ABC für HK-Anfänger

Architektur: So hoch wie die Hochhäuser sind auch die Miet- und Kaufpreise in HK; 2017 waren sie die höchsten der Welt. Selbst Mini-Apartments von 15 m² kosten 300.000 Euro. Nur Parkplätze sind noch teurer: Im Juni verkaufte ein Ehepaar einen Parkplatz für 660.000 Euro – nachdem es ihn ein knappes Jahr zuvor für 370.000 Euro erstanden hatte. 

Bar: Genau genommen ist HK eine ideale Stadt für Singles und junge Paare. Die Dichte der Bars und Restaurants ist riesig, die meisten befinden sich in Lan Kwai Fong und Wan Chai. Time Out Magazine, Condé Nast Traveler, Sassy HK und South China Morning Post helfen bei der Suche. Oder einfach los- und der Masse hinterherziehen!

Club: Die britische Kolonialvergangenheit lässt grüßen, und zwar in Form der Clubs; insgesamt gibt es 27 private Clubs und in den allermeisten geht es um den Sport. Wer Mitglied werden will, muss eine nicht unerhebliche Aufnahme- und Monatsgebühr bezahlen, es sei denn, das eigene Unternehmen besitzt eine Corporate-Mitgliedschaft. Immerhin können auch Nicht-Mitglieder Tennis-, Hockey- oder Schwimmkurse besuchen. In den clubeigenen Restaurants allerdings kann nur mit Membership Card gezahlt werden! Daneben gibt es „soziale Clubs“ wie den Foreign Correspondent Club, der regelmäßig zum Luncheon mit interessanten Referenten einlädt, sowie den altehrwürdigen China Club und HK Club.

Distrikt: Wer in HK wohnt, hat die Qual der Wahl. Direkt am Meer in Repulse Bay leben oder doch lieber mittendrin in Wan Chai oder Sai Ying Pun? Vornehm, aber steil in den Mid-Levels? In der Expat-Enklave Discovery Bay, dafür mit der Möglichkeit, dass die Kinder mit dem Rad umherfahren können? Oder weiter draußen in Sai Kung oder Clear Water Bay, wo es Häuser gibt und die haben dann sogar Dachterrassen? Hier muss sich jeder selbst ein Bild machen.

Einkaufen: Es gibt zwei große Supermarktketten, Wellcome und ParknShop (der Fusion gehört dazu), in denen weniger schön als praktisch eingekauft wird. Teurer, dafür aber ansprechender sind der Great im Pacific Place (gehört zu ParknShop) und der Citysuper im IFC bzw. am Times Square. Daneben gibt es noch den Marks & Spencer, die kleine Kette Market Place (gehört zu Wellcome), den Ikea sowie die Discounter Prizemart und den 759 Store. Wer Lust auf Gouda, Bratwürstchen, Pflaumenmus und Kartoffeln (!) hat, muss nicht bis zum nächsten Deutschlandbesuch warten, sondern kann all dies und mehr online bei Taste Matters oder Euro Goodies bestellen. Auch die Brotsituation ist lange nicht so desolat wie man annehmen könnte. Le Pain Quotidien (Belgien) und Maison Eric Kayser (Frankreich) haben Filialen in HK eröffnet, daneben gibt es noch den Passion (gehört einem in der Schweiz geborenen Wahl-HKer). Die HK Breadbox liefert köstliche Brötchen, Croissants und den Hefezopf direkt nach Hause (Bestellung erfolgt immer dienstags online). Der Bäcker ist ein Schweizer, der seit mehr als zwei Jahrzehnten hier lebt und vor allem für große Hotels Brötchen backt. Wer selbst backen will: Twins Co. und Sweet Decoration in Wan Chai bieten Backzutaten aller Art.

Feiertage: HK hat 17 Feiertage – christliche, chinesische, patriotische. Zu den chinesischen Feiertagen zählt der Geburtstag von Tin Hau, Göttin des Meeres, das Cheung Chau Bun Festival (geht zurück auf eine Geisteraustreibung vor 300 Jahren mit Tausenden gedämpften Brötchen als heiliges Opfer), den Geburtstag von Buddha (25. Mai) und Konfuzius (Tag 27 des achten Monats) sowie das Chung Yeung Festival (Fest der „doppelten Neun“ am neunten Tag des neunten Monats, ein Tag mit zu viel „Yang“, potenziell ein gefährliches Datum).

