Museen in Hong Kong, Teil III

Hier kommt eine weitere Fortsetzung unserer Vorstellung der Hong Konger Museenlandschaft. Diesmal stehen wieder die eher kleinen Ausstellungen im Mittelpunkt.

Bergungsarbeiten auf See

Das Löschboot Alexander Grantham, benannt nach dem ehemaligen Gouverneur Hong Kongs, wurde 1953 in Betrieb genommen. Bevor es 2002 wieder außer Dienst gestellt wurde, diente es als Vorzeigesymbol der Hong Konger Feuerwehr. Rettungseinsätze in Hong Kongs Gewässern und entlang der Küsten wurden damit durchgeführt. Angesichts der historischen Bedeutung von Alexander Grantham erwarb das Hong Kong Museum of History das Löschboot für seine Sammlungen und eröffnete 2007 die Fireboat Alexander Grantham Exhibition Gallery. In Form von Multimediaformaten erhalten die Besucher Informationen über die Rettungseinsätze der Marine.

Öffnungszeiten: MO, MI–SO: 10–18 Uhr, freier Eintritt
Quarry Bay Park

Beispiel für nachhaltige Architektur in Hong Kong


Auf dem ehemaligen Gelände der britischen Armee entstand 2005 das Hong Kong Heritage Discovery Centre. Vom Antiquities and Monuments Office wurde ein Teil der noch gut erhaltenen Kasernen restauriert, die heute eine gelungene Mischung aus englischer kolonialer Architektur gepaart mit traditioneller chinesischer Bauweise zeigen. Das Discovery Centre dient als Vorzeigeprojekt, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu fördern. Es beherbergt u. a. Ausstellungsräume, einen Hörsaal und eine Bibliothek. Darüber hinaus werden eine Vielzahl von Führungen, Vorträgen, Workshops, Seminaren und Exkursionen angeboten, um der Öffentlichkeit einen besseren Einblick in Hong Kongs Kulturerbe zu ermöglichen.

Öffnungszeiten: MO–MI, FR: 10–18 Uhr, SA, SO, Feiertage: 10–19 Uhr, freier Eintritt
Haiphong Road, Kowloon Park, TST

ct

Hakka-Architektur


Das Law Uk Folk Museum ist Teil des Hong Kong Museums of History. Das Folk-Museum war ursprünglich ein historisches Dorfhaus, bekannt als Law Uk und steht heute unter Denkmalschutz.
Law Uk ist ein ca. 200 Jahre altes „Village-House“ auf einem 120 Quadratmeter großen Grundstück, es wurde nach dem ehemaligen Eigentümer benannt, dessen Name übersetzt wurde als Law. Das alte Dorfhaus hat eine Eingangshalle mit offenem Lichtschacht und verschafft Zugang zu Schlafgemach, Küche und Hauswirtschaftsraum. Die alte und traditionelle Einrichtung, die hier zu sehen ist, stammt aus dem Hong Kong Museum of History. Das schlichte und bescheidene Dorfhaus ist typisch für die traditionelle heimische Hakka-Architektur und ist der einzige Verbleib dieses Baustils im Bezirk von Chai Wan, einem Denkmal für den Zeitwandel.
Anmerkung der Redaktion: Das Law Uk Folk Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Besonders die Einbindung dieses traditionellen Baustils in die heutige Architektur der Stadt ist sehr skurril und doch sehenswert.

Öffnungszeiten:10–18 Uhr, donnerstags geschlossen, freier Eintritt
14 Kut Shing Street, Chai Wan
MTR-Station: Chai Wan, Exit B 

Sabine Fischer

600-jährige Geschichte der Küstenschutzanlagen


Das Hong Kong Museum of Coastal Defense befindet sich auf der ehemaligen Festung Lei Yue Mun, die vor mehr als 100 Jahren als die gewaltigste Schanze der Stadt erbaut wurde und während der Schlacht von Hong Kong im Jahr 1941 eine wichtige Rolle spielte. Heute hat man die Festung neu belebt, um die 600-jährige Geschichte der Küstenschutzanlagen Hong Kongs zu präsentieren.
Das Museum besteht aus drei Hauptbereichen, dem Empfangsbereich, der Schanze und einem historischen Pfad. Als restauriertes historisches Gebäude mit weitläufigem Außenbereich und phänomenalem Blick sind die Einrichtungen des Museums sorgfältig darauf ausgerichtet, ein Gleichgewicht moderner Architektur und Erhaltung historischer Relikte zu gewährleisten.
Der Ausstellungsbereich des Museums besteht aus einer Dauerausstellungsgalerie zur 600-jährigen Geschichte von Hong Kongs Küstenschutzanlagen und bietet weiterhin Sonderausstellungen zu Themen der Küsten- und Militärgeschichte Hong Kongs und präsentiert historische Relikte.
Anmerkung der Redaktion: Es bedarf eines 15-minütigen Fußmarsches von der Shau Kei Wan MTR-Station. Auch wenn man kein Liebhaber alter Kriegsgeschichten ist, die Architektur des Museums ist dennoch fesselnd und der Ausblick von den oberen Terrassen entschädigt für den weiten Anfahrtsweg.

