Hub für Innovation

Hong Kong ist nicht nur Standort fürs Geschäftemachen, sondern auch fürs Nachdenken. Das tun unter anderem die politischen Stiftungen: Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die politische Stiftung der CDU, die FDP-nahe Friedrich Naumann-Stiftung, die ganz neu in der Stadt ist, und demnächst auch die grüne Heinrich-Böll-Stiftung, die 2019 ein Büro eröffnen will. In einem Gespräch stellen wir die Leiter vor – Armin Reinartz von der Naumann-Stiftung macht den Anfang.

inhk: Was macht die Naumann-Stiftung ausgerechnet in Hong Kong?
Armin Reinartz: Die Naumann-Stiftung will sich generell stärker global vernetzen. Wir haben festgestellt, dass es eine Reihe von Themen gibt, die nicht nur in einem Land vorkommen, sondern überall auf der Welt. Und da macht es Sinn, nicht nur lokal zu denken und zu arbeiten, sondern sich weltweit zu vernetzen. Dazu sollen unsere drei Hubs dienen. Der erste Hub ist in Washington und beschäftigt sich mit dem Thema Freihandel, der zweite befindet sich in Brüssel, Thema hier die Sicherheitspolitik, und nun der dritte Hub in Hong Kong mit dem Titel Global Innovation.

inhk: Was bedeutet das konkret?
Reinartz: Autoritäre Regime wie etwa in China nutzen moderne Technologien, beispielsweise die Gesichtserkennung, um ihre Bürger zu kontrollieren. Als liberale Demokratiebefürworter sehen wir hier die Notwendigkeit eines Upgrade. Wir müssen mit der Entwicklung Schritt halten und innovativer werden. Das heißt, wir müssen uns die modernen Techniken ansehen, Künstliche Intelligenz, Cryptowährung, Gesichtserkennung, und feststellen, wo sie uns nutzen können, wo sie beispielsweise den Service erleichtern oder Kosten reduzieren können. Gleichzeitig müssen wir aber auch herausstellen, wo die Risiken liegen, etwa beim Datenschutz und den Bürgerrechten. Und dann müssen wir das auf Konferenzen und in Expertisen thematisieren und in unseren Netzwerken gegebenenfalls davor warnen.

inhk: Warum fiel die Wahl auf Hong Kong?
Reinartz: Die Stadt bietet einen guten Mix. Es gibt hier viele Start-ups und Fintech-Unternehmen, außerdem ist Hong Kong in Fragen der Smart City und des E-Government schon recht weit. Hinzu kommt, dass Englisch und die kurzen Wege sich hervorragend für Besuchsdelegationen und Workshops eignen.

inhk: Was heißt Smart City, was macht Hong Kong da zum Vorreiter?
Reinartz: In Hong Kong gibt es zwar eine Debatte, wie erfolgreich man als Smart City im Vergleich zu Städten wie Seoul ist. Im Vergleich zu der großen Mehrheit der Städte weltweit, insbesondere auch Deutschland, ist Hong Kong aber dennoch ein interessantes Anschauungsobjekt. Hier sind bereits viele Services digitalisiert. Wer eine Geburtsurkunde in Berlin beantragt oder versucht hat, sein Auto anzumelden, dem geht bei den Online-Services der Verwaltung in Hong Kong das Herz auf. Auch was den öffentlichen Nahverkehr angeht und die generelle positive Einstellung gegenüber Innovationen, sind die Stadt und ihre Bürger ein positives Beispiel.

inhk: Nach rund drei Monaten in Hong Kong – wie gefällt es Ihnen?
Reinartz: Ich habe moderne Ostasienwissenschaften in Köln und Duisburg studiert und bin dann für zwei Jahre nach Peking gegangen, um meinen Master in Public Policy zu machen. Einmal in Hong Kong zu leben, war schon vor zehn Jahren mein Traum. Die moderne Metropole, dazu das Meer und die Berge, das ist eine einmalige Kombination.

inhk: Wo leben Sie?
Reinartz: In Discovery Bay. Meine Lebensgefährtin hatte eigentlich genug vom urbanen Dschungel. Wir haben vorher drei Jahre lang in Bangkok gelebt und der Deal war, wenn wir anschließend nach Hong Kong gehen, darf sie den Wohnort aussuchen. Wir haben außerdem zwei kleine Söhne, drei Jahre und ein Jahr alt, da bietet sich DB an.

inhk: Sie haben Ihr Büro bei WeWork in Wan Chai – wie arbeitet es sich dort?
Reinartz: WeWork bietet auf mehreren Etagen Büros und Räume, die gemeinschaftlich genutzt oder gebucht werden können, wie etwa die Konferenzräume oder die Küchenzeile. Mir gefällt diese Offenheit, die Büros sind zwar – Hong Kong typisch – klein, aber wenn man nach rechts oder links schaut, sieht man keine Mauern, sondern durch die Glasscheiben andere Leute in ihren Büros, die an spannenden Sachen basteln. Und wenn man zum Kaffeeautomaten geht, kann man interessante Gespräche führen. Das Ganze ist außerdem extrem flexibel, wenn man mehr Raum benötigt, mietet man den dazu, wenn man sich verkleinern oder kündigen will, geht das auch schnell und unkompliziert. WeWork liegt außerdem verhältnismäßig zentral, da kommen die Gesprächspartner gut hin.

sb

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