Gesundheit: Das deutsche Generalkonsulat verfügt über eine umfangreiche Liste an Ärzten und Krankenhäusern. Besondere Impfungen sind nicht notwendig (weitere Infos beim Robert Koch-Institut oder Tropeninstitut). Achtung Eltern: Bei Epidemien, etwa der Grippe, können Kindergärten und Schulen geschlossen werden, das aber liegt nicht im Ermessen der Schulen selbst, sondern das entscheidet die HKer Gesundheitsbehörde. Im Übrigen bietet das Gesundheitsamt jährliche Check-ups für Kinder und Jugendliche an (vergleichbar den deutschen U-Untersuchungen); Informationen erteilt in der Regel die Schule (Student Health Service). Apotheken findet man als Pharmacy-Abteilung in den Drogeriemärkten Watsons und Mannings.

HK Identity Card: Die braucht jeder, der das 11. Lebensjahr erreicht hat und mehr als 180 Tage in HK verbringt (Immigration Department, Terminvereinbarung online). Wer sieben Jahre lang ununterbrochen hier gelebt hat, erhält die Permanent Residence Card. Bei Rückzug in die Heimat bleibt die Karte weiter gültig. Um den Aufenthaltsstatus zu behalten, muss man aber regelmäßig wiederkommen, mindestens alle drei Jahre.

Insel: HK ist eine Stadt der Inseln, insgesamt sind es 263.

Job: Wer arbeiten will, braucht ein Arbeitsvisum. Das erhalten Expats in der Regel über ihren Arbeitgeber. Die Bearbeitungszeit dauert in der Regel vier bis sechs Wochen (ab Einreichung aller Unterlagen). Anders als in vielen anderen Ländern, darf sich auch der mitreisende Ehepartner über sein Dependent Visa einen Job suchen. Alternativ kann die Zeit genutzt werden zur Weiterbildung (Sprachschulen, Goethe-Institut, HKU Space, eine Schwesterorganisation der HK University, oder in Online-Kursen der Open University).
JobsDB.com Indeed.hk

Kirche: Es gibt die deutschsprachige katholische und die deutschsprachige evangelische Kirche. Sie kommen abwechselnd am Sonntag um 10:30 Uhr in der Grundschule der GSIS am Peak zusammen. Weitere Informationen – auch zu Kommunion- und Konfirmationsvorbereitungskursen – finden sich auf den Websites.
auslandsgemeinde.hong-kong.elk-wue.dedkhk.org

Luft: Die ist in HK nicht immer sauber. An zahlreichen Tagen im Jahr zeigt der Luftindex „rot“ an, d. h., der von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Grenzwert wird um ein Vielfaches überschritten. Dabei geht es vor allem um den (unsichtbaren) Feinstaub, kleinste Partikel, PM2.5 genannt, die bis in die Lunge und ins Herz vordringen und dort schwere Schäden anrichten können. Seit 2013 gibt es mehrere Messstationen für Feinstaub, Ozon, Nitrogene und andere Schadstoffe. Die App AirVisual gibt Aufschluss über die Werte. Da die Luft auch durch die Ritzen der Fenster dringt, sollten für die Wohnung Filter angeschafft werden.

Museum: Bis vor wenigen Jahren hatte HK in dieser Hinsicht nur wenig zu bieten. Inzwischen haben weltweit bekannte Galerien wie Gagosian, Zwirner und Pace Ableger hier gegründet, findet einmal im Jahr mit der Art Basel HK ein großes Kunstevent statt, hat die örtliche und weniger profitorientierte Kunstszene ihre Räume gefunden (Para Site, Blindspot Gallery, 1 A Space Cattle Depot, Osage Gallery, Oi!). Auch lange leer stehende historische Komplexe wurden renoviert (PMQ sowie ganz neu Tai Kwun). 2019 soll außerdem das M+ eröffnen, ein Museum mit dem Fokus auf chinesischer Gegenwartskunst. Seine Existenz verdankt es dem Schweizer Uli Sigg, der mehr als 1.400 Werke und damit den Großteil seiner seit den 1970er Jahren in China zusammengetragenen Sammlung dem M+ schenkt.

