Die Seidenstraße

Als Seidenstraße wird das historische Netz der Karawanenstraßen bezeichnet, die bereits vor mehr als 2000 Jahren auf dem Landweg von Ost- über Zentralasien bis zum Mittelmeerraum führten. Auf diesen teilweise abenteuerlich kurvigen Handelsrouten reisten neben Kaufleuten auch Gelehrte, Mönche und ganze Armeen. So vielfältig wie die Reisenden waren allerdings auch die transportierten Güter. Neben Seide, Gold und Silber wurden Jade, Elfenbein, die buddhistische Religion und Fähigkeiten wie beispielsweise die Herstellung von Wein transportiert. Selbst die Pestbakterien, die den Schwarzen Tod nach Europa brachten und ganze Städte ausrotteten, sollen über die verschlungenen Pfade der Seidenstraße nach Europa gelangt sein.

Seit 2013 erlebt die Seidenstraße eine besondere Renaissance, die nicht nur auf Tourismus ausgerichtet ist. Unter dem Begriff „One Belt One Road“ fördert China gigantische Infrastrukturprojekte. Entlang der neuen Seidenstraße entstehen Bahnstrecken, Häfen, Flughäfen und Straßen, über die der Weg von Zentralasien nach Europa schneller zu bewältigen ist als mit dem Schiff übers Meer. Der Ausbau, zur touristischen Erschließung und um den Weg in den Westen zu öffnen, dauert weiter an.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist die Reise auf der alten Route von Lanzhou nach Kashgar, von der Provinz Gansu in die Provinz Xinjiang.

Zwei Stunden dauert unser Flug von Peking in das wenig beschauliche Lanzhou. Von dort fahren wir mit dem Schnellzug nach Zhangye, wo wir von unserem Tourguide in Empfang genommen werden. Durch die Gansu-Provinz führt der Teil der Seidenstraße, der den bedeutenden Knotenpunkt zwischen Zentralasien und China bildet.

In Zhangye, der ersten Station unserer Reise, besichtigen wir die Matisi-Grotten – mühsam in den Fels gehauene Höhlen, die als Tempel genutzt wurden. Wir besuchen die Höhlen der 1000 Buddhas in den nahe gelegenen Bergen und bestaunen den größten liegenden Buddha (1098 AD) Chinas mit einer beachtlichen Länge von 35 Metern.

Am folgenden Tag passieren wir die Festungsstation nahe der Stadt Jiayuguan und der Wüste Gobi, die den Zugang zum chinesischen Kaiserreich sicherte. Dies ist die westlichste Zugangsstation an der Chinesischen Mauer, die als erste während der Ming-Dynastie (1372 AD) erbaut wurde, um das Land vor den einfallenden Nomaden und Mongolen zu schützen.

Die Fahrt geht weiter zu den 1929 entdeckten bunten Bergen, die man Danxia, rote Wolke, nennt. Die in mehreren Millionen Jahren durch Erosion entstandene Bergkette aus rotem Sandstein und Mineralschichten liegt in einem 400 Quadratkilometer großen Geopark, der Wege, Aussichtsplattformen und Busfahrten zu spektakulären Aussichtspunkten bietet.
Die letzte Station an diesem Tag ist der Besuch der Wei Jin-Grabstätten, die erst 1972 entdeckt wurden. Bisher wurden allerdings nur 13 der 1.400 Familiengräber, der Wei- und Jin-Dynastien aus den Jahren 386/534–1115/1234 AD freigelegt.

Am dritten Tag geht es zu den Yulin-Höhlen in der Gansu-Provinz nahe den Qilian-Bergen. Sie bestehen aus 43 Höhlen, die sich zur Ost- und Westseite eines Kliffs erstrecken und 100.000 Buddhastatuen, 272 andere Statuen und göttliche Gemälde beherbergen.
Der nächste Stopp gilt dem Mingsha Shan, den singenden Sanddünen in der Taklamakan-Wüste. Wenn der Wind über die gewaltigen Dünen von 40 km Länge, 20 km Breite und 250 m Höhe fegt, verursacht er das laute Singen.

An Tag vier erwachen wir im bezaubernden Silk Road Dunhuang Hotel, welches im Tang-Dynastie-Stil nachgebaut ist und das alte China verkörpert. Von hier aus brechen wir zu den nahe gelegenen Mogao-Grotten auf. Die 492 Grotten wurden über fünf Etagen in den Sandstein gegraben und beinhalten auf 45.000 Quadratkilometern unzählige Wandmalereien und mehr als 2.000 Skulpturen.

Der folgende Tag führt uns in die Region Turpan und dort in die damals prosperierende, auf ein 30 Meter erhöhtes Plateau gebaute Ruinenstadt Jiaohe (wo sich zwei Flüsse treffen). Die ehemalige Hauptstadt gilt als die älteste und am besten erhaltene verlassene Stadt der Welt.

Nächste Station ist Bezeklik – die 1000 Buddha-Grotten zwischen Turpan und Shanshan. Die 77 Grotten wurden im 10.–13. Jahrhundert von Mönchen des Westuigur-Königreichs angelegt.
Der Tag endet mit der Besichtigung der flammenden Berge in Gaochang. Flammend, weil die Rinnen und Gräben, die sich durch Erosion in den Berg gefressen haben, wie Flammen anmuten. Der heißeste Ort Chinas kommt auf Tagestemperaturen von bis zu 50 C.

Mit dem Flugzeug geht es am folgenden Tag von Urumqi nach Kashgar, der westlichsten Stadt Chinas und Hauptstadt der Xinjiang-Provinz, die schon seit 2000 Jahren ein Handelstreffpunkt auf der Seidenstraße darstellt. Der erste Halt ist das Afāq Khoja-Mausoleum aus dem Jahr 1640, das der chinesische Kaiser Qianlong für seine Lieblingskonkubine errichten ließ und welches noch 72 weiteren Generationen als Ruhestätte diente.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die 1442 erbaute Id Kah-Moschee mit ihren einzigartigen gelben Wänden, in der täglich bis zu 20.000 Gläubige zusammenkommen.
Die 500.000 Einwohner Kashgars bestehen in der Mehrheit aus Uiguren, Tajiken, Usbeken, Kirgisen und einer Minderheit von Han-Chinesen. Auf den Märkten herrscht ein buntes exotisches Treiben. Hier endet unsere unglaublich spannende Reise auf der ältesten Reiseroute der Welt.

Allgemeines
Beste Reisezeit: Februar bis April und August bis September.
Im Oktober kann es schon gehörige Temperaturunterschiede geben. Dementsprechend empfiehlt es sich, warme Kleidung dabei zu haben.

Kosten: Individualreise mit Guide und Fahrer für die Autotouren (die Fahrzeuge sind alle gut gepflegt), inklusive Flug Urumqi / Kashgar, Zugfahrt, acht Hotelübernachtungen (Essen war durchgängig gut) zum Preis von: 2.080 US$ für zwei Personen.

Extras: Trinkgelder für Guide, Fahrer und Aktivitäten wie z. B. folkloristische Shows am Abend oder Kamelritt.

Anbieter: Silk Road China Tours


Xenia Rensinghoff-Schmelzer

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