Hong Kongs Country Parks

Für viele Menschen ist Hong Kong nur eine Skyline aus Wolkenkratzern. Doch der Schein trügt! Drei Viertel der Stadt sind unbebaut und mehr als 40% der gesamten Fläche besteht aus Country Parks. Die insgesamt 24 Country Parks und 22 Special Areas werden vom Agriculture, Fisheries & Conservation Department (AFCD) verwaltet. Sie umfassen eine Gesamtfläche von 440 km². Die meisten Parks wurden 1977 und 1978 angelegt. Lord MacLehose, langjähriger britischer Gouverneur Hong Kongs und ein begeisterter Wanderer, war maßgeblicher Initiator für die Errichtung der Parks. Sie dienen der Erholung, sorgen für den Erhalt von Flora und Fauna und schaffen Raum für Freizeitaktivitäten. Berge, Wälder, Reservoirs und Küsten sind ein Teil davon.

Zur Ausstattung gehören Besucherzentren, Unterstände, Toiletten, Tische und Bänke, Grill-, Picknick-, Kinderspiel-, Camping- und Parkplätze. In einigen Parks gibt es am Eingang Kioske und in manchen sind sogar Restaurants zu finden.

Mountainbike Trails ziehen sich durch wenige Parks, aber alle haben gut angelegte und ausgeschilderte Wanderwege, die häufig betoniert und aufgrund der starken Regenfälle meist mit Stufen ausgebaut sind. Standortmarkierungen, sogenannte distance posts, erscheinen alle 500 Meter mit angegebenen Standortnummern, z. B. „H 056”. Diese Nummern sollten bei einem Notruf genannt werden, um die Rettung zu erleichtern. Durch fünf Country Parks auf Hong Kong Island führt der 50 km lange Hong Kong Trail. Der 100 km lange MacLehose Trail beginnt im Osten der New Territories in Sai Kung und endet im Westen in Tuen Mun. Der 78 km lange Wilson Trail erstreckt sich von Stanley im Süden von Hong Kong Island bis nach Nam Chung im Norden der New Territories. Dieser Trail wurde benannt nach David Wilson, Gouverneur von Hong Kong von 1987 bis 1992. Der 70 km lange Lantau Trail umrundet einen Teil der Insel Lantau und führt auch über die Berge. Weiterhin gibt es mehr als 100 andere Trails, unterteilt in Country, Nature und Family Trails.

Erhalt von Flora und Fauna
Während der letzten Jahrhunderte verlor Hong Kong fast alle Wälder und dadurch auch viel von seiner Tierwelt. Subtropische Regenwälder bedeckten das Gebiet, lange bevor es von Menschen bewohnt wurde. In der Yuan-Dynastie begann die Abholzung für den Teeanbau, in der Qing-Dynastie brauchte man Holz für den Bau von Booten. Die meisten einheimischen Bäume und Pflanzen wurden während des Zweiten Weltkrieges und der japanischen Besatzung zerstört. Die Briten nannten Hong Kong bei ihrer Ankunft „barren rock.“ Seit 1850 wird von der Regierung aufgeforstet, zuerst mit eingeführten, in neuerer Zeit vermehrt mit einheimischen Arten. Der Großteil von Hong Kongs Wäldern ist somit jung, d. h. zwischen 50 und 70 Jahre alt. Heute sind ca. zwei Drittel der unbebauten Fläche Hong Kongs von Wald, Busch- und Grasland sowie an manchen Küstenabschnitten von Mangroven bedeckt.

Flora
Mehr als 3.300 Arten von Gefäßpflanzen wachsen in Hong Kong. Davon sind ca. 2.000 einheimische Arten und ca. 1.300 eingeführte Exoten. Die bekanntesten Gewächse sind die wilden Azaleen und Rhododendren. Weiterhin gedeihen hier Hibiskus, Schwertlilien, Schlüssel- und Laugenblumen. Besondere Arten sind eine Vielzahl von Orchideen, Magnolien und Kamelien sowie der chinesische Glockenstrauch. An Wasserpflanzen gibt es die Hong Kong Water Nymph und die Najas, ein Nixenkraut, das zur Familie der Froschbissgewächse gehört.

