Jagd auf ein duftendes Holz

Der Baum, dessen Duft Hong Kong seinen Namen gegeben hat, der Incense Tree oder Aquilaria sinensis, ein Balsambaumgewächs, steht kurz vor der Ausrottung. Der Grund: Skrupellose Holzfäller, die an dem Baum viel Geld verdienen. Das harzhaltige Holz im Innern des Stammes, das Adlerholz, gilt in der asiatischen Medizin, Religion und Esoterik als äußerst wertvoll. Aus dem Harz werden Räucherstäbchen, Kugeln für Gebetsbänder, Skulpturen, Kosmetik- und Heilprodukte hergestellt.

Früher wurde der Incense Tree in Hong Kong und im Süden Chinas in großen Mengen auf Plantagen angepflanzt und das Holz dann exportiert. Heutzutage wächst der Baum fast nur noch in der Wildnis, der Bedarf aber ist nach wie vor hoch – was dazu geführt hat, dass die Preise explodiert sind. Ein Kilogramm hochwertigen Adlerholzes ist mindestens 5.000 US$ wert.

Das lukrative Geschäft lockt bereits seit Jahren illegale Händler an. Sie durchstreifen die Wälder und fällen die Bäume, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Ironischerweise ist das Harz, das den Baum so begehrt macht, eigentlich ein Schutzmechanismus: Es wird nur dann produziert, wenn der Baum verwundet ist oder durch Insekten, Feuer oder Windstürme Schäden erlitten hat. Und selbst dann dauert es noch zwei Jahrzehnte, ehe das Holz vom Harz durchtränkt ist. Darauf wollen die Holzhändler jedoch nicht immer warten, also schlagen sie Kerben in die Baumrinde, um die Harzproduktion anzuregen, oder bohren Löcher in das Innere der Stämme. Dann fällen sie die Bäume und schmuggeln das Holz auf die Märkte.

Aus den Wäldern Südchinas ist der Incense Tree nahezu verschwunden – und so kommen die Trupps bis nach Hong Kong, sie fallen in die Landschaftsparks ein und machen selbst vor Privatgrundstücken nicht Halt. „Bis die Polizei da ist, sind sie längst verschwunden“, sagt Jim Chi-yung, Geografie-Professor an der Universität Hong Kong. Im Jahr 2014 lag die Zahl der gemeldeten Vorfälle bei 134, fast zehnmal mehr als fünf Jahre zuvor. Umweltschützer betonen, dass dies jedoch nur die offiziellen Zahlen seien, die Dunkelziffer liege viel höher. Verurteilt werden außerdem nur wenige Diebe, wie Chi-yung bedauert. „Es scheint, dass die Regierung die Angelegenheit nicht ernst genug nimmt“, klagt auch Ho Pui-han, die eine Interessengruppe zum Schutz der Bäume gegründet hat. Immerhin konnte sie vor Kurzem eine Anhörung zu dem Thema vor Regierungsvertretern durchsetzen. Die verweisen darauf, dass sie jedes Jahr Tausende Setzlinge des Duftbaumes anpflanzen.

Wissenschaftler an der Chinesischen Universität in Hong Kong haben derweil ein Überwachungssystem entwickelt. Ein Chip wird am Stamm befestigt, und der übermittelt elektronisch, wie es dem Baum geht. Hämmert oder sägt jemand an ihm herum, schlägt das Gerät Alarm. „Bäume können nicht sprechen“, sagt Professor Cheng Chun-hun, die das Monitorsystem mitentwickelt hat, „wir geben ihnen nun quasi die Möglichkeit dazu.“

Wer einen echten Incense Tree sehen möchte, wird im Botanischen Garten an der Albany Street fündig (von oben kommend linker Eingang).

sb

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