamesischen Kaffee in all seinen Varianten, absolvierten einen der zahlreichen Kochkurse in der Stadt (bei der Auswahl bietet TripAdvisor wiederum einen guten Support), unternahmen einen halbtägigen Ausflug zum Lady Buddha bei Da Nang (einfache Fahrt ca. 45 Minuten, sehr lohnenswert und nicht zu überlaufen), einen Ganztagesausflug auf die vorgelagerte Insel Cu Lao Cham (inkl. Schnorchelerlebnis) und füllten die restliche Zeit mit Entspannung am Strand. Besonders in Erinnerung bleiben hierbei die freundlichen Gastgeber: Wir wurden zum Sommerfest ins Strandrestaurant eingeladen, bei dem es einen großen Tisch voller vietnamesischer Fröhlichkeit (Karaoke spielt hierbei eine elementare Rolle), jede Menge Dosenbier und hausgemachtes Essen gab.

Die zweite Station unserer Reise sollte Hue werden. Hier hatten wir nur eine Nacht eingeplant. Für die 130 km brauchten wir drei Stunden! Die langen Reisezeiten sind definitiv ein Punkt auf der Negativseite. In Vietnam sind viele Nachtbusse unterwegs, in denen man eher liegt als sitzt – anfangs zwar recht gewöhnungsbedürftig, ist das Reisen doch schon nach kurzer Zeit recht komfortabel. Ein hübsches kleines Hotel in der City hatten wir auch entdeckt – im Jade Hotel kümmerte man sich hervorragend um uns und half uns auch bei der weiteren Reiseplanung. Hue war von 1802 bis 1945 die vietnamesische Hauptstadt, und auch wenn das kleine Städtchen in den zwei großen Kriegen relativ stark zerstört wurde, ist die ehemalige Imperial City innerhalb der Stadt bis heute eine der großen Attraktionen. Sie wurde teilweise wieder aufgebaut und ist allemal einen Besuch wert.

Weiter ging es nach Ha Long Bay, allerdings mit einem kurzen Inlandsflug nach Hanoi, von dort mit dem Bus weiter. Obwohl wir ihn erst am Vortag des Transfers gebucht hatten, war der Preis mit gut 40 Euro sehr fair. Die Alternative wäre eine 17-stündige Busfahrt gewesen. Wir verbrachten zwei Nächte in einem gut bewerteten Hostel, sehr basic, dafür gab es hier viele sinnvolle Tipps zur Gestaltung unseres Aufenthaltes. Wir machten einen Ausflug auf einem der zahlreichen Touri-Schiffe – nicht sonderlich ausgefallen, aber doch gut, um möglichst viel an einem einzigen Tag unterzubringen. Nach halbstündiger Fahrt stand der erste Stopp an: Wir sprangen ins Kajak und erkundeten die Höhlen ein wenig auf eigene Faust. Zurück auf dem Schiff ging es zu einigen spektakulären Felsformationen. Von King Kong bis hin zu kämpfenden Hähnen – mit ein wenig Fantasie lassen sich interessante Motive entdecken. Zu guter Letzt stand eine Tropfsteinhöhle auf dem Programm, zwar etwas aggressiv mit LEDs ausgeleuchtet, aber trotzdem einen Besuch wert.

Vor unserer Abreise stand am nächsten Tag noch eine kurze Kletterpartie an – wir erklommen innerhalb von ca. 20 Minuten den in der Stadt gelegenen Bai Tho, auch wenn der Aufstieg etwas versteckt zwischen zwei Hauseingängen lag und erst mal gar nicht so einfach zu finden war.

Nun stand bereits die letzte Station unserer Reise an, wir hatten noch drei Nächte, um Hanoi erkunden zu können. Mit 7,5 Millionen Einwohnern ist die Stadt ähnlich groß wie Hong Kong und könnte doch unterschiedlicher nicht sein. Auch bei grünen Fußgängerampeln sollte man hier aufmerksam in beide Richtungen schauen und dann vorsichtig die Straße überqueren. Hanoi ist in vielerlei Hinsicht zwar recht chaotisch (öffentliche Verkehrsmittel sind quasi nicht verfügbar), aber deswegen nicht weniger liebenswert – an jeder Ecke gibt es für kleines Geld ganz frisches und leckeres Essen und auch an Sehenswürdigkeiten mangelt es nicht. Der Hoan Kiem Lake, das Ho Chi Minh-Mausoleum sowie der Präsidentenpalast oder der jahrhundertealte Temple of Literature sind nur einige Beispiele, warum Hanoi auf jeden Fall bei keinem Vietnambesuch fehlen sollte.

Generell überzeugt das Land durch abwechslungsreiche Landschaften (von tiefem Dschungel über Berge im Norden bis hin zu Strand wird hier alles geboten), wahnsinnig freundliche Menschen und nicht zuletzt durch seine gute Erreichbarkeit von Hong Kong aus.

Holger Jüngling

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