Die Wälder werden von Eichen- und Lorbeergewächsen dominiert, weiterhin gibt es Ahorn-, Rosen-, Myrten-, Bambus-, Zaubernuss-, Tee-, Kannenpflanzen-, Schwarzmund-, Osterluzei-, Meerträubel-, Wolfsmilch- und Kieferngewächse sowie Cairo Morning Glory, ein Windengewächs, Screw Pine, ein Pandangewächs, das an eine Ananas erinnert und Sternanisgewächse, die mit ihren Blüten ausschauen wie Magnolien. Spiny-fruited Vine und Kudzu sind kletternde, ausdauernde krautige Pflanzen. Auch Gerber- und Brechsträucher sind zu finden, ebenso der Becherfarn.
Eine Besonderheit sind die noch erhaltenen Feng-Shui-Wälder im Nordosten Hong Kongs. Sie umschließen die Dörfer immer hangseitig im Halbkreis und sollen das jeweilige Dorf vor schlechten Einflüssen aller Art schützen, wozu u. a. auch Erosion und Hangrutsche zählen. Sie enthalten eine Vielzahl verschiedenster Bäume und anderer Pflanzen. Feng-Shui-Wälder waren nur einmal pro Jahr für Nutzung zugänglich und wurden von der damaligen Dorfbevölkerung aktiv bewahrt und geschützt. Sie sind innerhalb Hong Kongs Biodiversität-Hotspots wichtige Refugien für Pflanzen und Tiere sowie wertvolle Samenbanken für die Vegetation.

Bekannte Bäume sind die Bauhinia, ein Baum, der Hong Kong-Orchidee genannt wird und dessen Blüte sich in der Landesflagge wiederfindet, Scheinkastanien, Bambus, Palisander, Talgsumach, Palmen, Banyan- und Lorbeerbäume, der Chinese Sweet Gum oder auch Formosan Gum genannt sowie der Hong Kong-Hartriegel, ein kleiner immergrüner Baum oder auch Strauch. Ein besonderes Phänomen sind die Mauerwerkbäume. Um Erdrutsche zu verhindern, mussten viele Hänge, Straßen und Gebäude in Hong Kong gesichert werden. So pflanzte man im 19. Jahrhundert Bäume vor den Steinmauern ein. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Hänge durch Zementierung stabilisiert und 1.275 Mauerwerkbäume sind heute an 110 Mauern zu zählen. Die meisten davon befinden sich in Central, Wan Chai und im Westen Hong Kong Islands. Der größte ist ein über hundert Jahre alter chinesischer Banyan in der Forbes Street.

Fauna
In ländlichen Gegenden leben die unter Naturschutz stehenden Fledermäuse. Sie ernähren sich von Insekten und Früchten. Dachse, Zivet- und Leopardkatzen sind ebenfalls gelegentlich zu sehen.
An den Küsten im Norden der New Territories zeigen sich Otter und Mungos. Sie sind gute Schwimmer. Mittlerweile sind die asiatischen Mungos aber auch in den Country Parks zu finden.
In abgelegenen Gebieten leben Stachelschweine, Schuppentiere und Eichhörnchen. Wild ist in bewaldeten Gebieten angesiedelt. Der Kam Shan Country Park beherbergt Rhesusaffen, sogenannte Makaken.
Größere, wild lebende Säugetiere sind wegen der verstärkten Urbanisierung in Hong Kong rückläufig, aber dennoch in der Natur anzutreffen. Wildschweine gab es in Sai Kung, Tai Lam Chung und Sha Tau Kok. Inzwischen haben sie ihr Gebiet vergrößert und kommen sogar bis in die Stadt.
Auf Kühe trifft man in Lantau und in Sai Kung, ein Überbleibsel der ehemaligen Milchwirtschaft. Wasserbüffel gibt es hauptsächlich in Pui O, Lantau Island. Sie wurden um 1900 herum für die Landwirtschaft gebraucht. Als diese in den 70er Jahren eingestellt wurde, blieben sie trotzdem. Zuständig für das Vieh ist heute das AFCD.

