Luftverschmutzung in Hong Kong

53% von Hong Kongs Luftverschmutzung ist hausgemacht: Kohlekraftwerke (auf Lamma Island und hinter dem Castle Peak), extremes Verkehrsaufkommen und Komplettauslastung des Hafens verursachen hohe Emissionswerte. Fabriken in Guangdong und dem Pearl River Delta tragen besonders im Winter durch Nordwestwinde ebenfalls signifikant zu Hong Kongs Luftverschmutzung bei. In den Sommermonaten allerdings geht die Verschmutzung hauptsächlich von Hong Kong selbst aus.

Hong Kongs geografischer Anteil am Pearl River Delta beträgt nur 5%, die Luftverschmutzung aber ist schlimmer als in den Nachbarstädten Shenzhen und Guangzhou.

Luftverunreinigung verursacht Gesundheits- und Umweltprobleme. Typische Luftschadstoffe, die eine direkte Belastung darstellen, sind:

Feinstaubpartikel (PM2,5 / PM10)
Als Feinstaub gelten winzige Partikel bis zu einer Größe von 10 Mikrometern. Ursachen der Schadstoffteilchen sind Dieselruß, Reifenabrieb oder Abgase von Industrie-, Kraftwerks- oder Heizungsanlagen. Teilchen mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser können sich tief in den Bronchien und Lungenbläschen festsetzen oder sogar ins Blut übergehen. Größere Partikel werden nicht direkt eingeatmet, sie werden durch Sedimentation aus der Luft entfernt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine jährliche Feinstaubbelastung von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter gerade noch unbedenklich. Hong Kong liegt laut WHO-Zahlen bei einer jährlichen Durchschnittsbelastung von 21 Mikrogramm. In Peking sind Menschen durchschnittlich 67,7 Mikrogramm Feinstaub ausgesetzt.

Ozon (O)
Im Gegensatz zu anderen Luftschadstoffen wird bodennahes O₃ nicht direkt in die Atmosphäre emittiert, sondern ist ein sekundärer Schadstoff, der durch die Reaktion von Stickstoffdioxid, Kohlenwasserstoff und Sonneneinstrahlung entsteht. Die Sonneneinstrahlung liefert die Energie für die Ozonerzeugung, daher sind hohe Ozonkonzentrationen in der Regel an heißen, sonnigen Sommertagen zu beobachten.
Die jährliche Durchschnittskonzentration von O₃ in Hong Kong ist auf 51 µg/m³ Luft gestiegen, auf die höchste Stufe seit 1999, was auf höhere Temperaturen zurückzuführen ist. Zahlen des Hong Kong Observatory’s bestätigen, dass es letztes Jahr 19% mehr Sonnenstunden gab als im Jahr zuvor und die Temperatur um 1 °C gestiegen ist.
Allerdings besteht laut EU-Richtlinie keine Gefahr für die Gesundheit durch O₃ unter einem Gehalt von 110 µg/m³. Erst ab 200 µg/m³ können Symptome auftreten.

Stickstoffdioxid (NO)
NO₂ ist ein rotbraunes, giftiges, stechend chlorähnlich riechendes Gas. Es verursacht Beeinträchtigungen des Bronchialsystems und entsteht durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern, z. B. im Verkehr, bei industriellen Prozessen und bei der Stromerzeugung. Eingeatmetes NO₂ löst Kopfschmerzen und Schwindel aus, höhere Konzentrationen Atemnot und Lungenödeme.

Schwefeldioxid (SO)
Fossile Brennstoffe beinhalten Spuren von Schwefel, SO₂ entsteht durch deren Verbrennung. Der größte Teil wird von Kraftwerken in die Atmosphäre emittiert, der Beitrag des Verkehrs ist mit der Ausnahme des Schiffsverkehrs gering. SO₂ kann die Gesundheit durch Einwirkung auf das Bronchialsystem beeinflussen. Schweflige Säure ist der Hauptbestandteil des sauren Regens und entsteht aus SO₂ durch chemische Reaktionen in der Atmosphäre.

Kohlenmonoxid (CO)
CO ist ein geruchloses, farb- und geschmackloses Gas, das bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen, einschließlich der Kraftstoffe des Verkehrs, entsteht. CO ist toxisch, reagiert mit dem Hämoglobin des Blutes und reduziert die Fähigkeit des Sauerstofftransportes im Blut.

Ursachen / Maßnahmen
Kohlekraftwerke sind verantwortlich für den Anteil an Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und die Feinstaubpartikel sowie zu 70% für den Ausstoß an Kohlenstoff. Nach Aussage der University of Science and Technology machen sie ca. 50% der Luftverschmutzung aus.

