Minimales Wohnen

Hong Kong hat ein Platzproblem. Die Stadt besteht zu mehr als 40% aus Naturschutzgebieten. Hier darf nur gewandert, aber nicht gebaut werden. Das, was an Fläche übrig ist, muss also möglichst effizient genutzt werden. Das hat zu einer neuen Form des Wohnens geführt: den Nano-Flats.

Es fehlt an nichts: Das Apartment hat eine Küche, ein Bad mit WC und Dusche, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und sogar einen Balkon. Allerdings verteilen sich diese Räume auf 18 m². Und genau genommen sind es auch nur zwei Räume, die Küche ist eine Küchenzeile, davor passt vielleicht ein Tisch, an dem vier Personen sitzen können, an einer Wand könnte ein schmales Sofa Platz finden. Das Schlafzimmer ist groß genug für ein Bett und ein schmales Regal, und das Bad ist nicht viel breiter als das dort befindliche WC.

Diese Miniapartments sind die neue Antwort auf den weiter steigenden Wohnbedarf vor allem junger Menschen in der Stadt. Die Immobilienfirma JLL geht davon aus, dass zwischen 2017 und 2020 rund 2000 Nano-Flats fertiggestellt werden, rund 500 pro Jahr. Die allermeisten liegen in den New Territories.

Ein Nano-Flat ist etwa 18 m² groß, es gibt aber noch winzigere Apartments, die messen dann so viel wie ein Standardparkplatz in Hong Kong. Im Preis spiegelt sich dieser Minimalismus allerdings nicht wieder. Ende vergangenen Jahres wurde ein voller Block von Miniapartments in Yuen Long im Nordosten der New Territories für jeweils 2,99 Millionen HK$ verkauft, das sind umgerechnet 324.000 Euro. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was eine Eigentumswohnung in vergleichbarer Größe in Deutschlands teuerster Wohnstadt München kosten würde. Die neuen Besitzer konnten sich lediglich über einen Rabatt von 5% freuen.

Wie das Hong Konger Platzproblem sonst gelöst werden könnte? Diese Frage hat sich Bee Breeders, ein Veranstalter von Architekturwettbewerben, gestellt und Architekten weltweit aufgefordert, sich mit der städtebaulichen Zukunft Hong Kongs auseinanderzusetzen. Gewonnen haben die „Towers Within a Tower“ des amerikanischen Architekturbüros Lap Chi Kwong, Alison Von Glinow and Kevin Lamyuktseung. Ihr Entwurf bricht mit der traditionellen Vorstellung vom vertikalen Wohnen. Denn anders als bei „normalen“ Apartments, in denen die Zimmer in der Horizontale nebeneinander liegen, werden hier vorproduzierte Module oder Boxen aus Beton mit verschiedenfarbigen Rahmen aufeinandergestapelt. In den so entstehenden Apartments befindet sich die Küche im ersten Stock, das Wohnzimmer im zweiten, die Schlafzimmer im dritten, das Bad im vierten. Die Vertikalität der Hong Konger Bauweise, diese steil nach oben ragenden, zum Teil extrem schmalen Hochhäuser, spiegelt sich so in den einzelnen Wohneinheiten wider.

Dass die Towers jemals gebaut werden, scheint eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich bis sicher ist dagegen, dass trotz schon jetzt exorbitant hoher Mieten und Kaufpreise diese auch 2018 weiter steigen werden. So erwartet JLL Preiserhöhungen von bis zu 20%.

sb

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