Über 108 Arten von Amphibien und Reptilien gibt es, unter ihnen mehr als 52 Schlangenarten. Die meisten Schlangen sind harmlos. Zwar gibt es 14 Arten von Giftschlangen, aber nur von acht können die Bisse, wenn nicht rechtzeitig behandelt, tödlich enden. Der aktivste Beißer ist die Bambusschlange, die bis zu 75 Zentimeter lang wird. Die größten der heimischen Schlangen messen bis zu sechs Meter.
Die einzige unter Naturschutz stehende Schlange ist die ungiftige burmesische Python.
Giftig, aber nicht tödlich, ist auch der Biss einer Schwarznarbenkröte. Alle Schildkröten, Frösche und Molche stehen unter Schutz der Wild Animals Protection Ordinance (WAPO).

550 Vogelarten gibt es in Hong Kong. Die bekanntesten sind Reiher, Bulben, Tauben, Eisvögel und Muskatfinken. Hong Kong ist in Asien eine wichtige Zwischenstation auf den Wanderrouten mancher Zugvögel. Jeden Winter suchen ca. 90.000 Vögel Zuflucht in den Mai Po Marshes. In den Fischteichen und auf Wattflächen finden die Tiere ihre Nahrung. Alle wild lebenden Vögel stehen unter Schutz der WAPO.

Zur Insektenfauna gehören Spinnen und Skorpionarten. Giftig, aber nicht tödlich, sind die Bisse der riesigen Tausendfüßer und Hornissenstiche. Zudem gibt es etwa 240 Schmetterlingsarten, mehr als 2.000 Nachtfalter- und über 110 Libellenarten. Der seltene Birdwing-Schmetterling steht als einziges Insekt unter Schutz der WAPO.

Marine Parks
Um Mangroven, Seegräser, 84 verschiedene Arten von Korallen, unzählige Fischarten, über 200 Gattungen wirbelloser Tiere und Delfine in Hong Kongs Gewässern zu schützen, wurden fünf Marine Parks und ein Marine Reservat errichtet.
Der Begriff „Chinese white dolphins“ wird nur in Hong Kong und in China gebraucht. Ansonsten heißen sie bei allen Wissenschaftlern „Indo-Pacific humpbacked dolphins“. Auf Deutsch nennen wir sie die pinkfarbenen Delfine. Sie sind Hong Kong locals! Seit Hunderten von Jahren bereits schwimmen sie im Pearlflussdelta und in den Gewässern Hong Kongs. Berühmt aber wurden sie erst in den 80er Jahren, als Hong Kong die Pläne eines neuen Flughafens auf den Tisch brachte: Chek Lap Kok, ein Gebiet, das sehr von den Delfinen frequentiert wurde. Heute gibt es noch ca. 47 Delfine in Hong Kongs Gewässern, auf Brothers Island, Sha Chau, Lung Kwu Chau, Black Point, Pillar Point, Kau Ling Chung, den Soko Islands, im Nordosten des Flughafens und entlang der Westküste von Lantau Island, von Tai O bis nach Fan Lau. Das AFCD hat vier Marine Parks in Sha Chau, Lung Kwu Chau und im Nordwesten Lantaus errichtet, um die wenigen, noch übrig gebliebenen Delfine zu schützen. Weitere Marine Parks sind geplant.

