250 Euro für ein normales Leben

Jedes Jahr werden weltweit 160.000 Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten geboren. Viele von ihnen, vor allem in armen Ländern, werden nie operiert. Manche aber haben Glück – wenn jemand wie Ulrike Lamlé sich dieser Kinder annimmt. Die gebürtige Kölnerin ist Hals-Nasen-Ohren-Ärztin und war dank ihres Mannes, der im diplomatischen Dienst tätig ist, schon in vielen Ecken der Welt. Zurzeit ist Dieter Lamlé deutscher Generalkonsul in Hong Kong. Und auch hier folgt Ulrike Lamlé ihrer Mission: Möglichst vielen Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ein normales Leben zu ermöglichen.

inhk: Warum haben Sie sich auf das Thema Lippen-Kiefer-Gaumenspalte spezialisiert?
Ulrike Lamlé: Ich bin Hals-Nasen-Ohren-Ärztin und habe lange nichts gefunden, was mich in der Medizin wirklich befriedigte. Von 2004 bis 2009 waren wir dann in Peru, und eines Tages kam ein Team aus Deutschland, um Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu operieren. Da habe ich gefragt, ob ich assistieren kann. Anschließend habe ich mir einen Arzt in Peru gesucht, einen plastischen Chirurgen, und habe mit ihm einen Deal gemacht: Ich beschaffe ihm das nötige Geld für die Operationen aus Deutschland, und er nimmt mich mit zu seinen Operationseinsätzen und bringt mir das chirurgische Wissen bei.

inhk: Wie aufwendig ist eine solche Operation?
Lamlé: Das kommt darauf an. Eine Lippenspalte kann in einer einstündigen OP und bei Erwachsenen auch ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Komplizierter ist die Entfernung einer Gaumenspalte, was sehr häufig mit einer Lippenspalte einhergeht. Das erfordert viel Konzentration und Geschick. Wir operieren in der Regel zunächst die Spalte in der Lippe und dann nach einem Jahr das Loch im Gaumen. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Eltern zur zweiten OP womöglich nicht wiederkommen, weil rein optisch ihre Kinder nach Verschluss der Lippe ja normal aussehen, operieren wir manchmal auch erst die Gaumenspalte, dann die Lippenspalte. Der Verschluss des Loches im Gaumen ist deshalb wichtig, weil die Kinder sonst nie richtig sprechen lernen können.

inhk: Was kostet eine solche OP?
Lamlé: Nicht viel. Schon 250 Euro reichen, um den Kindern ein normales Leben zu ermöglichen, dass sie nicht angestarrt und in ihren Dörfern ausgegrenzt werden, dass sie sprechen lernen, in die Schule gehen und später einen Job finden können.

inhk: In welchen Ländern sind Ihre Einsätze?
Lamlé: Ich bin zum einen Mitglied beim Verein Deutsche Cleft Kinderhilfe. Dort arbeite ich ehrenamtlich als Projektleiterin für verschiedene Länder wie Pakistan, Afghanistan, Bangladesch, Peru und Bolivien. Ich sorge dafür, dass einheimische Ärzte trainiert, die Projekte ausgeweitet sowie neue Methoden eingeführt werden. Dann gibt es die Organisation Operation Smile, die frage ich regelmäßig an, ob eine Chirurgin für einen Einsatz benötigt wird. Zuletzt war ich in Ghana, und wir haben rund 150 Kinder operiert. Außerdem haben mein Mann, meine vier Kinder und ich eine eigene Hilfsorganisation gegründet, die LaKi Kids – LaKi als Abkürzung für Lamlé-Kinderhilfe. Mit der gehen wir in Länder, in die sonst niemand geht, in den Irak, Libanon und Palästina. Auch Indonesien gehört dazu, dort ist die Rate der Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte vergleichsweise hoch. Als wir im April auf die Insel Flores geflogen sind und der Taxifahrer uns zur Missionsstation gefahren hat, meinte er: ‚Ihr könnt gleich in mein Dorf kommen, dort leben auch drei Kinder mit einer Lippenspalte.’

inhk: Wie erfahren die Eltern, dass eine deutsche Ärztin anreist, um ihre Kinder zu operieren?
Lamlé: Das machen die Gesundheitszentren und Sozialarbeiter vor Ort. Die leisten die eigentliche Arbeit. Die gehen in die Dörfer, die manchmal mehrere Stunden Fußmarsch von den Krankenhäusern entfernt im Dschungel liegen. Oft müssen sie auch viel Überzeugungsarbeit leisten, damit sich die Menschen überhaupt trauen, zu uns zu kommen.

inhk: Und wer operiert?
Lamlé: Ich operiere immer mit Ärzten aus den jeweiligen Ländern zusammen. Die Krankenhäuser sind oft simpel, aber wir brauchen auch nicht viel. Nur einen OP-Saal und einen Anästhesisten, das ist alles. Wichtig ist dann noch die Nachbehandlung. Wenn die Kinder schon älter sind, können sie nicht einfach so sprechen lernen, das muss durch eine Sprachtherapie begleitet werden.

inhk: Was sagen die Eltern nach der Operation?
Lamlé: Sie sind natürlich dankbar. Am faszinierendsten aber ist es Erwachsene zu operieren. Der erstaunte, glückliche Blick in den Spiegel, wenn sie sich dort das erste Mal sehen, entschädigt für sämtliche Mühen.

Wer an die LaKi Kids spenden möchte:
LaKi Kids International e.V.
Deutsche Apotheker- und Ärztebank IBAN: DE98300606010003804674 BIC DAAEDEDDXXX

oder

Hong Kong Donation Account:
Citibank Dr. Ulrike Lamlé
“Cleftchildren” Account No. 0048389528

sb

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