Japan mit Kindern

Für die Hong Konger ist Japan eine der beliebtesten Destinationen in Asien. So wollten auch wir uns auf den Weg in das Land der aufgehenden Sonne machen – mit unseren Kindern. Klar, die großen Leute besichtigen gerne Kulturstätten, genießen feine Speisen und schätzen Sauberkeit und Pünktlichkeit. Doch haben zwei Jungs im Alter von acht und zweieinhalb Jahren Spaß in einem Land, in dem die Gesellschaft so überaltert ist, dass mehr Windeln für Erwachsene als für Kinder verkauft werden?

Unsere 12-tägige Reise im April führte uns zuerst nach Kyoto. Die ehemalige Kaiserstadt bietet nicht nur Hunderte von Tempeln und Schreine, sondern auch herrliche Parks und Spazierwege. Einer führte auch am Totoro-Fanshop vorbei: Mein Nachbar Totoro ist der japanische Kinderfilm- und Zeichentrickklassiker und macht zur Einstimmung auf eine Japan-Reise nicht nur Kindern Spaß.

Während unseres Aufenthalts hatten wir riesengroßes Glück und wider Erwarten genau die japanische Kirschblüte Sakura an ihrem Höhepunkt erwischt. Da werden die Decken unter den Kirschbäumen ausgebreitet und die Einheimischen picknicken gesellig in Gruppen. Nicht nur schön anzuschauen, sondern, wir haben es zur Freude der Kinder, den Japanern gleichgetan. Noch glücklicher waren sie im voll automatisierten Sushi-Restaurant, das sich wie Abendessen im Videospiel anfühlte: Das bekannte Running-Sushi wird hier durch eine Oberleitung ergänzt. Auf dieser bringt ein kleiner Transporter Getränke, Sashimis und Eisbecher, die der Gast mittels tischeigenem Touchscreen bestellt. Die gebrauchten Teller wurden in eine Öffnung am Tisch gesteckt und automatisch gezählt.

Weiter nach Hiroshima ging es mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Um es auf den Punkt zu bringen: Nie mehr ICE!

Der Shinkansen fährt auf einem baulich komplett getrennten Hochgeschwindigkeitsnetz. Die Shinkansen-Stationen sind deshalb in einigen Städten wie z. B. in Osaka und Kobe auch nicht am Japan Railways-Hauptbahnhof, sondern haben eigene Bahnhöfe, die den Namenszusatz Shin tragen. So ist Shin-Osaka der Shinkansen-Bahnhof in Osaka. Dank guter Wartung und Technik sorgt diese Konstruktion für eine durchschnittliche Verspätung von unter einer Minute pro Zug. Die Fahrt selbst ist angenehm ruhig und der Komfort groß, während die japanische Landschaft mit bis zu 300 km/h vorbeifliegt.

Mit dem Japan-Railpass, den Touristen vorab im Ausland kaufen müssen, können fast alle japanischen Züge unbegrenzt im festgelegten Zeitraum (eine, zwei oder drei Wochen) benutzt werden. Den Voucher für den Japan-Railpass, der dann erst vor Ort unter Vorlage des Reisepasses umgetauscht werden kann, erhält man in den gängigen Reisebüros wie z. B. Travel Expert.
Kinder zwischen sechs und elf Jahren erhalten einen Kinderpass, jüngere Kinder fahren kostenlos, haben allerdings auch keinen Anspruch auf einen Sitzplatz. Sitzplätze können am Zugschalter für die Shinkansen-Züge kostenlos reserviert werden. Es besteht aber keine Reservierungspflicht und es gibt auch Waggons ohne Reservierung.

Nach der rasanten Fahrt nach Hiroshima stand ein Pflichtbesuch im Peace Memorial Museum auf dem Programm. Dort wird an den Abwurf der Atombombe 1945 erinnert sowie der Opfer gedacht. Ein beeindruckender mahnender Ort, aber nicht geeignet für kleine Kinder. Diese können in der Zeit durch den angrenzenden Peace Memorial Park rennen. Dort findet sich auch der Atomic Bomb Dome, fast das einzige Gebäude, das durch den Abwurf der ersten Atombombe nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Zur Stärkung gibt es dann Okonomiyaki: Herzhafte japanische Pfannkuchen, ein traditionelles Gericht in Hiroshima wie auch in Osaka. Sie werden mithilfe eines Spatels auf einer großen Eisenplatte (dem Teppan) in zahlreichen kleinen Lokalen gebraten.

Hiroshima ist auch ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug auf die unter UNESCO-Weltkulturerbe stehende kleine Insel Miyajima. Nach Ankunft mit der Fähre werden die zahlreichen Touristen von zutraulichen Rehen empfangen, die nicht davor zurückschrecken, Besucher mit Pommestüten zu bedrängen und Beute auf den Proviant zu machen. Ein kurzer Spaziergang führt zu dem als Fotomotiv ausgesprochen beliebten Schinto-Schrein. Wer die ohne Tagestouristen ruhigere Seite der Insel erleben will, sollte eine Übernachtung einplanen. Vielleicht in einem traditionellen Gasthaus, einem Ryokan?

