Auf der Suche nach Identität

Literatur aus Hong Kong dürfte im deutschsprachigen Raum wohl kaum bekannt sein. Dies zu ändern ist die Idee hinter „Die reisende Familie“, einem Sammelband von Geschichten Hong Konger Autorinnen, den die deutsche Sinologin Monika Gänßbauer gemeinsam mit einer Hong Konger Kollegin herausgegeben hat.

inHK: Wie kam die Idee zu dem Buch?

Monika Gänßbauer: Als ich meiner Kollegin Terry Yip, die an der Baptist University in Hong Kong Literatur unterrichtet, erzählte, dass wir einen Essayband des Hong Konger Autors Leung Ping-kwan ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht haben, reagierte sie so darauf: „Gratulation. Jetzt könnte das nächste Projekt eine Sammlung von Erzählungen Hong Konger Autorinnen sein. Viele Autorinnen in Hong Kong schreiben fantastisch, sind aber noch kaum in andere Sprachen übersetzt.“ So entstand „Die reisende Familie“ als ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Deutschland und Hong Kong.

inHK: Wie wurden die Autorinnen ausgewählt?

Gänßbauer: Die Auswahl erfolgte in einem Prozess: Zunächst schlug Terry Yip, die ja vor Ort lebt, einige Hong Konger Gegenwartsautorinnen vor, die sie selbst wichtig findet. Anschließend suchte ich je eine Erzählung dieser Autorinnen aus, die mir für den deutschen Kontext spannend erschien, und schließlich habe ich zusammen mit einer Gruppe begabter deutschsprachiger Nachwuchs-SinologInnen die Texte übersetzt.

inHK: Wovon handeln die Geschichten? Was erzählen sie uns über Hong Kong?

Gänßbauer: Die Erzählung von Xi Xi zum Beispiel handelt von Hong Konger Schaufensterpuppen, die ständig umdekoriert und schließlich im Keller vergessen werden. Man könnte die Geschichte so lesen, dass sich die Hong Konger zwischen China und Großbritannien „herumgeschubst“ fühl(t)en und ihre Situation nicht selbst bestimmen können. Am Ende landen sie im Keller – diese Passage erinnerte mich an eine Schlagzeile der Zeitschrift Fortune von 1995, die lautete: „The Death of Hong Kong“. Im Jahr 2007 nahm Fortune diese leichtfertige Schlagzeile dann gleichsam zurück mit einer neuen Schlagzeile: „Oops! Hong Kong is hardly dead!“ Eine andere Erzählung – von Hon Lai-Chu – thematisiert Flucht und die Suche nach Identität, und Sharon Chung befasst sich mit Themen wie Emigration und Einwanderung, die die Menschen und ihr Leben in der Metropole Hong Kong vielleicht besonders betreffen.

Info: Das Buch kann über die üblichen Internetanbieter bestellt (ISBN: 0946-2325) oder beim Verlag angefordert werden.
projektverlag.de/die-reisende-familie

sb

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