Paarberatung in HK

Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner 

Auf dem Rückflug von Frankfurt sah ich den oben genannten deutschen Film, in dem eine Frau die Beziehung zu ihrem Mann in Frage stellt, als sie sich in einen anderen verliebt. Später im Film gibt Frau Baronski (Judy Winter) Kati (Jessica Schwarz) Einsichten in ihre vergangene Ehe: „Wir hatten für eine Weile die Aufmerksamkeit füreinander verloren. So ist Ehe. Es gibt gute und es gibt schlechte Zeiten. Das Wichtigste ist, dass man die schlechten Zeiten übersteht.“

Für viele Paare ist Hong Kong eine besondere Herausforderung. Das beschleunigte Leben mit einem Zuviel an Arbeit, Aktivität und Unterhaltung bringt oft Unruhe in bestehende Beziehungsgefüge oder verstärkt vorhandene Schwächen. Meist fokussiert ein Partner zu sehr auf Arbeit, während der andere sich sehr stark auf Kinder, Schule oder Heimat konzentriert. In der Megacity Hong Kong verliert man sich sehr leicht gegenseitig aus dem Auge.
Der Grundbaustein einer glücklichen Zweisamkeit ist es, alltäglich Sicherheit zu spüren im gemeinsamen Umgang. Ein Paar muss König und Königin des eigenen Königreichs sein. Dazu gehört es, dass beide gemeinsam alle dritten Dinge managen – also ihr gesamtes Umfeld: Arbeit, Spiel, Sport, Familie und Soziales. Dazu müssen beide Partner beitragen, mit Offenheit und Mut zur Liebe. Ich glaube nicht an „Ein Herz und eine Seele“. Ich suche nach zwei Herzen und zwei Seelen, die sich gegenseitig ergänzen und verbessern.

Jeder Einzelne ist verantwortlich dafür, sich für den anderen attraktiv zu machen und sich für den eigenen Partner zu interessieren. Das geht am bestem mit viel Selbst-Bewusstsein (damit meine ich nicht Arroganz) und Selbst-Pflege (damit meine ich nicht Frisör). Sehnsucht entsteht zwischen zwei Menschen, wenn wir den anderen vermissen, bewundern oder mit ihm/ihr lachen.

Noch einmal Frau Baronski (Judy Winter): „Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner. Aber wenn Du dann da bist, dann merkst Du ganz schnell, dass das eben auch nur Gras ist. Das, wonach man sich sehnt, ist meistens nicht das, was man braucht.“

In meiner Arbeit mit Paaren baue ich darauf, dass die meisten Partner –manchmal auf seltsame Weisen – miteinander verbunden sind und sein wollen. Dieses Grundvertrauen bringe ich quasi für beide mit.

Sebastian Droesler

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