Öffnungszeiten: März bis Oktober 10–18 Uhr, Oktober bis Februar 10–17 Uhr, donnerstags geschlossen, freier Eintritt
Kostenlose Führungen werden mittwochs, samstags und sonntags angeboten.
175 Tung Hei Road, Shau Kei Wan
MTR-Station: Shau Kei Wan, Exit B2

Sabine Fischer 

Eine archäologische Grabstätte


1955 wurde bei Bauarbeiten mitten in Sham Shui Po ein fast intaktes Grab freigelegt, welches sich als einzige historische Grabstätte der Han-Dynastie (25-220 AD) herausstellte, die jemals in Hong Kong gefunden wurde. Das Grab war bei seiner Entdeckung leer, aber es wird angenommen, dass es für einen chinesischen Offizier gebaut wurde, der einer örtlichen Garnison angehörte.
Die Regierung konservierte das Backsteingrab an seinem ursprünglichen Standort – das Lei Cheng Uk Han Tomb Museum wurde 1957 eröffnet.
Das Monument selbst ist für die Öffentlichkeit aus Gründen der Erhaltung geschlossen, man kann aber durch eine Glasscheibe immer noch einen Blick ins Innere werfen.
In der Ausstellungshalle nebenan sind Grabbeigaben wie Töpfer- und Bronzewaren zu sehen, und dort kann man sich auch über den geschichtlichen Hintergrund der Fundstücke informieren.

Öffnungszeiten: MO–MI, FR–SO: 10–18 Uhr, freier Eintritt
41 Tonkin St, Sham Shui Po
MTR-Station: Cheung Sha Wan, Exit A3

fmc

Nicht-städtische Museen 

Ein Blick in die Zukunft


Der Kulturbezirk West Kowloon liegt direkt an der Hafenfront Hong Kongs und wird zu einem der größten Kulturviertel der Welt ausgebaut. Auf diesem Gelände entsteht auch das M+ Museum – eines der größten Museen der Welt für bildende Kunst, Design, Architektur sowie alle Arten von bewegten Bildern aus Hong Kong, dem Festland, Asien und darüber hinaus. Der Name stammt einfach aus dem Konzept von museum and more. Im nächsten Jahr soll das Museum eröffnet werden.
Als kleinen Vorgeschmack kann man heute schon den M+ Pavillon (eröffnet im Sept. 2016) besuchen, der bereits im Vorfeld der Fertigstellung des M+ Museums kleinere Ausstellungen zeigt. Besucht man den M+Pavillon an einem Werktag, muss man von der MTR-Station aus einen kleineren Fußmarsch durch das weitläufige Baustellengelände in Kauf nehmen, am Wochenende bringt einen der Shuttle Bus bequem ans Ziel.

Öffnungszeiten: MI–SO: 11–18 Uhr, freier Eintritt
MTR-Station: Kowloon, Exit E4 oder E5
Am Wochenende und an Feiertagen gibt es einen kostenlosen Shuttle Service zum M+Pavillon, Abfahrt direkt an der MTR-Station.

fmc

Aktuelle Themen an historischem Ort


Die Asia Society ist (Open Air-)Museum und Veranstaltungsort in einem. Es gibt 13 Organisationen weltweit, sie verstehen sich als Bildungsinstitutionen, die dem Austausch und gegenseitigen Verständnis verpflichtet sind. Die erste Asia Society wurde 1956 von John D. Rockefeller III in New York City gegründet. Den Hong Konger Ableger gibt es seit 1990. Das Gebäude selbst befindet sich an historischem Ort und umfasst vier denkmalgeschützte Gebäude aus der Kolonialzeit, als die Briten hier ihre Sprengstoffproduktion und ihr Munitionslager hatten. Sowohl in den Gebäuden als auch auf dem begrünten Außengelände mit Blick auf den Victoria Habour finden regelmäßig Ausstellungen statt. Daneben gibt es – manchmal mehrmals in der Woche – Vorträge und Filmvorführungen. Nazi-Überlebende erzählen von ihren Erfahrungen, Entwicklungshelfer von ihrer Arbeit, Autoren stellen ihre Bücher vor und Künstler ihre Werke. Wer die Asia Society unterstützen möchte, kann Mitglied werden (2500 HK$ für Familien).

Öffnungszeiten: DI–SO: 11–18 Uhr, am letzten DO im Monat während Ausstellungen bis 20 Uhr, freier Eintritt
9 Justice Drive, The Hong Kong Jockey Club, Former Explosives Magazine, Admiralty

sb

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