Workout an der Stange

Pole Dance, der Tanz an der Stange, hat sich in den vergangenen Jahren weltweit als Sportart etabliert. Zahlreiche Studios sind nicht nur in Deutschland, sondern auch vermehrt in Hong Kong wie Pilze aus dem Boden geschossen. Immer mehr Frauen und Männer trauen sich für ihren Workout an die Stange.

Exotic oder Contemporary Pole?
Die wohl bekannteste Form des Pole Dance, der sexy Tanz auf high heels, ist in vielen Studios in Hong Kong die gängigste und beliebteste Form. Interessierte sollten nach Exotic Pole-Kursen Ausschau halten. Hohe Plateauschuhe sind in diesen Kursen Pflicht, sie werden teilweise in die Choreografie einbezogen.

Eine weitere, sehr gängige Variante ist die Kombination der oft akrobatischen Pole-Figuren mit zeitgenössischen oder modernen Tanzelementen. Kurse dieser Art werden in Hong Kong meist als Contemporary Pole bezeichnet. Hier wird barfuß oder in dünnen Socken getanzt: Da die Füße bei bestimmten Übergängen oder Figuren über den Boden schleifen, werden so Verletzungen im Training vermieden.

Manche Studios bieten Pole Dance als Kurs oder Workshop in Kombination mit anderen Tanzformen wie z. B. Hip-Hop oder Burlesque an. Lautet die Kursbezeichnung schlicht Pole Dance, empfiehlt es sich, bei der Studioleitung nachzufragen, welcher Stil getanzt wird.

Outfit und Utensilien
Pole Dance ist unter anderem für knappe Outfits bekannt. Tanztechnisch gibt es hierfür einen ganz praktischen Grund: Die Haut bietet grip. Mit ihrer Hilfe hält man sich an der Stange. Das ist am Anfang oft erstmal ungewohnt und unter Umständen schmerzhaft. Die Stellen, an denen Körper und Stange den stärksten Kontakt haben, um den Halt zu sichern, werden als presspoints bezeichnet. Neue presspoints führen gerne mal zu blauen Flecken, die unter Pole-Tänzern liebevoll als pole kisses bezeichnet werden. Der Körper gewöhnt sich meist schnell an die neue Belastung, der Schmerz und die blauen Flecken vergehen.

Wer dazu neigt, bei Anstrengung stark zu schwitzen, wird sog. grip aid benutzen. Es gibt eine Vielzahl an Produkten, die entweder den Schweiß hemmen oder mit Inhaltsstoffen wie Kalk für besseren Halt sorgen.

Viele Trainer empfehlen, im Training Knieschoner zu tragen. Die am Boden ausgeführten Tanzfiguren (floor work) beanspruchen häufig die Knie – die Schoner schützen, ganz besonders bis die Technik korrekt und verinnerlicht ist.

Kraft, Flexibilität und Ausdauer
Viele Pole Dance-Anfänger machen in ihren ersten Stunden die Erfahrung, dass sie vor allem ungewollt an der Stange herunterrutschen, anstatt sich graziös an ihr zu halten. Pole Dance ist weitaus anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick erscheint. Dank der sportlichen Herausforderungen und vielfältigen Anforderungen hat es sich zur angesagten Trendsportart entwickelt. Die erforderliche Technik und Kraft muss schrittweise aufgebaut werden. Trotzdem muss man nicht zwangsweise durchtrainierter Luftakrobat sein, um sich überhaupt in ein Studio zu trauen: Kraft, Flexibilität und Ausdauer werden in einem sachgerecht durchgeführten Training Schritt für Schritt entwickelt. Wer Kraft und Flexibilität jedoch auch auf andere Arten trainiert, wird schneller Fortschritte machen als jemand, der sie von null aufbauen muss.

Die eigene Stange
Oft entwickelt sich Pole Dance schnell zur Sucht. Wer auch zu Hause trainieren möchte, genug Platz und eine stabile Decke hat, kann sich eine eigene Stange kaufen. Qualität sollte hier im Vordergrund stehen, um ungewollte Unfälle zu vermeiden. Etablierte Anbieter bieten Stangen an, die zwischen Boden und Decke festgedreht und nicht angebohrt werden müssen. Es bleibt dann nur noch zu sagen: „Happy poling!“.

Corinna Seidel ist leidenschaftliche Pole-Tänzerin, die sich nebenberuflich zur Trainerin für Anfänger/Mittelstufe hat ausbilden lassen.

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