Kunst ohne Kommerz in der Goethe-Galerie

Seit mehr als 20 Jahren betreibt das Goethe-Institut im Hong Kong Arts Center – der Name ist Programm! – die Goethe-Galerie, die interessanten Künstlern aus Hong Kong und Deutschland die Möglichkeit bietet, ihre Werke zu präsentieren. Lange Zeit war sie fast die einzige Non-Profit-Galerie in Hong Kong. Denn eines war und ist hier immer Mangelware: bezahlbare Ausstellungsfläche.

Fotografie, Design, Medienkunst, Mixed Media – das sind die Schwerpunkte der Goethe-Galerie. Als Ausstellungsfläche dient der 14. Stock inklusive der Black Box. Die fungierte früher als Kino, doch als überall in Hong Kong große Kinos entstanden, geriet die Black Box zur Abstellkammer. Vor ein paar Jahren wurde sie dann als Raum für Video- und Medienkunst zu neuem Leben erweckt.

Die Goethe-Galerie sieht sich vor allem als Forum für junge Künstler. „Wir sind eine der ganz wenigen nicht-kommerziellen Orte, an denen Hong Konger Künstler ihre Werke zum allerersten Mal in einer Solo Show zeigen können“, sagt Goethe-Institutsleiterin Almuth Meyer-Zollitsch. Und für viele war der Auftritt in der Goethe-Galerie die Initialzündung, sie wurden später mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet und sind jetzt in Asien und Europa mit ihrer Kunst unterwegs. Einen Rückblick und Überblick liefert der Katalog „20 Years of Goethe Gallery“, der 35 Hong Konger und ihre Werke vorstellt.

Eine dieser vielversprechenden jungen Künstlerinnen ist Carla Chan, die Anfang des Jahres mit ihrer ersten Solo-Ausstellung in der Goethe-Galerie zu sehen war. Chan wurde 1989 in Hong Kong geboren, doch hier lebt sie nur noch teilweise. Ihre zweite Heimat ist Berlin. „Das ist typisch für die globalisierte Welt, das spricht aber auch dafür, dass es in Berlin Anregung und Möglichkeiten gibt, die hier so nicht vorhanden sind“, sagt Meyer-Zollitsch. Eine dieser Möglichkeiten ist bezahlbarer Raum, den speziell die unabhängige Kunstszene in einer der teuersten Städte der Welt vergeblich sucht. „In Berlin zog Carla Chan zunächst in eine abrissreife große Altbauwohnung und bezahlte die Vermieterin in Kunstwerken.“ Inzwischen ist sie so erfolgreich, dass sie von Galerien und Museen in ganz Europa eingeladen wird.

In den kommenden Monaten will das Goethe-Institut mit wechselnden Ausstellungen eine Brücke bauen zwischen Hong Kong und Deutschland und Hong Konger Künstler, deren Karrieren hier begannen und sich in Berlin und anderswo fortsetzten, zurückholen. Zumindest temporär. Auf Carla Chan folgt Anfang April Isaac Chong Wai, ebenfalls ein gebürtiger Hong Konger, der an der Bauhaus-Universität in Weimar studierte und sich mit Kunstprojekten im öffentlichen Raum befasst: „Future of the Past – Past of the Future. Creating time in public space through performance“ lautet der Titel der Ausstellung, in der künstlerische Aktionen von Chong Wai an historisch wichtigen Orten in Deutschland dokumentiert werden (10.–28. April, Eröffnung: 10. April, 19 Uhr).

Auch der Film findet seinen Platz im Goethe-Institut: Filme über und von Gerhard Richter, Joseph Beuys, Neo Rauch sowie Werner Herzog stehen ebenso auf dem Programm wie sehenswerte Videokunst in der Reihe „Connective Videos Berlin – Hong Kong“. Darüber hinaus wird die Black Box demnächst für eine Performance der besonderen Art genutzt. „Live Art“ heißt das lebendige Kunstwerk, das sich auf Initiative des noch im Bau befindlichen M+-Museums vom 1. –3. Juni im Goethe-Institut abspielen wird – ergänzt durch Künstlergespräche.

Auch mit Festivals arbeitet das Goethe-Institut zusammen. Ganz aktuell, so berichtet Meyer-Zollitsch, sei eine Partnerschaft mit dem Hong Konger IfVA-Medienkunstfestival entstanden, das einmal im Jahr stattfindet und unter anderem einen Wettbewerb für junge Medienkünstler ausschreibt. „Den Gewinner laden wir ein, eine Ausstellung in der Goethe-Galerie zu gestalten und sponsern ihm außerdem eine Reise zur Transmediale, dem Festival für Medienkunst und digitale Kultur in Berlin.“ Ein anderes Festival, bei dem sich das Goethe-Institut engagiert, ist das Hong Kong International Fotofestival im Oktober/November. Die Berliner Fotografin Rebecca Sampson, die sich mit den Lebensbedingungen von foreign domestic helpers in Hong Kong beschäftigt hat, wird ihre Arbeiten in der Goethe-Galerie zeigen und darüber hinaus mit jungen Frauen aus Indonesien und den Philippinen ein eigenes Projekt gestalten.

Deutsche Künstlerinnen und Künstler, die Spannendes für die lokale Szene mitbringen und ihrerseits neue Impulse mitnehmen, kommen aber nicht nur aus Berlin, Leipzig oder Hamburg. Sondern auch aus Hong Kong. Zum Beispiel Cornelia Erdmann, die seit 2006 hier lebt und arbeitet. Multimedia-Installationen und Kunst im öffentlichen Raum sind ihre Hauptfelder, und ihr Lieblingsobjekt ist das Licht. „Inside Configurations“ nennt sich die Ausstellung, die von Cornelia Erdmann in der Goethe-Galerie und Black Box im Mai zu sehen ist (9.–31. Mai, Eröffnung: 9. Mai, 19 Uhr, Workshop mit der Künstlerin: voraussichtlich am 12. Mai, corneliaerdmann.de). Auch die Deutschen Tobias Klein und Max Hattler haben ihren derzeitigen Lebensmittelpunkt in Hong Kong, beide lehren an der zur City University gehörenden School of Creative Media. Diese auf Medienkunst spezialisierte Schule hat enge Verbindungen nach Deutschland: Ihr Gründungsdekan Jeffrey Shaw war Mitbegründer des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medien ZKM. Naheliegend, dass der wiederum deutsche Künstler nach Hong Kong geholt hat. Neben ihrer Lehrtätigkeit verfolgen Tobias Klein und Max Hattler ihre eigenen, höchst innovativen Kunstprojekte. Im nächsten Jahr wird man Tobias Kleins interaktive Medien-Installationen sowie seine ungewöhnlichen 3-D-Objekte und Max Hattlers experimentelle Animationsfilme in Einzelausstellungen in der Goethe-Galerie sehen.

Wer also Lust auf Kunst und Kultur hat, wird im 14. Stock im Hong Kong Arts Center (fast das ganze Jahr über) fündig.

Goethe-Institut
14/F HK Arts Centre
2 Harbour Rd, Wan Chai
Tel.: 2802 0088
info@hongkong.goethe.org

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sb

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