Country Parks

Hong Kong Island
Die Insel erstreckt sich über 80 km², ca. 7% der gesamten Fläche Hong Kongs. Sechs Country Parks bedecken fast 40% des Areals. Gipfel und Höhenzüge wechseln zu Gras- oder Buschland. Subtropische Wälder umgeben Hong Kongs älteste Stauseen in den tiefen Tälern. Die Südseite der Insel mit ihren Küsten und Buchten ist nicht in die Country Parks integriert.
Der Lung Fu Shan Country Park ist der kleinste Country Park Hong Kongs. Er wurde erst 1998 eröffnet. Highlights sind Kriegsruinen. Eine Militäranlage namens Pinewood Battery und Überbleibsel alter Festungen erzählen die Geschichte Hong Kongs.
Der Pok Fu Lam Country Park beherbergt das Pok Fu Lam Reservoir, einheimische und neue Baumarten, viele Vogelarten, Stachelschweine, Eichhörnchen, Dachse, Zivet- und Leopardkatzen.
Einer der ältesten Country Parks Hong Kongs ist der Aberdeen Country Park. Er ist umgeben von zwei Reservoirs. Der größte Teil des Parks besteht aus vulkanischen Gesteinen. Die heute schattigen Wälder sind das Ergebnis von Aufforstung. Eisvögel und Schwarzmilane sind hier zu finden. Im Aberdeen Tree Centre können sich Besucher informieren.
1977 erbaut, nimmt der Tai Tam Country Park ein Fünftel der Fläche Hong Kong Islands ein. Das grüne Tai Tam Valley ist umgeben von Felsen und den höchsten Bergen der Insel. Viele Orchideenarten wachsen hier. Die dichten Wälder sind ideal für die Tierwelt. Entlang der Trails liegen vier Reservoirs, historische Anlagen und Kriegsrelikte.
Der kleine Tai Tam Country Park Quarry Bay Extension wurde 1979 errichtet. Einst stand hier die Tai Koo Sugar Factory. Das Woodside Biodiversity Education Centre befindet sich entlang des Quarry Bay Tree Walks.

Die Wiederaufforstung im Shek O Country Park mit einheimischen Sträuchern und Bäumen ist gelungen. Die Hong Kong Gordonia, ein Teestrauchgewächs, Efeu, Myrtengewächse sowie Eichenbäume wachsen heute im Park. Stachelschweine, Muntjakhirsche und Vögel wie Bussarde und Seeadler hausen hier. Zusätzlich zu den Wanderwegen gibt es zwei Mountainbike Trails.

Lantau Island
Die größte Insel Hong Kongs ist ca. 30 km lang und umfasst 142 km². Die Berge erheben sich abrupt aus dem Meer. Lantau beheimatet Hong Kongs zweit- und dritthöchste Gipfel. Ein Großteil der Insel ist geprägt von grasbewachsenen Hügeln, das Ergebnis von Bränden in der Vergangenheit, und kleinen Wäldern. Der Süden bietet sehr lange Strände.
Der Lantau South Country Park ist mit dem Lantau Peak sowie die Halbinsel Chi Ma Wan und den bekannten Ausflugszielen Big Buddha, den Tempelanlagen in Ngong Ping und Upper Keung Shan der größte Park Hong Kongs. Auf Chi Ma Wan und in Fan Lau sind stillgelegte Kalkbrennereien zu besichtigen. Der Park beherbergt das Shek Pik und Shap Long Irrigation Reservoir. Umfangreiche Sekundärwälder mit einheimischer Flora wie Ginseng und Magnolien bieten Schlaf- und Nistplätze für Seeadler. Kühe, Wasserbüffel und Muntjakhirsche fühlen sich hier wohl. Außer Wanderwegen gibt es auch hier Mountainbike Trails und viele Campingplätze. Restaurants befinden sich entlang der Strände. Das Ngong Ping Nature Centre bietet Informationen.

Der Lantau North Country Park umfasst den Sunset Peak, die nördlichen Hänge des Lantau Peaks und die Region nördlich von Ngong Ping. Dichte Wälder stellen Biotope für eine facettenreiche Pflanzenwelt dar, wie die Hong Kong Gordonia, Rhododendren, Azaleen und Orchideen. Hier leben Wildschweine, burmesische Pythons, Muntjakhirsche, Kühe und Wasserbüffel; in den Gewässern im Westen findet man noch seltene rosa Delfine. Tung Chung beheimatet die Festung Tung Chung Fort.
Der 2008 eröffnete Lantau North Extension Country Park erstreckt sich überwiegend bergig mit Wäldern, Büschen und Grasland durchzogen, von Penny’s Bay im Osten Lantaus bis nach Tung Chung und Sham Wat im Westen.

Die Country Parks in den Central New Territories, im Westen und Nordosten Hong Kongs sowie in Sai Kung stellen wir in der nächsten Ausgabe vor.

ct

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