Der zweitgrößte Verursacher ist der Verkehr. Hong Kong hat die höchste Verkehrsdichte der Welt (347 Kraftfahrzeuge pro Kilometer*). Laut Clear the Air erzeugen Autos, Busse und Lastwagen 25% Feinstaub, 25% Stickstoff und 15% Kohlendioxid. Verantwortlich für einen Schadstoffausstoß von 95% sind Lkws. Fahrzeuge, die älter als 15 Jahre sind, stoßen 20 Mal so viel Abgase aus wie neuere.
10.000 dieselbetriebene Lkws sind bereits von den Straßen verschwunden, etliche wurden auf Euro 4-Standard umgestellt. 1.000 Busse wurden umgerüstet und mit Emission verringernden Katalysatoren versehen. Dadurch ist der Ausstoß an SO₂ und CO gesunken, die Emissionswerte von Stickstoffdioxiden allerdings sind um 3% gestiegen. Hier liegen die Durchschnittswerte des letzten Jahres weit über den von der WHO vorgeschriebenen.
* Stand 2016

Die zwei größten Stromerzeuger der Stadt China Light and Power und HK Electric Holdings emittieren täglich mehr als 75.000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft. Bis 2025 sollen beide Firmen 90% ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen beschaffen, bis 2030 100%.

Die Luftverunreinigung durch Schiffsverkehr liegt bei einem Ausstoß von 37% an Stickstoffdioxiden.
Im Juli 2015 wurde von der Regierung das Gesetz erlassen, dass alle Seeschiffe, Fracht- und Kreuzfahrtschiffe eingeschlossen, am Ankerplatz auf schwefelarme Treibstoffe oder LPG wechseln müssen. Das hatte einen sofortigen Effekt, allerdings nur in den Küstengebieten. So wurde das Shenzhen-Hong Kong Office for Marine Emissions and Control im Dezember 2016 um Hilfe gebeten und kontrolliert nun im gesamten Pearl River Delta den Schadstoffausstoß der Schiffe.

Laufende Motoren bei stehenden Kraftfahrzeugen tragen ebenfalls zur Luftverunreinigung bei. Das Verbot, das 2010 erlassen wurde, ist bislang nicht sehr effektiv.

Diese Emissionen können eine Unzahl gesundheitlicher Probleme auslösen, vor allem bei jüngeren und älteren Menschen.

Wie groß ist das Problem?
Die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit werden immer schlimmer. Die Luftqualität wird laut offiziellem Index als ungesund eingestuft. Die University of Hong Kong hat in einer Studie herausgefunden, dass die Luftverschmutzung in Hong Kong dreimal höher ist als in New York und doppelt so hoch wie in London.

Die durchschnittlichen Immissionswerte variieren von mittel bis hoch. Besonders betroffen sind die Regionen Causeway Bay, Central und Mongkok.

Im Januar dieses Jahres gab die Regierung bereits ihre erste Gesundheitswarnung heraus.
Nach Angaben des Environmental Protection Departments mussten Hong Konger im letzten Jahr 44 Tage gesundheitsschädliche Luft einatmen, zweimal so viel wie im Jahr zuvor. Auf den Straßen waren es 55 Tage, an denen die Werte als ungesund eingestuft wurden, 31 Tage mehr als im Jahr 2016. In Causeway Bay war die Luft am schlimmsten. In 69 Tagen stieg der Wert auf über „7“.

Messung der Luftqualität
Das Environmental Protection Department misst die Luftqualität und informiert über Gesundheitswarnungen durch den Air Quality Health Index (AQHI).
AQHI hat eine Skala von 1 bis 10 sowie 10+ und fünf Gesundheitsgefährdungsgruppen von „Low”, „Moderate”, „High”, „Very High” und „Serious”. Gemessen werden alle drei Stunden die Durchschnittswerte von PM2,5 / PM10, O₃, NO₂ und SO₂. Kohlenmonoxidwerte werden nicht erfasst.
aqhi.gov.hk

Alternativ gibt es den World Air Quality Index (AQI), der sich nach den Richtlinien der U.S. Environmental Protection Agency richtet. Hier gibt es sechs Stufen zur Bewertung der Gesundheitsgefährdung, die stündlich aktualisiert werden. Erfasst werden die Werte von PM2,5 / PM10, O₃, NO₂, SO₂ und CO. 0–50 = „Good“, 51–100 = „Moderate“, 101–150 = „Unhealthy for Sensitive Groups“, 151–200 = „Unhealthy“, 201–300 = „Very Unhealthy“, 300+ = „Hazardous“.
aqicn.org

Die Art der Berechnung allerdings unterscheidet sich bei beiden. AQHI berücksichtigt alle Werte, AQI richtet sich nach dem Feinstaubwert PM2,5. D. h., wenn bei AQHI alle anderen Werte gering sind und nur PM2,5 hoch ist, erscheint auf der Skala „Low“ oder „Moderate“. Wenn bei AQI bei den Feinstaubwerten die Zahl 100 bereits überschritten ist, zeigt die Skala „Unhealthy for Sensitive Groups“. Die App Hong Kong Air Quality (HK AQI) bietet AQHI und AQI sowie die Werte von PM2,5, PM10, O₃, NO₂, SO₂ und CO an.

Die Luftverschmutzung in Hong Kong stellt ein großes Problem dar, besonders für Kinder und Menschen, die an Atemwegserkrankungen leiden. Ca. ein Fünftel der Einwohner empfindet die Belastung als so schlimm, dass sie überlegt, die Stadt zu verlassen.

ct

Leave a comment