Kendo: Die Mentalität des Kämpfers

Kendo, wörtlich übersetzt „Weg des Schwertes“, ist eine moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfs, wie er von den Samurai praktiziert wurde. Heute ersetzt ein Holzschwert das aus Metall; die Technik und Grundprinzipien der Samurai gelten aber immer noch. In Hong Kong gibt es mehrere Vereine, deren Mitglieder in Sportzentren trainieren. Stefan praktiziert seit zwei Jahren Kendo und gibt uns einen Einblick.

Warum hast du mit Kendo angefangen?
Ich habe einen Kampfsport mit niedrigem Verletzungsrisiko gesucht. Von einem Computerspiel wusste ich seit meiner Kindheit, dass es so etwas mit Kendo gibt. Mir gefiel die Art, wie das Bambusschwert benutzt wird.

Wie viel kostet die Ausrüstung?
Für die ersten Trainingsstunden kauft man erst mal nur ein Bambusschwert, das kostet circa 200 HK$. Wer nach ein paar Wochen am Ball bleibt, kauft sich Hose und Jacke für ungefähr 400 HK$. Wer sich dann sicher ist, weiterzumachen, kauft sich die Rüstung für circa 6.000 HK$.

Warum bleiben Leute nicht dabei?
Manche probieren Kendo aus Neugierde und es gefällt ihnen einfach nicht. Es gibt auch Leute, die gleich in der ersten Stunde die volle Ausrüstung wollen und enttäuscht sind, wenn sie nicht drauf losknüppeln dürfen. Man lernt am Anfang erst mal die Grundtechnik: Das Laufen, die Fußtechnik, die Haltung zum Gegner, das Halten und Verwenden des Bambusschwertes dazu. Das Laufen mit Schwert fühlt sich anfangs ganz anders an als ohne. Erst dann lernt man die Schlagtechniken.

Übt man direkt mit dem Gegner?
Anfangs schlägt man in die Luft, um jederzeit volle Kontrolle über seine Schläge zu haben. Im Gefecht bremst man kurz vor dem Schlag ab, sonst täte es sehr weh und es würde auf einem Turnier nicht als Treffer gelten.

Treffer heißt also nicht, so hart wie möglich zuzuhauen?
Genau. Es gibt eine lange Reihe von festgeschriebenen Kriterien, wann ein Treffer zählt. Neben einer definierten Technik beim Angriff und vorgegebenen Trefferzonen gehört auch die Vorbereitung dazu: Ziel ist es, seinen Gegner geistig zu überwinden, bevor man angreift, um ihn zu entwaffnen oder dort zu treffen, wo er am schlechtesten geschützt ist.

Und wie wird das beurteilt?
Neben Körperhaltung spielen Mimik und Augen eine große Rolle. Weitere Kriterien sind Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen. Die Theorie besagt, dass der Gegner früher oder später angreift, wenn er sich unter Druck gesetzt fühlt. Man erzeugt also so lange Druck, bis der Gegner attackiert.

Was gefällt dir so gut am Kendo?
Ich komme aus dem Breitensport, und im Vergleich dazu ist die Disziplin im Kendo wesentlich höher. Mir gefällt auch, dass Kendo nicht nur Sport, sondern auch Philosophie ist. Demnach kann im Kendo nur gut werden, wer die Grundprinzipien auch auf sein Leben überträgt: Die Mentalität des Kämpfers und der Respekt gegenüber der Waffe sowie den anderen gegenüber.

Was findest du schwierig am Kendo?
Das Schreien, weil meine Stimme nicht so stark ist und ich schnell heiser werde. Schreien unterstützt die Aura des Kämpfers über den gesamten Angriff hinweg. Es zählt die Qualität des Schreis: Laut sein alleine reicht nicht.

Wie oft trainiert man?
In unserem Verein trainieren wir dreimal die Woche zwei bis drei Stunden. Jeder kommt so oft, wie es zeitlich möglich ist.

Was möchtest du Kendointeressierten mitgeben?
Schaut es euch einfach mal auf YouTube an. Das Training ist sehr dynamisch und spannend!
youtube.com
hongkongkendo.com

Corinna Seidel

Leave a comment