Bevor wir in unserem Ryokan am Fuße des Fuji entspannten, stoppten wir noch in Himeji. Himeji gilt als das schönste Schloss Japans und liegt an der Shinkansen-Strecke zwischen Hiroshima und Osaka, nur einen viertelstündigen Spaziergang vom Bahnhof entfernt. An dieses UNESCO-Weltkulturerbe erinnern sich manche vielleicht aus Shogun oder Der letzte Samurai. Es lässt sich auch von innen bis unters Dach erklimmen, allerdings gibt es dort außer einem Ausblick nichts zu entdecken. Dafür versank es von außen Anfang April in Kirschblüten.

Zur japanischen Kirschblüte Sakura: Diese ist kurz (fünf-zehn Tage), prächtig schön und nicht wirklich planbar. In den Städten und Regionen, die wir bereisten, war die Sakura im vergangenen Jahr 14 Tage eher (Ende März); die aktuellsten Vorhersagen bietet japan-guide.com/sakura.
Es ist jedoch empfehlenswert, möglichst früh zu buchen. Das Frühjahr mit der Chance auf die Kirschblüte, aber auch der Herbst sind – jedenfalls für die japanische Hauptinsel Honschu – die besten Reisezeiten. Unterkünfte, insbesondere in Kyoto, sind früh ausgebucht. Nicht selten bieten Hotels auch nur Zweibett- bzw. Doppelzimmer und keine Familienzimmer.

In Hakone, am Fuße des heiligen Mount Fuji, erwartete uns ein Ryokan mit Onsen. Weder das traditionelle Gasthaus noch ein Bad in der heißen Thermalquelle darf man sich bei einer Japan-Reise entgehen lassen. Und wenn man es kombiniert, dann ist es auch mit Kindern prima möglich.

Angekommen im Ryokan werden erst mal die Schuhe ausgezogen. Unser Zimmer ist vollständig mit Tatamis ausgelegt, in der Mitte steht ein flacher Tisch, auf dem Tee serviert wird. Wir bekommen erklärt, wie wir unseren Yukata anziehen, einen japanischen Hausmantel, den es auch für die Kinder gibt, die sich aber natürlich weigern, ihn anzuziehen. Und dann ab ins Onsen, das für Männer und Frauen getrennt ist. Im herrlich heißen Wasser lässt es sich wunderbar entspannen. Bei der Ankunft haben wir gelernt, dass das Abendessen ab 18 Uhr in unserem Zimmer serviert wird: Zehn Gänge Kaiseki, feinste Speisen in schönen Schalen angerichtet, erwarten uns, dazu Sake. Später wird der Tisch zur Seite gestellt und die Betten dort gemacht. Morgens dann das Ganze rückwärts. Und wer sich keinen gerösteten grünen Tee und gebratenen Fisch zum Frühstück zutraut, der kann auch westliches Frühstück bestellen.

Hakone gilt als guter Ausgangspunkt, um den Mount Fuji zu bestaunen. Wir haben leider kein Glück, das Wahrzeichen Japans in seiner vollen Pracht zu sehen: Zwar zeigt er sich noch früh morgens auf der Webcam, doch kurz drauf ist er wieder in Wolken verhüllt.

Die letzte Etappe unserer Reise führt nach Tokio. Das U-Bahn-Netz ist für Fortgeschrittene, doch mit Google-Maps Routenplaner, der uns die gesamte Reise über gute Dienste geleistet hat, effektiv zu nutzen. Überhaupt ist auch alles auf Englisch ausgeschildert und Englisch sprechender Service überall zu finden.

Einen guten Überblick über Tokio, das sich mehr in die Fläche als in die Höhe erstreckt, bietet der Sky Tree, der höchste Aussichtsturm der Stadt. Unweit davon findet sich der älteste und bedeutendste Tempel Tokios Senso-ji. Zwischen diesem und dem Fluss liegt ein großer Kinderspielplatz mit riesigem Holzparcours. Bei Eiscreme und Flussfahrt zur Tokyo Bay können die vielen Eindrücke erst einmal sacken. Atmosphäre hat der Tsukiji-Fischmarkt, der seine zentrale Lage in der Stadt verlassen soll, aber glücklicherweise noch nicht hat. Dort lässt sich noch mal so richtig gut Sushi schlemmen. Wer Shoppen mag: Die japanischen Kaufhäuser im nahe gelegenen Einkaufsviertel Ginza lassen keine Wünsche offen. Und nicht nur Kinderträume werden in den Spielzeugwarengeschäften (z. B. Hakuhinkan) erfüllt. Der herrliche Ueno-Park beheimatet das Nationalmuseum. Und in Yanaka lässt es sich herrlich durch die schmalen Gassen bummeln. Diese Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt und um nicht nur zu schwärmen: Auch dort sind wir beim Betreten von Restaurants abgewiesen worden, es sei alles reserviert, obwohl sie ganz leer aussahen. Vielleicht war es wirklich so, vielleicht ist man aber doch vereinzelt auch mehr auf die reifere und leisere Kundschaft eingestellt. Wir werden es nicht erfahren, aber gewiss wieder hinreisen!

Von Hong Kong direkt nach Osaka oder Tokio in ca. 4,5 Stunden z. B. mit Hong Kong Airlines, Cathay Pacific oder Japan Airlines.

Silke Bender

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