Newcomer: Es gibt diverse Verbünde und Verbände, in denen die Expat-Community zusammenkommt. Dazu zählen GSIS Connect, eine von Eltern der Deutsch-Schweizerischen Internationalen Schule (GSIS) ins Leben gerufene Gruppe, der sich aber auch Nicht-Eltern anschließen können, sowie die German Speaking Ladies, die unter anderem einmal im Monat (montags) zum Coffee Morning zusammenkommen, was sich als unverbindlicher Einstieg anbietet. Die Schweizer treffen sich in der Swiss Association, die Österreicher (und andere) am locker-unterhaltsamen Stammtisch. Wer gerne wandert, sucht sich eine Meet-up-Gruppe, z. B. die von Christ‘l Trübenbach, die jeden Donnerstag in entlegene und weniger entlegene Ecken führt. Wer mehr international unterwegs sein möchte, geht zur britischen Women’s Corona Society oder American Women’s Association.

Octopus Card: Absolut unverzichtbar. Ob in Bus oder Bahn, beim Einkauf im 7-Eleven oder im Supermarkt, die aufladbare Geldkarte ist ein Muss. Auch Online-Überweisungen lassen sich damit tätigen und selbst manche Taxifahrer akzeptieren die Karte als Zahlmittel.
octopus.com.hk

Philippinische Helferinnen: Das Heer der philippinischen und indonesischen Helferinnen (oder Foreign Domestic Worker), wie sie eigentlich genannt werden sollten) macht 9% der arbeitenden Bevölkerung in HK aus. Insgesamt sind es rund 380.000. Ihre Lebensverhältnisse sind vielfach prekär, gilt doch eine Live-In-Policy, d.h., sie müssen bei ihren Arbeitgebern zu Hause wohnen, wobei gesetzlich weder geregelt ist, wie lange die Arbeitszeiten sind noch wie ihr Schlafplatz auszusehen hat. Damit ist Missbrauch programmiert, wie viele Hilfsorganisationen kritisieren. Werden die Frauen entlassen, müssen sie innerhalb von 14 Tagen einen neuen Arbeitgeber finden – oder werden ausgewiesen. Der monatliche Lohn, den sie dafür erhalten, ist zwar höher als der Durchschnittsverdienst in ihren Heimatländern, mit aktuell 4.410 HK$, aber dennoch relativ gering. Geht man von einem 8-Stunden-Tag aus, macht das bei sechs Tagen die Woche einen Stundenlohn von 2 Euro! Es gibt Helferinnen, die außerhalb in Wohngemeinschaften leben, offiziell ist das allerdings verboten (inoffiziell drückt das Government hier ein Auge zu oder sogar zwei).

Qualle: Von Quallen im Meer über handtellergroße Spinnen im Wald bis hin zu Schlangen auf Wanderwegen (Achtung: giftig!) und Wildschweinen in Wohngebieten bietet HK viel Abwechslung in der Tierwelt. Ein Ärgernis sind die Kakerlaken, die sich in jeder Wohnanlage tummeln. Auf jede gesehene Küchenschabe kommt ein Zehnfaches an verstecktem Ungeziefer.

Reise: Ob Australien, Bali oder China – die Region bietet vermutlich mehr Reiseziele als Ferienwochen zur Verfügung stehen. Vorher prüfen, wo Sommer, Winter und Regenzeit herrscht. Wer über Chinese New Year weg will, sollte rechtzeitig buchen – auch die Chinesen wollen weg! Bei Reisen nach China beachten, dass dort nur wenig Englisch gesprochen wird. Reisebüros: Martin Botz von The Last Frontiers (China); Santa Maria Travels & Tours für das noch relativ unentdeckte Myanmar; Asien insgesamt Frontiers 56. 

Strand: Ca. 90 Strände verteilen sich über die Region HK. 

Top 10: Wohin in den ersten Tagen und Wochen, wohin mit den ersten Besuchern?

Umwelt: Ob Glas- oder Plastikflaschen, Papier oder Lebensmittelabfälle – in HK landet (fast) alles in einer Tonne. Im Jahr 2016 wurden täglich 15.300 Tonnen Abfall auf den Müll geworfen, macht 1,4 kg pro Kopf. Es gibt ein paar lokale Initiativen wie Plastic-Free HK, Live Zero, GoCup, die online oder in kleinen Shops einen müllfreien Alltag ermöglichen wollen. 2018 wurden in allen Country Parks die Papierkörbe entfernt – damit die Wanderer ihren Abfall wieder mit nach Hause nehmen. Das funktioniert erstaunlich gut! Ab 2019 darf der Haushaltsmüll nur noch in extra dafür vorgesehenen Tüten entsorgt werden. Zwar kosten die Tüten nur wenige Cent (30 Cent die kleinste, 11 HK$ die größte), doch je mehr Müll ein Haushalt produziert, desto mehr Tüten muss er kaufen. Verursacherprinzip nennt sich das Ganze.

Verkehr: HK verfügt über ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz. Die U-Bahn, genannt MTR, führt beispielsweise bis an die Grenze nach Festland China (App MTR Mobile). Darüber hinaus gibt es die (von unterschiedlichen Busgesellschaften betriebenen) großen Citybusse und kleinen Minibusse, die nahezu überall hinfahren. Für einen besseren Durchblick sorgen die Apps HKeTransport, Citymapper, Navigation oder Moovit: Public Transport. Wer nicht öffentlich unterwegs sein möchte, fährt Taxi (in Stoßzeiten die HKTaxi-App nutzen; um die Chancen zu erhöhen, am besten dem Fahrer einen Extra-Tip geben!). Auch Uber ist in HK – allerdings nicht ganz legal – unterwegs und macht den Taxifahrern mit Freundlichkeit und gut ausgestatteten Wagen Konkurrenz.
Ob man in HK ein Auto braucht, ist eine Frage des Wohnortes und des Geschmacks. Die Anschaffung eines Gebrauchtwagens ist vergleichsweise günstig, die Frage ist dann nur: Wohin damit? Parkplätze sind rar und teuer. Die Zulassung gilt für ein Jahr, dann muss eine erneute Zulassung mit Vorlage der letzten Kfz-Untersuchung erfolgen. Einen HK-Führerschein zu beantragen ist relativ einfach (HK Licensing Office).

Wetter: Das aktuelle Wetter liefert die Website des HK Observatory (die dazugehörige App heißt HK Weather). Außerdem finden sich hier die aktuellen Wetterwarnungen, die von T1 (Standby Signal, ein tropischer Strom befindet sich in einem Radius von 800 km), über Amber, Red und Black Rain bis hin zu Signal 3, 8, 9 und 10 reichen. Ab Signal 3 bleiben Kindergärten geschlossen, ab Signal 8 auch die Schulen. Fähren und Busse stellen ebenfalls ihren Betrieb ein. Hochzeit der Taifune ist der Sommer und Herbst.

X-Mas: Der größte Weihnachtsmarkt ist der der GSIS (in diesem Jahr am 1. Dezember). Die Messe an Heiligabend bestreiten die beiden deutschsprachigen Kirchen gemeinsam.

Yuan: Niemand sollte HK verlassen, ohne in China gewesen zu sein. Ein paar Vorschläge? Das Avatar-Gebirge im Zhangjiajie-Nationalpark, die Diaolou-Wachtürme in Kaiping, Reisterrassen und der Fluss Li in Guilin/Yangshuo, Xi’an mit seiner Terracotta-Armee, Chengdu und die Pandas, das unbekannte Datong mit Hanging Tempel und Buddhastatuen im Berg, die Provinz Yunnan.

Zeitung: Die South China Morning Post galt lange Zeit als unabhängiges mediales Aushängestück vor den Toren des kommunistisch verschlossenen Chinas. Inzwischen gehört die Zeitung Jack Ma, dem Gründer des Online-Kaufhauses Alibaba, und versucht, mit einer tendenziell positiven China-Berichterstattung das Image Pekings aufzupolieren. Einen kritischeren Blick auf HK und die Region liefern HK Free Press (HKFP) und Radio Free Asia (RFA). Ebenfalls lesenswert sind die Reports des Merics, des Berliner Mercator Instituts für Chinastudien. Englischsprachiges Radioprogramm bietet RTHK.

sb

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